Die künftige Führung der US-Notenbank könnte erstmals eine deutlich kryptofreundliche Richtung einschlagen. US-Präsident Donald Trump kündigte am Freitag an, den ehemaligen Notenbank-Gouverneur Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der Federal Reserve zu nominieren. Diese Entscheidung kommt nach anhaltender Kritik am derzeitigen Amtsinhaber Jerome Powell, der Trumps Wunsch nach niedrigeren Leitzinsen bislang nicht im gewünschten Tempo nachkam.
Damit steht eine Personalie im Raum, die sowohl in politischer als auch in kryptowirtschaftlicher Hinsicht bedeutend sein dürfte. Warsh gehört zu den wenigen ehemaligen Fed-Offiziellen, die sich offen und positiv über Bitcoin geäußert haben.
Warsh als potenzieller Impulsgeber für Krypto-Märkte
Kevin Warsh war von 2006 bis 2011 Mitglied im Board of Governors der Federal Reserve und ist derzeit Dozent an der Stanford Graduate School of Business. Bereits in zurückliegenden Jahren zeigte er sich aufgeschlossen gegenüber digitalen Währungen, insbesondere Bitcoin. In einem Interview erklärte Warsh, Bitcoin mache ihn „nicht nervös“ und sei ein „wichtiges Asset, das politischen Entscheidungsträgern helfen könne, zwischen guten und schlechten Maßnahmen zu differenzieren“.
Auch in einem Meinungsbeitrag für das Wall Street Journal im Jahr 2018 äußerte er sich differenziert zur führenden Kryptowährung. Zwar sei die Volatilität von Bitcoin ein Hindernis für dessen Einsatz als Zahlungsmittel, dennoch könnten Kryptowährungen wie Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel ähnlich wie Gold eine Rolle spielen. Er schrieb damals: „Bitcoin könnte sich als nachhaltiger Wertspeicher etablieren.“
Nicht nur aus dem Umfeld der Kryptowirtschaft, sondern auch aus dem politischen Raum zieht Warsh zunehmend Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem Trumps jüngste Aussagen auf seiner Plattform Truth Social lassen erkennen, dass der Präsident mit Warshs geldpolitischen Ansichten sympathisiert. Trump lobte Warsh als idealen Kandidaten für das Amt und betonte, dieser werde „niemals enttäuschen“.
Krypto-affine Positionen gegenüber digitalem Dollar und China
Während Warshs Sympathien für Bitcoin als Anlageklasse bekannt sind, hat sich der Ökonom auch mit zentralbankgestützten digitalen Währungen auseinandergesetzt. In einem Beitrag aus dem Jahr 2022 sprach er sich für die Einführung eines digitalen Dollars aus, um die Position der USA im internationalen Währungssystem gegenüber China zu stärken. Dabei warnte er zugleich vor den Risiken, die mit staatlicher Überwachung und dem Verlust der Privatsphäre durch Central Bank Digital Currencies (CBDCs) verbunden sein könnten. In Bezug auf den chinesischen digitalen Yuan merkte Warsh an, dieser stehe „im Widerspruch zum amerikanischen Ethos von Privatsphäre gegenüber dem Staat“.
Für Anleger im Kryptobereich ist vor allem die Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik unter Warshs Führung bedeutsam. Historisch betrachtet haben sich Bitcoin und andere Kryptowährungen in einem Umfeld niedriger Zinssätze tendenziell positiv entwickelt. Trumps wiederholte Forderung nach niedrigen Leitzinsen passt zu Warshs bekannten Positionen, wonach die Kosten für Kreditaufnahme gesenkt werden sollten.
Unterstützung aus der Bitcoin-Community
Die Nachricht über Warshs mögliche Rückkehr an die Spitze der Fed stieß in der Krypto-Community auf Zustimmung. Michael Saylor, Mitgründer der Bitcoin-Treasury-Strategie von MicroStrategy und bekennender Bitcoin-Befürworter, teilte auf X (ehemals Twitter) ein Video mit Warshs Aussagen zu Bitcoin. Dazu schrieb er: „Bald wird Kevin Warsh der erste pro-Bitcoin-Vorsitzende der US-Notenbank sein.”
Auch Cody Carbone, Geschäftsführer der Branchenvereinigung The Digital Chamber, betonte in einem Kommentar, dass die Anerkennung von Bitcoin als bedeutende Anlageklasse durch die Fed eine wichtige Weichenstellung für die Führungsrolle der USA im Finanzwesen sei.
Die Nominierung findet vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Präsident Trump und Fed-Chef Powell statt. Anfang des Monats wurde bekannt, dass das US-Justizministerium eine Untersuchung über Powells Aussagen zu Renovierungsmaßnahmen von Fed-Gebäuden eingeleitet hat. Powell sieht darin einen politisch motivierten Angriff.
Ungeachtet der politischen Kontroversen könnte Warshs Engagement für Kryptowährungen und sein Ruf als Zinssenkungsbefürworter den Beginn einer neuen Phase für die US-Geldpolitik und deren Auswirkungen auf die Kryptomärkte markieren. Ob seine Nominierung tatsächlich vom US-Senat bestätigt wird und wie sich daraus konkrete Weichenstellungen für die Krypto-Regulierung ergeben, bleibt vorerst abzuwarten.
Zuletzt aktualisiert am 1. Februar 2026




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