
XRP notiert aktuell bei etwa 1,09 US-Dollar und damit mehr als 70 Prozent unter dem Jahreshoch von 3,65 US-Dollar aus dem Juli 2025. Gleichzeitig registriert das XRP Ledger eine der schwächsten Nutzeraktivitäten seit Monaten. Diese Kombination aus stabilem Kurs und rückläufiger Netzwerknutzung wirft die Frage auf, ob langfristige Halter den Markt stützen oder ob die Nachfrage nachlässt.
Signal: Coin Days Destroyed zeigt Bewegung alter Bestände
Am 1. Juli zeigte sich laut Santiment eine deutliche Spitze bei Age Consumed, einem Indikator, der sinngemäß Coin Days Destroyed abbildet. Der Indikator misst, wie viele Coins nach langer Ruhephase plötzlich wieder bewegt werden. Höhere Werte werden dabei mit bewussten Entscheidungen langfristiger Akteure in Verbindung gebracht, statt mit kurzfristigem Preis-Chasing.
Die Bewegung alter Bestände ergänzt damit das aktuelle Bild: Der Preis hält sich trotz schwacher Neuaktivität um die Marke von 1,00 US-Dollar.
Wallet-Aktivität auf Jahrestief, ETF-Zuflüsse versiegen
Am 11. Juli sank die Zahl neu erstellter Wallets auf 2.130 – der niedrigste Stand seit November 2024, wie aus den zitierten On-Chain-Daten hervorgeht. Parallel fiel die Zahl täglich aktiver Adressen auf 22.888. Börse-Express zählte am selben Tag 25.350 aktive Wallets, den zweitniedrigsten Wert des Jahres.
Auch institutionell lässt der Rückenwind nach: Am 10. Juli flossen den XRP-ETFs lediglich 107.000 US-Dollar zu, an mehreren Handelstagen gab es praktisch Nullzuflüsse. Am 8. Juli standen Nettoabflüsse von 7,29 Millionen US-Dollar zu Buche. Das Gesamtvermögen der XRP-ETF-Produkte lag Mitte der Woche bei rund 996 Millionen US-Dollar und damit unter der Marke von 1 Milliarde US-Dollar.
Wale halten, Kleinanleger zögern
Auf Netzwerkebene sollen laut den zitierten Daten rund 68 Prozent der zirkulierenden XRP-Menge von großen Haltern kontrolliert werden, die in der Woche um den 6. Juli nicht verkauft haben. Wallets zwischen 10 und 100 Millionen XRP befanden sich 2026 zudem auf Aufbaukurs, während mittelgroße und kleinere Halter deutlich weniger Dynamik zeigten.
Auffällig ist zusätzlich das Custody-Verhalten: Mehr XRP wandert offenbar in private Cold Storage statt in Richtung Exchanges. Die Konzentration bei großen Adressen fällt damit in eine Phase, in der der allgemeine Retail-Trend kurzfristig schwach bleibt.
MVRV unter 1,0: Warnsignal oder Bodenbildung?
Für den 11. Juli wird berichtet, dass MVRV (Market Value to Realized Value) in den Zeitfenstern über 30 Tage, 180 Tage, ein Jahr und drei Jahre jeweils unter 1,0 lag. Das bedeutet, dass der aggregierte Cost-Basis-Ansatz über dem aktuellen Marktniveau liegt – ein Hinweis auf unrealisierte Verluste bei einem breiten Teil des Angebots.
Dieser Zustand erzeugt zwar begrenzten Profit-Taking-Druck, lässt aber gleichzeitig auch weniger kaufgetriebene Risikofreude erwarten. Der Boden unter 1,00 US-Dollar scheint aktuell eher aus dem Nicht-Verkaufen bestehender Halter zu bestehen als aus frischem Nachfragewachstum.
Risikofaktoren: Was gegen eine schnelle Erholung spricht
Auch der Derivatemarkt liefert Stresssignale: Für den 10. Juli wurde das Open Interest bei Binance mit 399 Millionen US-Dollar angegeben, rund 100 Millionen weniger als Mitte Juni. Über den breiteren XRP-Derivate-Markt fiel es von 1,32 Milliarden auf 764,57 Millionen US-Dollar, während die Funding Rate am Ende der Woche bei 0,007 lag und Long-Liquidationen um 94 Prozent zulegten. Dieses Muster wird typischerweise als Deleveraging gelesen.
Halten die ETF-Nettoabflüsse an und sinkt zugleich die Zahl neu erstellter Wallets weiter, deuten die vorliegenden Daten eher auf Abwarten als auf zunehmende Marktüberzeugung hin.
Ausblick: Worauf Anleger jetzt achten sollten
Regulatorisch gab es 2026 Fortschritte: eine MiCA-gerichtete CASP-Lizenz aus Luxemburg am 6. Juli sowie eine berichtete RLUSD-Stablecoin-Zulassung in Japan Ende Juni. RLUSD erreichte auf dem XRP Ledger ein Settlement-Volumen von 2,5 Milliarden US-Dollar. Rund 80 Prozent des Angebots liegen laut den zitierten Zahlen jedoch weiterhin auf Ethereum.
Auch die Meldung, dass der XRPL am 8. Juli über das x402-Protokoll eine Million AI-Agent-Micropayments überschritten habe, taucht nach den vorliegenden Informationen nicht automatisch in der klassischen Active-Address-Metrik auf. Entscheidend für die kommenden Wochen wird sein, ob sich regulatorische Klarheit in messbarer täglicher Netzwerknutzung niederschlägt. Bleibt dieser Nachweis aus, dürfte der Kurs weiter primär von der Zurückhaltung großer Halter statt von frischer Nachfrage getragen werden.
Zuletzt aktualisiert am 14. August 2026







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