
Die Kryptobörse Gemini, 2014 von den Zwillingen Cameron und Tyler Winklevoss gegründet, hat bei der US-Börsenaufsicht SEC offiziell einen Antrag auf Börsennotierung gestellt.
Geplant ist ein Listing am Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker „GEMI“. Angeführt wird das IPO von einem Bankenkonsortium bestehend aus Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup.
Mit dem Schritt würde Gemini nach Coinbase und Bullish zur dritten in den USA börsennotierten Kryptobörse werden. Derweil ist die Ausgangslage schwierig, da das Unternehmen mit massiven Verlusten kämpft.
Verluste steigen, Liquidität sinkt
Laut den eingereichten Unterlagen belief sich der Nettoverlust 2024 bereits auf 158,5 Millionen US-Dollar. Doch das Minus hat sich im laufenden Jahr noch ausgeweitet: Allein im ersten Halbjahr 2025 meldete Gemini ein Defizit von 282,5 Millionen US-Dollar bei Umsätzen von lediglich rund 68 Millionen US-Dollar.
Die Barmittel sanken gleichzeitig von 341,5 Millionen US-Dollar Ende 2024 auf 161,9 Millionen US-Dollar zur Jahresmitte 2025. Damit sind die Reserven binnen sechs Monaten nahezu halbiert worden, was den Handlungsdruck auf das Unternehmen erheblich verstärkt.
Börsengang mit Dual-Class-Struktur
Gemini wird beim Börsengang eine Dual-Class-Struktur einführen. Während die Class-A-Aktien mit einer Stimme ausgestattet sind, haben die Class-B-Aktien zehn Stimmen inne. Alle Class-B-Papiere bleiben im Besitz der Winklevoss-Zwillinge, die somit die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Diese Regelung qualifiziert Gemini nach Nasdaq-Regularien als „controlled company“.
Neben der Kryptobörse betreibt das Unternehmen weitere Angebote wie die Verwahrung digitaler Assets, den Stablecoin Gemini Dollar (GUSD) sowie eine Krypto-Rewards-Kreditkarte.
Gemini gilt als einer der ersten regulierten Handelsplätze für digitale Vermögenswerte in den USA und positioniert sich stark im Bereich Compliance und Sicherheit. Die Plattform unterstützt über 70 Kryptowährungen und ist in mehr als 60 Ländern aktiv.
Darüber hinaus arbeitet Gemini mit innovativen Features wie Staking-Diensten für bestimmte Coins sowie der Integration von DeFi-Anwendungen. Mit dem Gemini Dollar (GUSD) ist das Unternehmen auch im wachsenden Stablecoin-Segment vertreten, während die hauseigene Krypto-Kreditkarte Kunden Belohnungen in digitalen Währungen ermöglicht.
Nicht das erste IPO
Der Börsengang reiht sich in eine Welle von IPOs im Kryptosektor ein. Erst im Juni hatte der Stablecoin-Emittent Circle mit einem Börsengang über 1,1 Milliarden US-Dollar Schlagzeilen gemacht. Kurz darauf folgte Bullish, dessen Bewertung am ersten Handelstag auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar stieg.
Das Marktumfeld wird aktuell von einer pro-krypto Haltung der Trump-Regierung geprägt. Mit dem GENIUS Act wurde zudem ein rechtlicher Rahmen für Stablecoins geschaffen, was die Planungssicherheit für Anbieter erhöht. Diese regulatorische Klarheit lockt institutionelle Investoren verstärkt in den Markt, die zunehmend nach etablierten und regulierten Plattformen suchen.
Obwohl die Verluste erheblich sind, könnte der Schritt an die Börse für Gemini eine Chance auf frisches Kapital und höhere Sichtbarkeit bieten. Analysten sehen das Vertrauen in regulatorische Konformität und Compliance als ein mögliches Unterscheidungsmerkmal im Krypto-Börsen-Vergleich gegenüber Wettbewerbern wie Coinbase. Gleichwohl bleibt fraglich, ob Investoren angesichts der tiefroten Zahlen bereit sind, auf langfristiges Wachstum statt kurzfristige Profitabilität zu setzen.




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