Fast 2 Prozent Kosten: Robinhoods Bitcoin-Route im Check

Bitcoin-Münze zwischen zwei Kurslinien als Symbol für versteckte Spread-Kosten beim Handel

Robinhoods Standardroute für Krypto-Orders kann Nutzer beim Kauf und anschließenden Verkauf von Bitcoin fast 2 Prozent kosten. Das Problem: Diese Kosten tauchen nirgends als separate Gebühr auf, sondern stecken direkt im gehandelten Preis. Ausgelöst wurde die Debatte am 17. September 2026, als Delphi-Digital-Mitgründer Tommy Shaughnessy die Praxis öffentlich kritisierte.

Shaughnessy veröffentlichte einen Screenshot, der einen Bitcoin-Spread von 1.426,03 US-Dollar zeigte, und forderte Robinhood-CEO Vlad Tenev zu einer Erklärung auf. Für Privatanleger, die über die Plattform in Bitcoin investieren, ist die Zahl relevant: Ein solcher Spread kann einen Großteil der kurzfristigen Rendite auffressen, bevor sich der Bitcoin-Kurs überhaupt bewegt hat.

So setzt sich die Handelskosten zusammen

Der Kern des Problems liegt im sogenannten Market-Maker-Routing, der Standardeinstellung für Krypto-Orders bei Robinhood. Statt Orders direkt an eine Börse zu leiten, schickt die Plattform sie an eine externe Handelsfirma. Für dieses Volumen erhält Robinhood Crypto laut eigenen Angaben 0,95 US-Dollar je 100 US-Dollar gehandeltem Volumen – eingepreist in Kauf- und Verkaufskurs, nicht als sichtbare Gebühr.

Im von Shaughnessy gezeigten Beispiel lag der Kaufkurs (Bid) bei 75.361,72 US-Dollar, der Verkaufskurs (Ask) bei 76.787,76 US-Dollar – eine Differenz von 1,87 Prozent. Wer also über diese Route sowohl kauft als auch verkauft, zahlt de facto rund 1 Prozent auf jeder Seite, macht insgesamt fast 2 Prozent, ohne dass sich der Bitcoin-Kurs selbst verändert haben muss.

Johann Kerbrat, bei Robinhood als Senior Vice President und General Manager für Krypto zuständig, reagierte auf die Kritik und verwies auf eine zweite Option namens Smart Exchange Routing. Diese Route weist eine offen ausgewiesene Gebühr von 0 bis 0,95 Prozent aus, die mit steigendem 30-Tage-Handelsvolumen sinkt. Kerbrat widersprach zudem der Behauptung, Nutzer müssten ihre Coins vor einer Auszahlung erst verkaufen: Bitcoin lasse sich direkt an eine externe Wallet übertragen. Robinhood untersagt seinen automatisierten Trading-Agenten laut der Quelle allerdings weiterhin, Krypto zu transferieren, zu staken oder zu verleihen. Einen tieferen Einblick in Robinhoods Gebühren- und Einnahmemodell liefert ein separater Beitrag zum Thema.

Warum der Spread für Anleger relevant ist

Ein Spread beschreibt schlicht die Lücke zwischen Kauf- und Verkaufspreis eines Assets. Käufer zahlen den höheren, Verkäufer erhalten den niedrigeren Kurs – und genau in dieser Differenz verdient der Anbieter. Bei einer Lücke von fast 2 Prozent verliert ein Anleger diesen Betrag bereits durch den reinen Ein- und Ausstieg, unabhängig davon, wie sich Bitcoin am Markt entwickelt.

Robinhood hatte agentisches Krypto-Trading erst im Laufe des Jahres 2026 für Kunden geöffnet und erlaubt seither externen KI-Agenten, über ein separates Konto zu handeln. Wie viel Nutzer für diesen Komfort tatsächlich zahlen, war laut der ursprünglichen Berichterstattung von BeInCrypto bislang wenig transparent kommuniziert. Wie sich das Handelsvolumen auf der Plattform zuletzt entwickelt hat, zeigt eine Auswertung zum Krypto-Handelsvolumen bei Robinhood.

Was Bitcoin-Anleger jetzt beachten sollten

Wer über Robinhood in Bitcoin investiert, sollte nicht nur auf eine ausgewiesene Kommission achten, sondern aktiv den Kauf- und Verkaufskurs vergleichen. Die von Robinhood genannte Alternative, Smart Exchange Routing, arbeitet mit einer offen ausgewiesenen Gebühr zwischen 0 und 0,95 Prozent, die mit dem eigenen Handelsvolumen sinkt – für aktive Trader potenziell deutlich günstiger als die Standardroute.

Nutzer, die Auszahlungen planen, können laut Kerbrat Bitcoin direkt an eine externe Wallet übertragen, ohne vorher zu verkaufen. Wer hingegen einen automatisierten Trading-Agenten einsetzt, sollte vorab prüfen, welche Einschränkungen bei Transfers, Staking oder Lending gelten. Wie stark Spread und Gebühren die tatsächliche Rendite beeinflussen können, zeigt auch ein Kostenvergleich zu Dogecoin bei Trade Republic, der verdeutlicht, worauf Anleger bei Kosten, Spread und Verwahrung generell achten sollten. Wie hoch die tatsächlichen Kosten der neuen agentischen Handelsfunktion langfristig ausfallen, bleibt nach dem aktuellen Stand der Berichterstattung von BeInCrypto offen.

Zuletzt aktualisiert am 19. September 2026

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Tobias FennerExperte für Kryptowährungen

Tobias Fenner beschäftigt sich seit fast einem Jahrzehnt mit der Schnittstelle zwischen digitalen Vermögenswerten und der notorisch komplexen Welt des Steuerrechts. Der in Stuttgart ansässige Experte entwickelte früh eine Leidenschaft für die regulatorische Seite von Krypto, nachdem er feststellte, dass die meisten Enthusiasten weitaus mehr auf Gewinne fokussiert waren als auf das, was passiert, wenn das Finanzamt anklopft. Seine Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Wesentliche auf den Punkt bringen – mit einer praktischen, bodenständigen Perspektive, die sowohl Krypto-Neulinge als auch erfahrene Anleger anspricht, die sich mit deutschen und EU-Compliance-Vorgaben auseinandersetzen müssen.

Seine Berichterstattung auf Coincierge.de konzentriert sich auf steuerliche Meldepflichten, die Herausforderungen bei der Einstufung von DeFi, die steuerliche Behandlung von Staking-Einnahmen und die sich ständig weiterentwickelnden Richtlinien des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Tobias ist überzeugt, dass finanzielle Freiheit im Krypto-Raum nur dann sinnvoll ist, wenn die Menschen das Erreichte auch tatsächlich behalten dürfen. Das bedeutet, die Regeln im Detail zu verstehen, anstatt am Jahresende einfach auf das Beste zu hoffen.

Wenn er nicht gerade die neuesten BMF-Schreiben analysiert oder die Krypto-Meldestandards der OECD verfolgt, begeistert sich Tobias fürs Langstrecken-Radfahren und ein – vielleicht etwas übertriebenes – Interesse an Brettspielstrategien. Er schreibt für Leser, die Klarheit statt Hype suchen und die verstehen, dass die vermeintlich langweiligen Facetten von Krypto oft die wichtigsten sind.

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