Die Vereinten Nationen modernisieren ihr Rentensystem grundlegend und setzen dabei auf Blockchain-Technologie. Über Jahrzehnte hinweg mussten mehr als 70.000 Rentenempfänger in über 190 Ländern regelmäßig den Nachweis erbringen, dass sie noch am Leben sind.
Dies bedeutete einen bürokratischen Kraftakt mit hohem Fehlerrisiko. Jährlich wurden rund 1.400 Auszahlungen fälschlicherweise gestoppt, oft aufgrund fehlerhafter oder verspäteter Dokumente. Mit dem neuen System, das auf der Blockchain basiert, ist dieser Prozess nun deutlich effizienter, sicherer und vor allem digital geworden.
Entwickelt wurde die Lösung im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem United Nations Joint Staff Pension Fund (UNJSPF), dem International Computing Centre (UNICC) und der Hyperledger Foundation. Zentrales Element ist das „Digital Certificate of Entitlement“ (DCE), das die Existenz und Identität der Anspruchsberechtigten zuverlässig digital verifiziert. Auf physische Nachweise kann dadurch weitgehend verzichtet werden.
Fortschritte durch Blockchain, KI und Biometrie
Das neue digitale Zertifikat nutzt neben der Blockchain auch Gesichtserkennung, künstliche Intelligenz und Geolokalisierung, um die Identität der Rentenempfänger zweifelsfrei zu bestätigen.
Seit dem Pilotprojekt im Jahr 2020 und der offiziellen Einführung 2021 verzeichnete die UN beachtliche Erfolge: Laut dem offiziellen Whitepaper wurden Archivierungskosten um 95 Prozent gesenkt, die Bearbeitungspapiere um 40 Prozent reduziert und Überstundenkosten um über 76 Prozent verringert. Auch die Akzeptanz unter den Nutzern ist hoch.
Neben operativen Vorteilen sieht die UN in der Blockchain eine strategische Schlüsseltechnologie. In dem Bericht wird sie als „ultimative Technologie für digitale Identitätsverifikation“ bezeichnet. Ein großer Vorteil: Das System vermeidet einen Single Point of Failure und erhöht dadurch die Ausfallsicherheit.
Ausweitung auf weitere UN-Organisationen geplant
Unter dem Titel „DCE Consortium Initiative“ wurde zudem ein skalierbares Modell entwickelt, das anderen UN-Organisationen als Service zur Verfügung gestellt werden kann. Ziel ist ein vollständig interoperables Identitätssystem innerhalb des gesamten UN-Komplexes oder ein „grenzenloses digitales Ökosystem für eine globale Belegschaft“, wie es in der offiziellen Veröffentlichung heißt.
Langfristig verfolgt die UN mit dem Projekt das Ziel, eine globale digitale Infrastruktur für Identitäten zu schaffen. Dabei steht nicht nur die Rentenverifizierung im Fokus, sondern eine systemweite Identitätslösung: die „UN Digital ID“. Dieses System wurde bereits 2020 im Rahmen des Wettbewerbs „Reimagine the UN Together“ angestoßen und soll als mobile, portable Lösung dienen, die auf Blockchain und biometrischer Technologie basiert.
Mit der digitalen ID will die UN nicht nur die Verwaltung modernisieren, sondern auch Datensilos aufbrechen und die Zusammenarbeit zwischen ihren über 30 Organisationen effizienter gestalten. Der aktuelle Schritt bei den Pensionszahlungen ist somit nur der Anfang einer umfassenden digitalen Transformation innerhalb der größten internationalen Organisation der Welt.
Innerhalb der UN haben in der Vergangenheit auch schon andere Organisationen mit Krypto und Blockchain experimentiert. So hat etwa UNICEF schon 2019 einen Kryptofonds eingerichtet.
Zuletzt aktualisiert am 29. September 2025




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