
Coinbase hat den provisionsfreien Handel mit Aktien und ETFs an einem Dienstag im Februar 2026 für alle US-Kunden geöffnet – mit über 8.000 Wertpapieren, Bruchstückanteilen ab einem US-Dollar und der Möglichkeit, Positionen in USD oder USDC zu finanzieren. Der Schritt baut auf einem limitierten Pilotstart im Dezember 2025 auf und ist Teil der erklärten „Everything-Exchange“-Strategie des Unternehmens.
Doch bei genauerem Hinsehen steckt hinter dem Feature mehr als ein neues Handelsinstrument: Coinbase positioniert sich damit als direkte Konkurrentin zu Robinhood – und verfolgt dabei eine Strategie, die langfristig die gesamte Architektur der Börse verändern könnte.
Wie der Aktienhandel bei Coinbase funktioniert
Der Handel läuft an fünf Tagen pro Woche rund um die Uhr – daher der Begriff 24/5. Coinbase weist ausdrücklich darauf hin, dass außerhalb der regulären Börsenzeiten mit geringerer Liquidität und größeren Spreads zu rechnen ist. Clearing, Verwahrung und Ausführung werden von Apex Fintech Solutions übernommen, nicht von der eigenen Broker-Infrastruktur des Unternehmens.
Abonnenten von Coinbase One erhalten laut dem Unternehmen unbegrenzte USDC-Rewards auf ihr Handelsguthaben. Parallel dazu wird Yahoo Finance auf jeder Aktien- und Krypto-Seite einen „Auf Coinbase handeln“-Button integrieren, der eine direkte Ausführung aus der Research-Oberfläche ermöglicht. Yahoo-Finance-Nutzer bekommen zusätzlich einen einmonatigen kostenlosen Test von Coinbase One Basic angeboten.
Ein Sprecher von Coinbase bestätigte gegenüber The Block, dass der provisionsfreie Aktienhandel dauerhaft bleiben soll – Details zum Erlösmodell nannte das Unternehmen jedoch nicht.
Strategischer Kontext: Diversifikation nach einem schwachen Quartal
Die Expansion kommt zu einem strategisch heiklen Zeitpunkt: Im vierten Quartal 2025 meldete Coinbase einen Nettoverlust von rund 667 Millionen US-Dollar, wobei sowohl die Transaktionserlöse als auch die Abonnementerlöse im Quartalsvergleich zurückgingen. Das Unternehmen ist nach wie vor stark von den Kursschwankungen der Kryptomärkte abhängig – eine enge Korrelation, die sich direkt im Aktienkurs von COIN widerspiegelt.
Genau deshalb ist der Einstieg in den Aktienhandel mehr als ein Produktupdate. Coinbase versucht, die Abhängigkeit von Krypto-Handelsvolumina zu verringern und die Plattform für Nutzer attraktiv zu halten, auch wenn die digitalen Märkte ruhig bleiben. Der wachsende Wettbewerbsdruck durch dezentrale Börsen macht diesen Diversifikationsschritt zusätzlich dringlich.
CEO Brian Armstrong skizzierte die Stoßrichtung in einem Beitrag auf der Plattform X: Er bezeichnete den Start als weiteren Schritt in Richtung einer Zukunft mit tokenisierten Aktien und verwies auf das Wachstum der „Everything Exchange“.
Fahrplan: Perpetual Futures und tokenisierte Aktien
Coinbase plant laut Primärquelle, in den kommenden Monaten den 24/5-Handel auf weitere Tausende Aktien auszuweiten. Im Frühjahr sollen über Coinbase Bermuda Ltd. unbefristete Aktien-Futures für Trader außerhalb der USA starten – als kapitaleffizientes Instrument für 24/7-Exposure auf US-Aktien ohne direkte Aktieninhaberschaft. Diese Produkte werden US-Nutzern nicht zur Verfügung stehen.
Langfristig hat Coinbase angekündigt, tokenisierte Aktien anbieten zu wollen – rund um die Uhr handelbar, weltweit zugänglich und potenziell als On-Chain-Sicherheit nutzbar, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden.
Wichtig für Anleger: Der aktuelle 24/5-Handel ist klassisches Broker-Geschäft auf Krypto-Schienen – keine tokenisierten Wertpapiere. Die Unterscheidung zwischen spotbasiertem Aktienhandel, derivatebasierten Perpetual Futures und künftigen tokenisierten Aktien ist regulatorisch wie strukturell wesentlich.
Wettbewerb und Ausblick
Der Schritt bringt Coinbase in direkte Konkurrenz zu Robinhood, das seinen Nutzerstamm ursprünglich mit provisionsfreiem Aktienhandel aufgebaut hat und seither aggressiv Krypto-Produkte hinzufügt. Coinbase geht den umgekehrten Weg – und trifft dabei auf einen Markt, der sich konsolidiert.
Mit dem breiteren Produktangebot strebt Coinbase an, Service- und Abonnementerlöse zu steigern und die Nutzerbindung zu erhöhen – mit dem Ziel, die Abhängigkeit vom volatilen Krypto-Transaktionsgeschäft spürbar zu verringern.
Zuletzt aktualisiert am 6. August 2026





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