
Dezentrale Börsen haben im globalen Spot-Krypto-Handel einen historischen Höchststand erreicht: Laut Daten von The Block und DefiLlama kletterte der DEX-Anteil am gesamten Spot-Handelsvolumen auf 24,14 Prozent – den höchsten Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2019. Gleichzeitig verlieren zentralisierte Börsen (CEXs) spürbar an Marktgewicht.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein bemerkenswertes Paradox: Der Rekordmarktanteil fiel ausgerechnet in einen Monat, in dem das absolute DEX-Volumen gegenüber dem Vormonat um rund 26 Prozent auf etwa 130,77 Milliarden US-Dollar zurückging. Der DEX-Anteil stieg also trotz rückläufigem absolutem Volumen, weil das Gesamtvolumen der zentralisierten Börsen im gleichen Zeitraum noch stärker nachgab.
Von 6 auf 24 Prozent: Der strukturelle Aufstieg der DEXs
Die Zahlen erzählen die Geschichte eines langen strukturellen Wandels. Laut Auswertungen von Yellow.com stieg das DEX/CEX-Verhältnis von 6,0 Prozent im Januar 2021 auf 21,2 Prozent im November 2025 – ein Anstieg über mehrere Marktzyklen hinweg, der kurzfristige Hype-Erklärungen weitgehend ausschließt.
CoinGecko bestätigt diesen Trend: Der DEX-Anteil am Spot-Handel blieb seit Januar 2025 dauerhaft über der 10-Prozent-Marke und erreichte im Juni 2025 mit rund 24,5 Prozent einen ersten vorläufigen Höhepunkt. Besonders auffällig war dabei der Einfluss von Binance Alpha 2.0, das Trades über PancakeSwap routete und damit das Volumen auf dezentrale Protokolle umlenkte – ein Beispiel dafür, wie CEX-Integrationen selbst den DEX-Aufstieg beschleunigen.
Auf Protokollebene dominieren weiterhin Uniswap und PancakeSwap die DEX-Volumina. Uniswap gilt als eine der führenden dezentralen Börsen und trägt diesen strukturellen Trend maßgeblich mit.
Was der Rückgang des CEX-Volumens wirklich bedeutet
Neue Daten deuten auf eine tiefergehende Migration der Liquidität hin zu On-Chain-Handelsplätzen hin. Verbesserte Routing-Systeme und neue Token-Launches, die primär auf DEXs stattfinden, treiben diesen Prozess voran.
Da der DEX-Anteil als relatives Maß berechnet wird, kann er auch dann steigen, wenn das absolute DEX-Volumen sinkt – sofern das CEX-Volumen im gleichen Zeitraum stärker zurückgeht. Genau das spiegeln die aktuellen Daten wider: Der Rekordwert von 24,14 Prozent entstand in einem Umfeld, in dem beide Seiten Volumen verloren, die CEX-Seite jedoch überproportional.
Parallel dazu zeigt die Entwicklung auf Blockchain-Ebene, wohin die Liquidität fließt. Laut Boerse Express erreichte Solana im Jahr 2025 ein On-Chain-Spot-Volumen von 1,6 Billionen US-Dollar und einen eigenen Marktanteil von 12 Prozent – damit überholte das Netzwerk Plattformen wie Coinbase, Bybit und Bitget beim Handelsvolumen. Marktbeobachter werten dies laut Boerse Express als Indiz für eine grundlegende Migration der Liquidität hin zu schnelleren Blockchains, die den Handel direkt auf der Chain effizienter machen.
Strukturwandel mit Folgen für CEX-Betreiber
Der anhaltende Marktanteilsverlust zentralisierter Börsen kommt nicht aus dem Nichts. Der strukturelle Druck auf zentralisierte Intermediäre im Krypto-Handel ist seit Jahren spürbar und spiegelt sich in den wachsenden DEX-Anteilen wider.
Die entscheidende Frage für die kommenden Monate lautet: Handelt es sich beim 24-Prozent-Rekord um ein dauerhaftes Niveau – oder kehrt der Anteil zurück, sobald die CEX-Aktivität in einem bullischen Marktumfeld wieder anzieht? Die nächsten Monatsdaten von The Block und DefiLlama werden zeigen, ob der strukturelle Wandel im Krypto-Handel tatsächlich irreversibel ist.
Zuletzt aktualisiert am 4. August 2026




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