
Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Ursprünglich gingen vielen Experten davon aus, dass wir einen massiven Bullenmarkt erleben, der zunächst Bitcoin verteuert und dann eine Altcoin-Saison einläutet. Doch am Ende des Jahres sind wir schlauer. 2025 hat uns vor Augen geführt, dass Krypto Prognosen selbstverständlich mit Unsicherheit behaftet bleiben.
Bitcoin und Ethereum werden Year-to-Date mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ beenden, während Aktienmärkte, Gold, Silber und Co. massiv performten. Die relative Schwäche von Krypto war in den vergangenen Wochen omnipräsent. Kaum bullische Dynamik entstand. Während es kurstechnisch übergeordnet nicht lief, zeigten sich dennoch fundamentale Fortschritte. Der Kryptomarkt ist gereift, was langfristige Chancen bietet.
Dennoch richten wir am letzten Tag des Jahres 2025 den Blick nach vorn. In der folgenden Coincierge Krypto Vorschau gibt es fünf Prognosen für das kommende Jahr – von der US-Geldpolitik über Bitcoin bis hin zu einzelnen Krypto-Trends.
Bitcoin & US-Geldpolitik: Der Markt unterschätzt die Lockerung
Bitcoin und die US-Geldpolitik stehen seit Jahren in einem engen Wechselverhältnis. Historisch profitiert der Kryptomarkt vor allem dann, wenn die Liquidität im Finanzsystem steigt. Eine lockere Geldpolitik mit sinkenden Zinsen, expansiver Kreditvergabe und wachsenden Geldmengen erhöht die Risikobereitschaft der Investoren, und genau in solchen Phasen konnte Bitcoin in der Vergangenheit häufig überdurchschnittliche Performance zeigen. Entsprechend aufmerksam blickt der Markt auf die Entscheidungen der Federal Reserve.

In weniger als einem Monat steht der nächste Zinsentscheid an. Nach Daten des FedWatch-Tools der CME Group geht der Markt derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 82,8 Prozent davon aus, dass die Zinsen unverändert bleiben. Lediglich 17,2 Prozent rechnen bereits mit einer ersten Senkung um 25 Basispunkte. Der Blick auf den sogenannten Dotplot, also die Zinsprojektionen der einzelnen Fed-Mitglieder für die kommenden Jahre, zeigt folgendes Bild: Für das nächste Jahr sieht die Mehrheit innerhalb der Notenbank nur eine Zinssenkung als wahrscheinlich an.

Genau hier könnte der Markt, der aktuell 1-2 Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte einpreist, die geldpolitische Lockerung unterschätzen. Denn zusätzlich rückt ein politischer Faktor in den Fokus: Die Amtszeit von Jerome Powell endet im kommenden Jahr.

Laut Daten von Polymarket gilt Kevin Hassett mit rund 45 Prozent als wahrscheinlichster Nachfolger. Hassett ist ein Befürworter schneller Zinssenkungen, war zuletzt Berater von Coinbase und steht einer lockeren Geldpolitik deutlich offener gegenüber. Das deckt sich mit den wiederholten Forderungen von Donald Trump nach niedrigeren Zinsen. Dies ist ein Szenario, das für Bitcoin ausgesprochen bullisch wäre.
Stablecoin-Boom: 2025 war erst der Startschuss
Der rasante Aufstieg von Stablecoins ist kein Zufallsprodukt, sondern zunehmend das Ergebnis klarer regulatorischer Leitplanken. In Europa hat mit MiCA erstmals ein einheitlicher Rechtsrahmen für Krypto-Assets und Stablecoins gegriffen, der Rechtssicherheit für Emittenten und Nutzer schafft. In den USA setzte 2025 der GENIUS Act ein wichtiges Signal: Stablecoins werden regulatorisch nicht länger als Randphänomen behandelt, sondern als integraler Bestandteil des Finanzsystems anerkannt. Diese politische Rückendeckung hat entscheidend dazu beigetragen, institutionelles Kapital anzuziehen.

