
Die Zahl der Inhaber tokenisierter Aktien ist rasant gestiegen: Am 3. August lag sie laut dem Dashboard von RWA.xyz bei fast 967.000, verteilt auf einen Wert von 2,16 Milliarden US-Dollar. Ende Juli hatte die Marke noch bei einem Rekordwert von 759.000 gelegen – ein Plus von 92 Prozent innerhalb von 30 Tagen und von 522 Prozent seit Anfang 2026.
Die Zahlen stammen aus Daten, die von The Kobeissi Letter hervorgehoben wurden. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um Blockchain-Adressen, nicht um verifizierte Einzelanleger. Eine Person kann mehrere Wallets betreiben, während eine Verwahrungsadresse gleichzeitig mehrere Kunden bündeln kann.
Handel außerhalb der Börsenzeiten treibt das Wachstum
Ein wesentlicher Treiber der Nachfrage ist der Zugang außerhalb der regulären US-Handelszeiten. Nach Angaben von Jupiter stieg das monatliche Handelsvolumen mit tokenisierten Aktien seit Jahresbeginn um 360 Prozent – vor allem in den Abendstunden, an Wochenenden und zu Zeiten, in denen Nasdaq und New Yorker Börse geschlossen sind. Mehr als 65 Prozent der Aktivität mit Aktientoken auf der Plattform findet Berichten zufolge außerhalb der klassischen Handelsfenster statt.
Besonders gefragt sind Titel aus dem Halbleiter- und Speicherchip-Segment, etwa Nvidia, Micron Technology und SK Hynix. Anleger können so auf Unternehmensnachrichten reagieren, ohne auf die nächste Eröffnungsglocke warten zu müssen. Der Marktkommentator David Alexander schätzte zudem, dass die Robinhood Chain innerhalb von vier Wochen nach ihrem Start rund 325.000 Inhaber hinzugewonnen hat, wobei die Robinhood-Token den Investoren lediglich ein wirtschaftliches Engagement, aber kein direktes rechtliches Eigentum an den zugrunde liegenden Aktien einräumen.

Ondo Finance fasste den Branchenoptimismus in einem kurzen Beitrag zusammen und verwies auf das wachsende Interesse an tokenisierten Aktien. Wer sich mit dem breiteren Trend rund um Robinhood und wachsende Liquidität auf Blockchain-Infrastruktur beschäftigen will, findet dazu vertiefende Einordnung im Artikel zu Stock Tokens und Liquidität auf der Robinhood Chain.
Wachsende Adresszahlen sind kein Liquiditätsbeweis
Das Wachstum vollzieht sich vor dem Hintergrund eines insgesamt angespannten Kryptomarkts. Laut Glassnode erzielt die dreimonatige Bitcoin-Futures-Basis seit Februar eine geringere Rendite als zweijährige US-Staatsanleihen – erst die zweite länger anhaltende Inversion seit Beginn der Aufzeichnungen. Das dämpft den Anreiz für institutionelle Investoren, Kapital in Krypto-Basis-Trades zu stecken.

Der Analyse-Account CEXScan verwies auf die zentrale Einschränkung: Die Anzahl der Inhaber sei ohne nennenswerte Guthaben und ausreichende Sekundärliquidität wenig aussagekräftig. Die Liquidität konzentriert sich weiterhin auf wenige Märkte, während sich Token-Strukturen stark unterscheiden – manche bilden regulierte Wertpapiere ab, andere lediglich ein wirtschaftliches Engagement über Schuldtitel oder Derivate.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Für Privatanleger bedeutet das: Eine steigende Wallet-Zahl allein ist kein Signal für Marktreife. Entscheidend ist, ob Handelstiefe, Rücknahmemöglichkeiten und Rechtsschutz mit der Verbreitung der Wallets Schritt halten. Bis dahin bleibt das Erreichen der 1-Millionen-Adressen-Marke ein Meilenstein für die Verbreitung, nicht automatisch ein Beleg für einen ausgereiften Sekundärmarkt.
Wer in tokenisierte Aktien investiert, sollte deshalb genau prüfen, welche Rechte ein Token tatsächlich verbrieft – direktes Eigentum, ein Derivat oder nur ein wirtschaftliches Engagement. Mehr zu den strukturellen Fragen rund um Halterwachstum und Marktausbau liefert der ergänzende Beitrag über den Wachstumskurs tokenisierter Aktien.
Zuletzt aktualisiert am 16. August 2026





Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.