
Der Bitcoin-Miner HIVE Digital Technologies hat seinen Quartalsbericht bei der US-Börsenaufsicht SEC nicht fristgerecht eingereicht, obwohl der vorläufige Umsatz für das Quartal bis zum 30. Juni auf rund 79 Millionen US-Dollar gestiegen ist. Grund für die Verzögerung ist laut einer Mitteilung von HIVE vom 11. August ausschließlich die Bilanzierung einer umstrittenen schwedischen Umsatzsteuerforderung.
Damit steht ein eigentlich starkes Quartal im Schatten einer Steuerauseinandersetzung mit der schwedischen Finanzbehörde Skatteverket. Wie hoch die finanzielle Belastung am Ende tatsächlich ausfällt, kann der Miner aktuell noch nicht seriös beziffern.
Verspätete Quartalsmeldung wegen schwedischer Steuerprüfung
Laut dem Bericht von CryptoSlate verpasste HIVE die Frist zum 10. August für seine 10-Q-Meldung und nutzt nun die nach US-Börsenrecht mögliche Verlängerung gemäß Rule 12b-25. Der vorläufige Umsatz von 79 Millionen US-Dollar entspräche einem Plus von rund 73 Prozent gegenüber den 45,6 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal, getrieben durch eine höhere Hashrate und den Start der Umsatzerfassung aus einem neuen HPC-Vertrag.
Das Unternehmen erklärte, jüngste Entwicklungen im schwedischen Verfahren hätten die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine nicht zahlungswirksame Rückstellung gebildet werden muss. Wie hoch diese Rückstellung ausfällt, ist derzeit offen, ebenso wie der erwartete operative Verlust und der Nettoverlust für das Quartal. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal wies HIVE noch einen GAAP-Nettogewinn von 35 Millionen US-Dollar aus, ohne eine solche Sonderbelastung.
Hintergrund: Skatteverkets Millionen-Forderung gegen Bitcoin-Miner
Die aktuelle Situation reiht sich in eine längere Auseinandersetzung ein. Bereits 2024 hatte die schwedische Steuerbehörde Skatteverket nach einer dreijährigen Untersuchung (2020 bis 2023) eine Forderung von insgesamt 90 Millionen US-Dollar gegen 18 Bitcoin-Mining-Unternehmen erhoben, wie aus dem ursprünglichen Bericht von tftc.io hervorgeht, den Bitbo.io aufgriff.
Von 21 untersuchten Firmen wurde der Mehrheit vorgeworfen, irreführende oder unvollständige Steuerangaben gemacht zu haben, um Steuervergünstigungen auszunutzen und Umsatz- sowie Einfuhrsteuern auf Mining-Hardware zu umgehen. Nur zwei Unternehmen konnten sich mit ihrem Einspruch erfolgreich gegen die Forderungen durchsetzen. HIVE Digital Technologies gehörte zu den Firmen, die formell Einspruch einlegten und dabei Widersprüche zur geltenden Rechtslage anführten. Der Fall beeinflusste zudem Schwedens Entscheidung vom Juli 2023, eine Stromsteuervergünstigung für Rechenzentren zu streichen, die zuvor unbeabsichtigt auch Bitcoin-Mining begünstigt hatte.
In seiner Jahresmeldung für das Geschäftsjahr 2026 wies HIVE nach Angaben von CryptoSlate schwedische Umsatzsteuerbescheide über insgesamt 765,6 Millionen schwedische Kronen aus, was zum damaligen Zeitpunkt etwa 80,5 Millionen US-Dollar entsprach. Das Management stufte die geforderte Summe damals noch nicht als wahrscheinlich ein – eine Einschätzung, die sich laut der jüngsten Mitteilung nun offenbar geändert hat.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Für Anleger ist entscheidend, dass die 79 Millionen US-Dollar Umsatz keinesfalls mit der Steuerforderung gleichzusetzen sind. Es handelt sich um zwei getrennte Kennzahlen: einen vorläufigen Umsatzwert und eine noch nicht bezifferte, nicht zahlungswirksame Rückstellung, deren tatsächliche Höhe vom Ausgang des schwedischen Verfahrens abhängt.
Wer HIVE-Aktien hält oder eine Position erwägt, sollte die nachgereichte 10-Q-Meldung genau beobachten, da erst diese Klarheit über die konkrete Belastung des Nettoergebnisses schaffen wird. Der Fall zeigt zudem exemplarisch, wie regulatorische Risiken die Profitabilität börsennotierter Miner belasten können.
Zuletzt aktualisiert am 13. August 2026




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