Die Krypto-Börse Binance und ihr Gründer Changpeng Zhao sehen sich erneut mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. In einer am Dienstag eingereichten Sammelklage beschuldigen 306 US-Bürger das Unternehmen, Kryptowährungen im Milliardenvolumen für terroristische Gruppen wie Hamas, Hisbollah, den Palästinensischen Islamischen Dschihad sowie die Iranischen Revolutionsgarden transferiert zu haben. Die Kläger sind Opfer sowie Angehörige von Betroffenen des Angriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 in Israel und fordern Schadensersatz in Milliardenhöhe.
Vorwurf: Über eine Milliarde US-Dollar an Terrororganisationen transferiert
Laut Klageschrift, die beim Bundesgericht im US-Bundesstaat North Dakota eingereicht wurde, soll Binance es über Jahre hinweg ermöglicht haben, dass verschiedene Terrororganisationen über die Plattform Geldbewegungen im Umfang von mehr als einer Milliarde US-Dollar abwickeln konnten. Über 50 Millionen US-Dollar davon sollen laut Unterlagen nach dem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 geflossen sein.
Der zentrale Vorwurf richtet sich dabei nicht nur gegen die ehemalige Führung des Unternehmens, sondern betrifft auch Binance selbst. In der Klage heißt es unter anderem, dass Binance trotz bereits bestehender Strafverfolgungsgeschichte seine Geschäfte auch nach dem Schuldeingeständnis im Jahr 2023 nicht grundlegend angepasst habe. Wörtlich ist dort zu lesen: „Binance hat sich bewusst als Zufluchtsort für illegale Aktivitäten positioniert. Bis heute gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass das Unternehmen seine grundlegenden Geschäftspraktiken substanziell verändert hat.“
Besonders brisant wirkt der Vorwurf, dass große Kryptosummen über Accounts abgewickelt wurden, die Personen mit völlig unauffälligem finanziellen Hintergrund gehören. In einem konkreten Beispiel wird eine 26-jährige Frau aus Venezuela genannt, über deren Binance-Konto angeblich über 177 Millionen US-Dollar umgesetzt worden sein sollen.
Verbindungen zum Schuldeingeständnis und Justizfolgen
Bereits im November 2023 hatte Binance eine Schuld gegenüber US-Behörden eingeräumt und eine Strafe in Höhe von 4,32 Milliarden US-Dollar akzeptiert. Zuvor wurde das Unternehmen wegen Verstößen gegen Geldwäschevorschriften und US-Sanktionen belangt. Firmengründer Zhao bekannte sich in diesem Zusammenhang schuldig, rechtswidrig Geldtransfers zugelassen zu haben, und verbüßte eine viermonatige Haftstrafe. Im Oktober 2025 wurde er schließlich von US-Präsident Donald Trump begnadigt.
Trotz dieser rechtlichen Vorbelastung werfen die aktuellen Kläger dem Unternehmen vor, seine Aktivitäten ohne nennenswerte Veränderung fortgesetzt zu haben. Auch Zhao, gegen den die Klage ebenfalls gerichtet ist, äußerte sich bislang nicht zu den neuen Vorwürfen. Ein Anwalt, der ihn in einem verwandten Prozess vertritt, lehnte eine Stellungnahme ab.
Binance teilte auf Anfrage lediglich mit, man halte sich strikt an international geltende Sanktionsgesetze, äußerte sich jedoch nicht konkret zum Inhalt der aktuellen Klageschrift.
Zusätzlich zu der neuen Klage in North Dakota ist Binance derzeit auch in einem parallelen Verfahren vor einem Bundesgericht in Manhattan angeklagt. Dort wirft eine andere Gruppe von Klägern der Plattform unter anderem vor, über Jahre hinweg als verdeckter Finanzierungsweg für Hamas und andere Gruppen fungiert zu haben. Ein Antrag seitens Binance auf Abweisung dieser Klage war im Februar 2025 von der zuständigen Richterin abgelehnt worden.
Die aktuelle Klage fordert neben dem regulären Schadenersatz auch eine dreifache Entschädigungssumme – eine in den USA bei Terrorismusfällen übliche Forderung, erlaubt durch spezielle Bundesgesetze.
Die erneuten Vorwürfe gegen Binance könnten weitreichende Folgen haben. Ein weiteres Verfahren mit so schwerwiegenden Anschuldigungen könnte nicht nur die Reputation der Börse belasten, sondern auch regulatorischen Druck auf den gesamten Sektor der Kryptodienstleister erhöhen.




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