
Laut dem neuen Financial Grid Report 2026 von Fireblocks erwarten 99 Prozent der befragten kontinentaleuropäischen Finanzinstitute eine für digitale Assets günstige oder sehr günstige Regulierungsentwicklung – in Großbritannien liegt dieser Wert sogar bei 100 Prozent. Die Erhebung basiert auf Antworten von mehr als 600 C-Suite-Führungskräften und leitenden Entscheidungsträgern bei Finanzinstituten und Unternehmen weltweit.
Genau diese regulatorische Klarheit macht sich in den Budgets bemerkbar: 53 Prozent der kontinentaleuropäischen Institute hatten ihr Digital-Asset-Infrastrukturbudget bereits vor Beginn des Jahres 2026 zugesagt – deutlich über dem globalen Schnitt von 42 Prozent. MiCA hat aus dem regulatorischen Rahmen eine konkrete Planungsgrundlage gemacht.
MiCA als Startrampe: Stablecoins zuerst, Tokenisierung folgt
Der Bericht zeigt ein klares Muster für den Aufbau digitaler Asset-Infrastruktur in Kontinentaleuropa: Der Einstieg erfolgt über Stablecoins – zunächst solche, die von anderen regulierten Instituten emittiert werden, gefolgt von einer eigenen Ausgabe durch die jeweilige Institution. Tokenisierte Geldmarktfonds und Wertpapiere folgen auf diesem Fundament. Kontinentaleuropa führt dabei global beim Anteil der Institute, die tokenisierte Wertpapiere und Geldmarktfonds planen.
Das deutlichste Umsetzungsbeispiel ist das Konsortium Qivalis, dem 37 große europäische Banken angehören, darunter BNP Paribas, BBVA, ING, UniCredit und SEB. Das Ziel: ein MiCA-konformer, Euro-gedeckter Stablecoin auf Fireblocks-Infrastruktur. Das Konsortiumsmodell verschafft den Mitgliedsbanken Skalenverteilung vom ersten Tag an und ermöglicht eine geteilte Regulierungslast – ein Vorteil gerade für Institute, die ihre eigene Digital-Asset-Strategie noch ausarbeiten.
Laut Fireblocks könnten EUR-denominierte Stablecoins, die bei Retail-VASPs verarbeitet werden, das entscheidende Liquiditätsinfrastruktur-Katalysator-Element für die Tokenisierung europäischer Kapitalmärkte liefern. Daten von TRM Labs belegen ein 12-faches Wachstum der verarbeiteten Euro-Stablecoin-Volumina in nur 15 Monaten auf 777 Millionen US-Dollar – absolut noch überschaubar, aber klar im Aufwärtstrend.
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Großbritannien: Breiterer Aufbau ohne fertigen Rahmen
Anders als Kontinentaleuropa baut Großbritannien an einem breiteren Asset-Mix, noch bevor der Regulierungsrahmen steht. Besonders auffällig: 54 Prozent der britischen Institute planen tokenisierte Einlagen – ein Wert, der europäische Pendants übertrifft. Die Initiative Great British Tokenised Deposits (GBTD), an der unter anderem Barclays, NatWest und Lloyds Banking Group beteiligt sind, bestätigt diese Stoßrichtung.
Bei der eigenen institutionellen Stablecoin-Ausgabe weist Großbritannien einen Wert von 44 Prozent aus, Kontinentaleuropa liegt bei 40 Prozent. Dennoch ist es das Signal bei tokenisierten Einlagen, das die eigenständige Position Großbritanniens am deutlichsten definiert. Der noch nicht abgeschlossene Rechtsrahmen verändert den Risikokalkül bei jeder Infrastrukturentscheidung: Britische Institute bauen bereits heute ihre Infrastruktur so auf, dass das Fundament steht, sobald der Rahmen in Kraft tritt.
Dieser Kontrast zwischen einem bereits gesetzten EU-Rahmen und einem noch entstehenden britischen Regelwerk zeigt, wie unterschiedlich Regulierungsgeschwindigkeit konkrete Investitionsentscheidungen beeinflusst – ein Muster, das sich in verschiedenen Regionen der globalen Krypto-Gesetzgebung beobachten lässt.
Was das für Investoren bedeutet
Die Gespräche mit europäischen Banken haben sich verlagert: Statt regulatorischer Sequenzierung stehen nun Infrastrukturentscheidungen im Mittelpunkt – welche Anwendungsfälle priorisiert werden sollen, was zuerst gebaut wird und wie schnell der Weg in die Produktion gelingt. Da MiCA einen klaren Handlungsrahmen gesetzt hat und 99 Prozent der kontinentaleuropäischen Institute eine günstige Regulierungsrichtung erwarten, haben sich die Gespräche auf Infrastrukturfragen verlagert.
Für Anleger bedeutet das: Die Institutionalisierung digitaler Assets im Euro-Raum tritt in eine Umsetzungsphase ein, nicht mehr nur in eine Planungsphase. Stablecoins mit MiCA-Zulassung und tokenisierte Kapitalmarktprodukte bewegen sich in Richtung Live-Produktion. Wer die Entwicklung des digitalen Euro-Ökosystems verfolgt, sollte den Fortschritt von Qivalis und ähnlichen Banken-Konsortien als Frühindikator für das Tempo der breiteren Tokenisierungswelle im Blick behalten.
Zuletzt aktualisiert am 4. August 2026




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