
Washington hat seiner Krypto-Politik in einer einzigen Woche zwei neue Bausteine hinzugefügt. Die SEC legte einen ersten eigenen Regulierungsvorschlag für Krypto-Fundraising vor, und die CFTC tagte erstmals mit ihrem neuen Innovation Advisory Committee, wie Decrypt berichtet.
Im Zentrum steht weiterhin der CLARITY Act, der bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen das US-Repräsentantenhaus passierte, im Senat aber noch nicht verabschiedet wurde.
SEC und CFTC konkretisieren ihre Positionen
Laut Decrypt schlug die SEC am Dienstag mit Regulation Crypto Assets erstmals ein eigenes, krypto-spezifisches Regelwerk vor. Es soll Emissionen von bis zu 5 Millionen US-Dollar über vier Jahre oder 75 Millionen US-Dollar pro Jahr ohne vollständige SEC-Registrierung ermöglichen und einen bedingten Safe Harbor schaffen, sobald die wesentlichen unternehmerischen Bemühungen eines Emittenten abgeschlossen sind. Die Kommission stimmte dabei nicht in einer offenen Sitzung ab, sondern im sogenannten Seriatim-Verfahren – einzeln und ohne öffentliche Debatte.

Am Donnerstag erklärte CFTC-Chef Mike Selig beim Innovation-Advisory-Treffen laut Decrypt, eine Verabschiedung des CLARITY Act sei aus seiner Sicht der sicherste Weg, eine erneute Durchsetzungskampagne wie unter dem früheren SEC-Chef Gary Gensler zu verhindern. Unter Genslers Führung leitete die SEC dem Bericht zufolge 125 kryptobezogene Durchsetzungsverfahren ein. Selig sagte zudem, die CFTC werde bei einem weiteren Stillstand des Gesetzes ihre bestehenden Befugnisse nutzen, um ein Regelwerk für Krypto-Assetmärkte aufzubauen.
Warum der CLARITY Act weiter feststeckt
Der Grund für die parallelen Gesetzgebungsprozesse liegt im Senat selbst. Dort arbeiten der Bankenausschuss und der Agrarausschuss auf getrennten Spuren an den SEC- beziehungsweise CFTC-Teilen des Gesetzes. Ein Streit über verzinste Stablecoins blockiert die Verhandlungen seit Januar 2026. Die Bankenlobby argumentiert, verzinste Stablecoin-Konten seien faktisch Spareinlagen ohne die Kapital- und Einlagensicherungspflichten regulärer Banken. Die Kryptobranche hält dagegen, es handle sich um Gewinnbeteiligung aus Treasury-Zinsen und nicht um ein Bankprodukt. Wer die Vorgeschichte der Senatsabstimmung genauer nachvollziehen will, findet weitere Hintergründe zum CLARITY Act im Senat.
Der CLARITY Act würde der CFTC eine umfassende Zuständigkeit für Spot- und Kassamärkte digitaler Rohstoffe übertragen. Die Behörde verfügt derzeit in diesen Märkten über Befugnisse gegen Betrug und Manipulation, jedoch nicht über eine umfassende Aufsicht. Einen Überblick über die mögliche Rolle der Behörde als Regulierungsalternative liefert der Beitrag zum Krypto-Regulierungsrahmen der CFTC.

Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Krypto-Anleger ist entscheidend: Auch ohne verabschiedeten CLARITY Act liegen in den USA konkrete Regulierungsvorschläge und Ankündigungen der Behörden vor. Der SEC-Vorschlag sieht Ausnahmen für bestimmte kleinere Kapitalerhöhungen vor. Zugleich bereitet die CFTC nach eigener Darstellung Regeln auf Grundlage ihrer bestehenden Befugnisse vor, falls das Gesetz im Kongress nicht vorankommt.
Die Unsicherheit bleibt dennoch bestehen. Solange der Senat keine Einigung bei der Stablecoin-Verzinsung findet, ist der weitere Gesetzgebungsprozess offen. Prognosemärkte preisen laut FinTech Weekly eine Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent für eine Gesetzesunterzeichnung noch 2026 ein. Anleger sollten Ankündigungen von SEC, CFTC und Senat in den kommenden Wochen daher genau beobachten, statt allein auf eine schnelle CLARITY-Verabschiedung zu setzen.
Zuletzt aktualisiert am 22. August 2026





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