Der Winter hat Teile der USA fest im Griff. Am Wochenende tobte ein Schneesturm in mehreren Bundesstaaten, der nicht nur für eisige Temperaturen, sondern auch für erhebliche Belastungen der Stromversorgung sorgte. In mindestens 20 Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen, Hunderttausende Haushalte sind ohne Elektrizität.
Auch große industrielle Stromverbraucher reagierten auf die angespannte Lage. Mehrere Bitcoin-Mining-Unternehmen reduzierten freiwillig ihren Energieverbrauch, um die regionalen Netze zu entlasten und Versorgungsengpässe abzufedern. Die Maßnahme hatte direkte Folgen für das Netzwerk: Die globale Hashrate sank innerhalb kurzer Zeit um mehr als 100 Exahash pro Sekunde, einzelne große Mining-Pools verzeichneten spürbare Rückgänge ihrer Rechenleistung.
Hashrate-Einbruch verlangsamt Bitcoin-Blockproduktion
Durch diese Maßnahme wurde die Blockproduktion der Bitcoin-Blockchain zeitweise auf rund 12 Minuten verlangsamt. Foundry USA reduzierte seine Hashrate um etwa 60 Prozent. Derzeit liegt die verfügbare Rechenleistung des Unternehmens bei rund 198 EH/s.
Die Hashrate beschreibt die gesamte Rechenleistung, mit der Miner weltweit kryptografische Aufgaben lösen, um neue Blöcke zu erzeugen und das Bitcoin-Netzwerk nach dem Proof-of-Work-Prinzip abzusichern.
Nicht nur Foundry war betroffen. Auch andere Mining-Pools mit starker Präsenz in den USA – darunter Luxor – meldeten spürbare Leistungsreduktionen.
Mining-Unternehmen gelten in vielen US-Bundesstaaten inzwischen als gezielt steuerbare Großverbraucher. Sie können ihren Strombedarf innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöhen oder senken und werden deshalb zunehmend in das Lastmanagement der Stromnetze eingebunden.
Bei geringer Nachfrage kann überschüssige Energie die Netzinfrastruktur belasten und im Extremfall technische Schäden verursachen. In solchen Situationen nehmen Miner zusätzliche Leistung ab und stabilisieren das System.
Steigt der Verbrauch hingegen stark an, etwa während Kälteperioden oder Hitzewellen, können Mining-Farmen ihre Anlagen kurzfristig herunterfahren. Die frei werdende Kapazität steht dann Haushalten und kritischer Infrastruktur zur Verfügung.
Due to extreme winter storms in the U.S., multiple mining farms across the country have experienced power outages. Bitcoin’s total hashrate dropped by approximately 30% in a short period, a decrease of about 260 EH/s. Roughly 1.3 million mining rigs have been shut down as they… pic.twitter.com/75DniLUDh8
— Leon Lyu (@LeonLyuLv) January 26, 2026
Miner bauen um: Von Bitcoin zu KI-Rechenzentren
Unabhängig vom Wetter befindet sich die Branche in einem strukturellen Wandel. Immer mehr große Mining-Unternehmen richten ihre Geschäftsmodelle neu aus und investieren in KI- und High-Performance-Computing-Infrastruktur. Rechenzentren, die bislang ausschließlich für das Bitcoin-Mining genutzt wurden, werden so umgebaut, dass sie auch rechenintensive KI-Anwendungen betreiben können.
Der Hintergrund ist ein wirtschaftlicher: Mining-Erträge schwanken stark, Stromkosten bleiben ein zentraler Unsicherheitsfaktor. KI-Workloads hingegen versprechen planbarere, langfristige Einnahmen über feste Abnahmeverträge. Gleichzeitig verfügen viele Mining-Standorte bereits über beste Voraussetzungen für die KI Branche – leistungsstarke Netzanschlüsse, große Flächen und industrielle Kühlsysteme.
Einige Betreiber gehen dabei noch weiter und reduzieren das klassische Mining schrittweise, um ganze Standorte als dedizierte KI-Rechenzentren zu betreiben. Für das Bitcoin-Netzwerk bedeutet das mittelfristig: Die Hashrate wird nicht mehr allein durch Marktpreise und Difficulty bestimmt, sondern zunehmend auch durch die Frage, wo Rechenleistung rentabler eingesetzt werden kann – in der Blockchain oder in der KI-Industrie.
Bitcoin Kurs fällt kurzfristig unter 88.000 US-Dollar
Auch der Bitcoin-Kurs zeigte sich zum Wochenauftakt schwach. Zeitweise fiel BTC unter die Marke von 88.000 US-Dollar, aktuell notiert die Kryptowährung wieder knapp darüber. Auf Wochensicht entspricht das einem Minus von rund 5 Prozent.
Deutlich stärker unter Druck geriet Ethereum: Der Kurs verlor innerhalb einer Woche mehr als 9 Prozent und liegt derzeit bei etwa 2.900 US-Dollar. Die Nervosität am Kryptomarkt bleibt damit hoch.
Als Belastungsfaktoren gelten vor allem die politische Unsicherheit in den USA sowie der drohende Government Shutdown. Zusätzlich richtet sich der Blick der Märkte auf die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed, die für Mittwoch erwartet wird.
Von der Unsicherheit profitiert vor allem ein klassischer Gegenpol zu Risikoanlagen: Gold. Das Edelmetall setzte seine Aufwärtsbewegung fort und stieg zeitweise auf über 5.000 US-Dollar. Auch Silber stieg um 6 Prozent auf rund 110 US-Dollar.
Zuletzt aktualisiert am 26. Januar 2026




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