Die geldpolitische Ausrichtung der Federal Reserve ist für den Kryptomarkt von zentraler Bedeutung: Bitcoin gilt vielen Investoren als ein Asset, das globale Liquidität und geldpolitisch freigesetztes Kapital absorbieren kann. Deshalb richtet sich der Blick oft auf die US-Notenbank. Nun kursieren Gerüchte, wonach Kevin Hassett Powells Nachfolger werden könnte. Hassett steht für eine lockere, zinsfreundliche Geldpolitik und könnte damit das Umfeld für Bitcoin deutlich bullisch stimmen. Denn Trump fachte erst gestern wieder die Gerüchte an.
Trump deutet Nachfolge von Jerome Powell an: Wettmärkte preisen Hassett ein
In Washington verdichten sich die Anzeichen, dass Donald Trump einen Favoriten für die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell gefunden hat. Zwar steht eine offizielle Bestätigung noch aus, doch jüngste Äußerungen des Präsidenten haben die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Ökonomen Kevin Hassett gelenkt, der seit Jahren als enger Berater gilt.
Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus bezeichnete Trump ihn als möglichen künftigen Vorsitzenden der Notenbank und hob hervor, dass Hassett in Fachkreisen hohes Ansehen genieße.
President Trump effectively announces that Kevin Hassett will be the next Fed Chair.
2026 is going to be a wild year. pic.twitter.com/HuFfaekuUM
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) December 2, 2025
Zuvor hatte Trump in einer Kabinettssitzung angedeutet, dass der Auswahlprozess weit fortgeschritten sei und sich von ursprünglich mehreren Kandidaten auf eine einzige Person reduziert habe. Diese Bemerkungen wurden von Marktteilnehmern als indirekte Bestätigung interpretiert, dass Hassett derzeit als der wahrscheinlichste Anwärter gilt.

Beim Prediction-Market PolyMarket zeigt sich aktuell eine klare Marktmeinung: Die Wahrscheinlichkeit, dass Kevin Hassett zum neuen Vorsitzenden der Federal Reserve ernannt wird, liegt in den letzten Tagen bei etwa 85 Prozent. Damit gelten die Märkte als überzeugt, dass Hassett Powells Nachfolge antreten wird.
Warum Kevin Hassett bullisch für Bitcoin ist
Die Personalentscheidung an der Spitze der Federal Reserve besitzt weitreichende Bedeutung für den Kryptomarkt, weil sie den geldpolitischen Kurs der größten Volkswirtschaft beeinflusst. Bitcoin reagiert stark auf globale Liquidität, Kreditkosten und Kapitalflüsse. Dies sind Faktoren, die unmittelbar von der Fed gesteuert werden.
Hassett, der wirtschaftspolitisch eng mit dem Präsidenten verbunden ist, gilt als Befürworter einer expansiveren Geldpolitik, die schnelle und deutliche Zinssenkungen einschließen könnte. Eine Lockerung dieser Art würde das Finanzsystem mit zusätzlicher Liquidität versorgen, Kredite verbilligen und Risikoanlagen attraktiver machen. Davon könnten insbesondere digitale Vermögenswerte wie Bitcoin profitieren, da sie historisch in Phasen niedriger Zinsen Kapital anziehen.
Hinzu kommt, dass Hassett als kryptofreundlich betrachtet wird, was regulatorisch ein wenig konfrontatives Umfeld erwarten lässt. Die Kombination aus geldpolitischer Lockerung und potenziell innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen schafft ein Umfeld, das neue Kapitalströme in Krypto-Assets begünstigen kann.
Geldpolitik kippt in bullische Richtung
Der mögliche Führungswechsel in der Federal Reserve trifft auf ein Umfeld, das sich bereits deutlich in Richtung geldpolitischer Lockerung bewegt. Erst am 1. Dezember hat die Notenbank ihr Quantitative-Tightening-Programm beendet, ein Schritt, der signalisiert, dass der Straffungszyklus abgeschlossen ist. Analysten erwarten mittelfristig eine Rückkehr zu Quantitative Easing, also zu aktiver Liquiditätsausweitung.
Reminder that Bitcoin went from $16K to $126K during a period of historic Quantitative TIGHTENING. What happens when the Fed switches to Easing? pic.twitter.com/2DvJIvpMj1
— Vijay Selvam (@vijayselvam) December 2, 2025
Parallel dazu rechnet der Markt mit einer weiteren Zinssenkung bereits beim anstehenden FOMC-Treffen in einer Woche: Laut aktuellen Daten liegt die implizite Wahrscheinlichkeit bei rund 89,2 Prozent, dass die Fed den Leitzins um 25 Basispunkte senken wird.

Die geldpolitische Wende hat begonnen, auch wenn sie zunächst vorsichtig vollzogen wird. Sollte ein neuer Vorsitzender mit lockerer Haltung an die Spitze rücken, könnte der Übergang in ein expansiveres Regime im kommenden Jahr deutlich beschleunigt werden.
Politisch abhängige Federal Reserve als Risiko?
Mit dem möglichen Führungswechsel an der Spitze der Federal Reserve wird vereinzelt die Sorge geäußert, die Notenbank könne politischem Einfluss stärker ausgesetzt sein und damit an Unabhängigkeit verlieren.
Nach einem neuen Bericht von Reuters gehen Anleger derzeit nicht davon aus, dass ein Wechsel an der Spitze der Federal Reserve die institutionelle Unabhängigkeit der Zentralbank untergraben würde. Zwar könnte die Regierung niedrigere Finanzierungskosten anstreben, doch der gesetzliche Auftrag zur Inflationsbekämpfung bleibe vorrangig. Entscheidend ist zudem, dass der Fed-Vorsitz keine alleinige Entscheidungsmacht über Zinssätze besitzt, sondern lediglich ein Komitee moderiert.
Das FOMC besteht nämlich aus 12 stimmberechtigten Mitgliedern, darunter die Präsidenten regionaler Notenbanken und die Gouverneure des Fed-Boards. Der Fed-Vorsitzende leitet die Sitzungen und setzt Prioritäten, besitzt jedoch nur eine Stimme wie alle anderen. Der designierte Notenbankchef Kevin Hassett kann den Kurs damit beeinflussen, aber keine Zinssenkung allein durchsetzen.
Zuletzt aktualisiert am 3. Dezember 2025




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