Zwischen der Krypto-Plattform Coinbase und den etablierten US-Banken ist ein offener Konflikt entbrannt. Im Zentrum steht die Frage, ob Nutzer auf Stablecoins wie USDC Renditen erhalten dürfen.
Coinbase, selbst eine der besten Krypto-Börsen bietet derzeit 4,1 % Jahresrendite für USDC-Halter, Konkurrent Kraken geht sogar auf 5,5 % hoch. Bankenlobbys wie die American Bankers Association sehen darin eine Gefahr für das traditionelle Bankwesen und fordern gesetzgeberische Maßnahmen. Sie argumentieren, dass Kundengelder dadurch aus klassischen Einlagen abgezogen und die Kreditvergabe an die Realwirtschaft gefährdet werde.
Ein Bericht des Treasury Borrowing Advisory Committee unterstreicht die Brisanz. Theoretisch könnten bis zu 6,6 Billionen US-Dollar an Einlagen in Richtung Stablecoins abfließen. Coinbase-CEO Brian Armstrong hält diese Warnungen für vorgeschoben. Er wirft den Banken vor, lediglich ihre Einnahmen aus dem Zahlungsverkehr, immerhin rund 180 Milliarden US-Dollar jährlich, schützen zu wollen.
GENIUS Act bringt nur scheinbare Klarheit
Regulatorisch wurde das Thema durch den sogenannten GENIUS Act adressiert, der im Sommer 2025 verabschiedet wurde. Dieser untersagt explizit Zinszahlungen auf Stablecoins, lässt jedoch sogenannte „Rewards-Programme“ wie die von Coinbase zu. Das Gesetz lässt also Spielraum. Diesen Umstand kritisieren Bankenvertreter. Sie fordern, dass auch DeFi-gestützte Rewards untersagt werden. Die Krypto-Branche sieht das naturgemäß anders. Stablecoins seien demnach ein moderneres, effizienteres Zahlungsmittel und nicht mit Sparkonten vergleichbar.
Senatorin Cynthia Lummis zeigte sich zuletzt gelassen und betonte, der GENIUS Act stelle einen fairen Kompromiss zwischen Banken und Krypto-Anbietern dar. Doch wie lange dieser politische Konsens hält, ist fraglich, gerade in Anbetracht zunehmender Lobbyarbeit von Bankenverbänden.
Coinbase plant umfassende Krypto-Super-App
Parallel zur Debatte um Rewards verfolgt Coinbase weitere ehrgeizige Pläne. Die Plattform soll zu einer umfassenden Krypto-Super-App ausgebaut werden. CEO Brian Armstrong will Zahlungen, Kreditkarten, DeFi-Zugänge und Krypto-Belohnungen in einer Anwendung bündeln. In einem Interview mit Fox Business betonte er, dass Coinbase zur „primären Finanz-App der Menschen“ werden soll.
Konkret kündigte Armstrong etwa eine Kreditkarte mit 4 % Bitcoin-Rewards an. Zudem integrierte Coinbase das DeFi-Protokoll Morpho in seine App, wodurch Nutzer USDC direkt verleihen können, ganz ohne Drittplattform. Dabei seien potenzielle Renditen von bis zu 10,8 % möglich. Für Armstrong ist klar, dass das klassische Bankensystem ineffizient, überteuert und veraltet sei. Krypto ermögliche schnellere und günstigere Transaktionen. „Es sind schließlich nur Daten, die übers Internet übertragen werden“, so Armstrong.
Bankenverbände schlagen Alarm
Banken wie JPMorgan oder PNC kooperieren zwar mit Coinbase, agieren laut Armstrong aber oft nach „eigenem Drehbuch“. Er fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter. Derweil warnen Institutionen wie das Bank Policy Institute vor dem „Rendite-Schlupfloch“ über DeFi-Protokolle. In einem Brief an den Kongress warnte der Verband vor Kapitalabflüssen in Billionenhöhe, die im Ernstfall die Kreditvergabe im Land destabilisieren könnten.
Coinbase weist diese Vorwürfe scharf zurück. Stablecoins seien keine Bedrohung, sondern eine notwendige Innovation, insbesondere in einer Finanzwelt, in der Banken mit veralteten Gebührenmodellen operieren. „Jemand, der USDC kauft, um eine Auslandslieferung zu bezahlen, entzieht nicht dem Bankensystem Kapital. Er entscheidet sich einfach für eine schnellere und günstigere Option“, so die Position der Börse.
Zuletzt aktualisiert am 20. September 2025




Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.