BIP-110 vor Kettenspaltung: Nur 10 von 1.109 Signalen erreicht

Editorial illustration of a Bitcoin blockchain splitting into a dominant main chain and a slow minority fork

Der umstrittene Softfork-Vorschlag BIP-110 steuert trotz verschwindend geringer Unterstützung im Netzwerk auf ein verpflichtendes Signaling ab Block 961.632 zu. Nach dem Dashboard-Stand vom 30. Juli 2026 signalisierten in der laufenden Periode erst 10 Blöcke für die Aktivierung – nötig wären 1.109, wie aus den öffentlich einsehbaren Daten von bip110.org hervorgeht.

Damit droht Bitcoin erstmals seit der Abspaltung von Bitcoin Cash im Jahr 2017 eine neue Kettenspaltung. Auslöser ist diesmal kein Streit um Blockgrößen, sondern der Versuch einer kleinen Gruppe von Akteuren, bestimmte Formen der Datenspeicherung wie Ordinals und Inscriptions für rund ein Jahr durch neue Konsensregeln zu unterbinden.

Verpflichtendes Signaling trotz fehlender Mehrheit

BIP-110 nutzt zunächst ein Miner-Signal über Bit 4. Für eine freiwillige Aktivierung wären 1.109 signalisierende Blöcke nötig, was rund 55 Prozent der Hashrate entspricht – eine ungewöhnlich niedrige Schwelle im Vergleich zur Taproot-Aktivierung 2021, bei der 90 Prozent der Blöcke innerhalb einer Periode erforderlich waren.

Wird diese Schwelle verfehlt, soll BIP-110 trotzdem nicht scheitern: Ab Block 961.632 lehnen BIP-110-Nodes jeden Block ohne das entsprechende Signal ab. Spätestens bei Block 963.648 soll der Vorschlag als fest aktiviert gelten, die eigentlichen Datenbeschränkungen würden bei Block 965.664 greifen. Zusätzlich wurde im Aktivierungsclient ein reproduzierbarer Fehler entdeckt, durch den selbst BIP-110-Nodes untereinander auf unterschiedlichen Ketten landen können.

Was hinter BIP-110 steckt

Der ursprünglich als BIP-444 diskutierte Vorschlag trägt den Titel „Reduced Data Temporary Softfork“ und führt sieben zusätzliche Konsensregeln ein, darunter Begrenzungen für Output-Skripte, Witness-Elemente und Taproot-Konstruktionen. Ziel ist es, Bitcoin stärker auf seine Funktion als Zahlungssystem zu beschränken. Eine sogenannte Grandfathering-Regel soll bereits bestätigte UTXOs schützen, sodass gewöhnliche Bitcoin auf klassischen SegWit- oder Taproot-Adressen auch auf einer möglichen BIP-110-Kette bewegbar bleiben sollen.

Laut einer Analyse von news.bitcoin.com lag die Signalisierungsrate am 6. August bei nur 2,45 Prozent, mit 41 von 1.674 gezählten Blöcken im aktuellen Zeitraum. Große Mining-Pools wie Foundry, Antpool, F2pool und Viabtc haben sich demnach geweigert, das Signal zu setzen.

Schneckentempo statt echter Konkurrenz

Die aktuell signalisierende Hashrate wird auf rund 13,5 EH/s geschätzt. Eine abgespaltene BIP-110-Kette würde damit im Schnitt nur etwa alle 11 Stunden und 19 Minuten einen neuen Block finden – fast 68-mal langsamer als die reguläre Bitcoin-Kette. Bis zur ersten regulären Anpassung der Mining-Schwierigkeit müssten trotzdem 2.016 Blöcke entstehen, was bei gleichbleibender Hashrate rechnerisch rund 950 Tage dauern würde.

Das plausibelste Szenario: Die reguläre Bitcoin-Blockchain läuft mit fast der gesamten Hashrate weiter, während eine kleine, extrem langsame BIP-110-Chain möglicherweise nebenher entsteht und von Börsen sowie Wallet-Anbietern weitgehend ignoriert wird. Wer sich näher mit dem Betrieb eigener Bitcoin-Nodes beschäftigt, versteht, warum Knotenbetreiber in diesem Szenario eine entscheidende Rolle spielen – sie entscheiden faktisch mit, welcher Kette sie folgen.

Was Bitcoin-Nutzer jetzt beachten sollten

Für gewöhnliche Nutzer besteht das größte Risiko nicht darin, dass bestehende Coins plötzlich ungültig werden, sondern in möglichen Replay-Angriffen: Da BIP-110 keinen eingebauten Replay-Schutz vorsieht, könnte eine auf der Minderheitskette signierte Transaktion auch auf der regulären Bitcoin-Kette gültig sein und dort erneut veröffentlicht werden.

  • Fork-Coins nicht direkt nach einer möglichen Abspaltung hektisch bewegen
  • Keine unbekannten Anleitungen zum „Claimen“ oder Verkaufen befolgen
  • Auf eine geprüfte Methode zur Trennung der Coins warten
  • Niemals die Seed-Phrase in eine unbekannte Fork-Wallet eingeben

Ob und wie schnell sich die Hashrate oder Mining-Infrastruktur tatsächlich in Richtung einer BIP-110-Kette verschiebt, dürfte sich in den kommenden Wochen an der Entwicklung der Miner-Infrastruktur ablesen lassen. Solange keine bedeutenden Börsen, Wallet-Anbieter oder Mining-Pools umschwenken, bleibt die reguläre Bitcoin-Kette nach aktuellem Stand der mit weitem Abstand dominante Zweig des Netzwerks.

Zuletzt aktualisiert am 9. August 2026

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Martin SchwarzExperte für Kryptowährungen

Martin, mit einem MSc. in Wirtschaftsinformatik und Fokus auf asymmetrischer Kryptographie und M2M-Kommunikation, ist seit 2015 in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs. Schon mit 17 begann er mit dem Handel von Kryptowährungen und erwarb seinen ersten Bitcoin. Neben seinem Interesse an Kryptowährungen widmet er sich in seiner Freizeit Online-Casinos und Sportwetten, wo er mit 18 Blackjack-Strategien entwickelte und sogenannte Sure-Bets durchführte. Seine Expertise dokumentierte er frühzeitig als Autor zu Themen wie Kryptowährungen, Trading, Aktien, Casinos und Sportwetten, wodurch er heute als gefragter Experte und Autor mit über 10 Jahren Erfahrung gilt.

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