Kalter Krypto-Krieg? China wirft USA staatlich orchestrierten Bitcoin-Raub vor

USA gegen China

Die Spannungen zwischen den USA und China erreichen eine neue Dimension, dieses Mal im digitalen Raum. Das chinesische Nationale Computer-Notfallzentrum für Cyberviren (CVERC) hat Washington offiziell beschuldigt, hinter einem der spektakulärsten Krypto-Diebstähle der Geschichte zu stecken. Im Zentrum der Vorwürfe steht die Beschlagnahmung von 127.271 Bitcoin im Wert von rund 15 Milliarden US-Dollar.

Ein Hack mit staatlicher Handschrift

Der Vorfall reicht zurück ins Jahr 2020. Am 29. Dezember wurde der chinesische Mining-Pool LuBian angegriffen, der damals etwa sechs Prozent der globalen Bitcoin-Hashrate kontrollierte. Gestohlen wurden 127.426 BTC, die ursprünglich Chen Zhi gehörten, dem Gründer der kambodschanischen Prince Group. Der Gegenwert damals: 3,5 Milliarden US-Dollar.

Was den Fall besonders macht, ist primär die Art und Weise der Ausführung. Laut CVERC-Experten weist der Angriff alle Merkmale einer „staatlichen Hackerorganisation“ auf. Die eingesetzten Cybertools seien so hoch entwickelt, dass sie normalerweise nur Regierungen zur Verfügung stünden.

Vier Jahre Funkstille, dann die Überraschung

Fast noch auffälliger als der Hack selbst war, was danach geschah: nichts. Die gestohlenen Bitcoin lagen vier Jahre lang unberührt auf verschiedenen Wallets. Dieses Verhalten ist CVERC zufolge völlig untypisch für gewöhnliche Cyberkriminelle, die auf schnellen Profit aus sind.

Während dieser Zeit versuchte das LuBian-Team über 1.500 Mal erfolglos, mit den Hackern in Kontakt zu treten und die Rückgabe der Coins gegen eine Belohnung zu verhandeln. Keine einzige Antwort kam zurück.

Im Juni 2024 bewegten sich die Coins plötzlich auf neue Adressen. Die Blockchain-Analyseplattform Arkham identifizierte diese später als Wallets der US-Regierung. Seitdem liegen die Bitcoin erneut still.

„Diebesstreit unter Komplizen“

CVERC zeichnet in seinem technischen Bericht ein brisantes Bild: Die jahrelange Inaktivität, gefolgt von der US-Beschlagnahmung, deute darauf hin, dass Washington entweder selbst in den ursprünglichen Hack verwickelt war oder zumindest davon profitierte. Die chinesische Behörde spricht von einem typischen „Diebesstreit“ und vermutet, dass die angebliche Beschlagnahmung lediglich der letzte Schritt einer lange geplanten Operation war.

Laut der Blockchain-Analyse von CVERC sind die beschlagnahmten Gelder nicht kriminellen Ursprungs, wie die USA behaupten. Etwa 17.800 BTC wurden direkt von LuBian geschürft, rund 2.300 BTC stammten aus Pool-Gebühren, und circa 107.100 Coins kamen von Börsen und anderen legitimen Plattformen.

USA: Rechtmäßige Beschlagnahme krimineller Gelder

Die US-Regierung weist die Vorwürfe zurück. Das Justizministerium betont, die Beschlagnahme sei rechtmäßig und als Teil der Ermittlungen gegen Chen Zhi erfolgt. Der kambodschanische Unternehmer steht seit 2024 in den USA wegen Betrugs, Geldwäsche und illegaler Krypto-Geschäfte in Milliardenhöhe unter Anklage.

Die USA halten derzeit 326.588 BTC im Wert von etwa 34,15 Milliarden Dollar sowie weitere Kryptowährungen wie USDT und Ethereum.

Droht ein digitaler Kalter Krieg?

Naeem Aslam, Investmentchef bei Zaye Capital Markets, warnt vor einer gefährlichen Eskalation: „Dies könnte zu einem Kalten Krypto-Krieg zwischen den USA und China führen. Da Blockchain-Daten Transaktionen bestätigen, aber keine Eigentumsrechte, könnte diese Konfrontation die Souveränität digitaler Assets und die Legitimität von Strafverfolgungsmaßnahmen neu definieren.“

Der Zeitpunkt der Vorwürfe ist ungünstig. Erst vor Kurzem hatten beide Länder einen monatelangen Zollkonflikt beigelegt. Dies wurde von vielen als ein vorsichtiger diplomatischer Fortschritt nach angespannten Handelsgesprächen gesehen. Sollten sich Chinas Verdachtsmomente erhärten, droht der Fall eine neue Front im globalen Machtkampf zwischen den Supermächten zu eröffnen.

China seinerseits verfügt über beschlagnahmte Bitcoin-Bestände in Höhe von etwa 198.000 BTC im Wert von über 20 Milliarden Dollar. Allerdings bleiben Besitz und Handel von Kryptowährungen für chinesische Bürger strikt verboten.

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