SEC-Chef Atkins kündigt „Token-Taxonomie“ an

SEC Chef Atkins

In einer Grundsatzrede bei der Fintech-Konferenz der Federal Reserve Bank of Philadelphia hat SEC-Chairman Paul Atkins die nächste Phase von „Project Crypto“ skizziert. Im Mittelpunkt steht eine neue „Token-Taxonomie“, die auf dem bewährten Howey-Test basiert und in den kommenden Monaten von der Kommission geprüft werden soll.

Vier Kategorien für digitale Assets

Atkins, der im Vergleich zu seinem Vorgänger Gensler eine deutlich freundlichere Krypto-Politik fährt, stellte eine Klassifizierung in vier Hauptkategorien vor:

  • Digitale Rohstoffe oder Netzwerk-Token: Tokens, die in dezentralen Systemen verwendet werden, keine Wertpapiere
  • Digitale Sammlerstücke: NFTs, digitale Kunst oder In-Game-Items, keine Wertpapiere
  • Digitale Werkzeuge: Mitgliedschaften, Tickets oder ähnliche Utility-Token, keine Wertpapiere
  • Tokenisierte Wertpapiere: Aktien oder andere Finanzinstrumente auf der Blockchain, bleiben Wertpapiere

„In den kommenden Monaten erwarte ich, dass die Kommission die Einführung einer Token-Taxonomie prüfen wird, die auf der langjährigen Howey-Analyse von Investmentverträgen basiert und anerkennt, dass es begrenzende Prinzipien für unsere Gesetze und Vorschriften gibt“, erklärte Atkins.

Der entscheidende Punkt: Investmentverträge können enden

Das revolutionäre Element der neuen Taxonomie ist die Anerkennung, dass ein Token nicht für immer ein Wertpapier bleiben muss. Atkins führte aus, dass zwar der anfängliche Verkauf eines Tokens einen Investmentvertrag darstellen kann, dieser Status aber nicht ewig bestehen bleibt.

„Netzwerke reifen. Code wird ausgeliefert. Kontrolle verteilt sich. Die Rolle des Emittenten schwindet oder verschwindet“, erklärte der SEC-Chef. „An einem bestimmten Punkt verlassen sich Käufer nicht mehr auf die wesentlichen Managementleistungen des Emittenten, und die meisten Token werden heute gehandelt, ohne dass vernünftigerweise erwartet werden kann, dass noch ein bestimmtes Team am Ruder ist.“

Diese „Sunset-Regelung“ würde es ermöglichen, dass Tokens, die anfänglich als Wertpapiere galten, nach ausreichender Dezentralisierung und Code-Veröffentlichung aus der Wertpapier-Klassifizierung herausfallen können.

Exemptionen und neue Handelsplattformen

Atkins kündigte an, dass die SEC auch ein Paket von Ausnahmeregelungen für digitale Assets prüfen wird, die technisch gesehen noch Wertpapiere sind, weil sie an Investmentverträge gebunden sind. Dies würde es ermöglichen, dass solche Assets auf alternativen Handelsplattformen gehandelt werden können, also etwa auf Plattformen, die von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) oder staatlichen Behörden reguliert werden.

Zudem sprach der SEC-Chef über das Konzept von „Super-Apps“, also Plattformen, die Handel und Verwahrung verschiedener Asset-Typen unter einer regulatorischen Lizenz ermöglichen würden.

Keine lockere Durchsetzung

Trotz der freundlicheren regulatorischen Haltung betonte Atkins unmissverständlich, dass dies keine Einladung zu laxer Compliance sei. „Lassen Sie mich klarstellen, was dieses Framework nicht ist. Es ist kein Versprechen für eine lockere Durchsetzung bei der SEC“, sagte Atkins. „Betrug bleibt Betrug.“

Die SEC werde weiterhin Betrug und Marktmanipulation verfolgen, auch wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen klarer und innovationsfreundlicher werden.

Zusammenarbeit mit dem Kongress

Atkins unterstrich mehrfach, dass die Token-Taxonomie der SEC die laufenden gesetzgeberischen Bemühungen im Kongress ergänzen, nicht ersetzen soll. Mehrere Gesetzentwürfe zur Krypto-Marktstruktur werden derzeit im Repräsentantenhaus und Senat vorangetrieben.

Erst vor wenigen Tagen haben Senator John Boozman (R-Arkansas), Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses des Senats, und Senator Cory Booker (D-New Jersey) einen Diskussionsentwurf für eine Krypto-Marktstruktur-Gesetzgebung vorgelegt, die SEC und CFTC zu gemeinsamen behördenübergreifenden Regulierungen verpflichten würde.

Die Krypto-Branche reagierte überwiegend positiv auf Atkins Ankündigung. Die neue regulatorische Klarheit könnte dazu führen, dass mehr Krypto-Unternehmen ihre Aktivitäten in die USA verlagern, anstatt in regulatorisch unsicheren ausländischen Jurisdiktionen zu operieren.

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