Doch 2025 war vermutlich erst der Startschuss. Ein Blick auf die Daten von DeFiLlama verdeutlicht die Dynamik: Die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 308 Milliarden US-Dollar. Zu Jahresbeginn 2025 waren es noch etwa 206 Milliarden US-Dollar – ein Zuwachs von über 100 Milliarden innerhalb eines Jahres.
Für 2026 spricht vieles dafür, dass sich diese Entwicklung weiter beschleunigt. Angesichts wachsender Akzeptanz, regulatorischer Klarheit und steigender Nutzung im globalen Zahlungsverkehr erscheint es durchaus realistisch, dass Stablecoins bereits ein Volumen von über 500 Milliarden US-Dollar erreichen.
Neues Allzeithoch beim DeFi-TVL
Der Total Value Locked, kurz TVL, gilt als zentrale Kennzahl für den DeFi-Sektor. Er misst den Gesamtwert aller Vermögenswerte, die in dezentralen Finanzanwendungen wie Lending-Protokollen, dezentralen Börsen oder Derivateplattformen gebunden sind. Steigt der TVL, signalisiert das wachsende Nutzung, höheres Vertrauen der Anleger und zunehmende wirtschaftliche Relevanz des DeFi-Ökosystems.
Aktuell liegt der DeFi-TVL bei rund 116 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das frühere Allzeithoch aus dem Jahr 2021 lag bei etwa 165 Milliarden US-Dollar. Auch im Oktober 2025 wurden mit rund 170 Milliarden US-Dollar ähnliche Niveaus erreicht. Damit hat der Markt nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre gezeigt, dass er diese Größenordnung tragen kann. Beide Phasen waren jedoch von anschließenden Rückgängen geprägt.

Genau dieser Kontext hat sich inzwischen deutlich verändert. Der regulatorische Rahmen wird klarer, die Tonlage der Aufsichtsbehörden konstruktiver, und institutionelles Kapital nähert sich dem DeFi-Sektor zunehmend vorsichtig, aber strukturiert an. Vor diesem Hintergrund erscheint 2026 als potenzieller Wendepunkt. Erstmals in der Geschichte des dezentralen Finanzsystems wirkt ein TVL jenseits der 200-Milliarden-US-Dollar-Marke realistisch. Ein nachhaltiges neues Allzeithoch beim DeFi-TVL wäre Hinweis auf die zunehmende Reife und Integration von DeFi in das globale Finanzsystem. Krypto-Lending oder Perpetual Futures sind hier mögliche Treiber.
Zcash statt Dogecoin: Wachablösung in der Top 10
Prognosen zu den größten Kryptowährungen und ihren Rankings sind stets mit Unsicherheit verbunden. Rückblickend lässt sich kaum ein Jahr finden, in dem die Zusammensetzung der Top 10 stabil blieb. Zwar waren Bitcoin und Ethereum fast durchgehend gesetzt, doch direkt dahinter kam es immer wieder zu deutlichen Verschiebungen. Für 2026 halten wir es daher für gut möglich, dass Dogecoin erstmals seit längerer Zeit aus den Top 10 fällt.

Aktuell liegt Dogecoin mit rund 20 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung noch auf Rang 9 und damit klar vor Platz 11 mit etwa 12 Milliarden US-Dollar. Dennoch zeigt sich eine ausgeprägte relative Schwäche. Year-to-date hat Dogecoin 2025 über 60 Prozent an Wert verloren und war damit der schwächste Coin unter den Top 10. Als einst wertvollster Memecoin fehlt es zuletzt klar an Momentum, während spekulatives Kapital verstärkt in kleinere Meme-Projekte fließt.
Demgegenüber könnte Zcash profitieren. Mit rund 8,6 Milliarden US-Dollar bewertet und als führender Privacy-Coin positioniert, hat Zcash gute Chancen, 2026 vom anhaltenden Privacy-Narrativ zu profitieren – und dann auch Dogecoin in den Top 10 abzulösen.
Krypto-ETFs, soweit das Auge reicht
Seit Jahren wird ein Durchbruch bei Krypto-ETFs erwartet. Die Bitcoin- oder Ethereum-Spot-ETFs waren ein massiver Erfolg. 2026 könnte nun tatsächlich zum Boom-Jahr werden, zumindest aus einer quantitativen Perspektive.
In den USA hat die Securities and Exchange Commission mit der Veröffentlichung generischer Listing-Standards die Grundlage dafür geschaffen, dass deutlich mehr Krypto-ETFs an den Markt kommen können. Damit wird es Vermögensverwaltern erstmals erleichtert, nicht nur Bitcoin- oder Ethereum-Produkte, sondern auch Altcoin-ETFs zu strukturieren und zu listen. Entsprechend scheint es möglich, dass im kommenden Jahr mehr als 100 neue Krypto-ETFs aufgelegt werden könnten.
Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass sich die Kapitalzuflüsse stark konzentrieren. Institutionelle Investoren dürften bevorzugt auf liquide, etablierte Assets setzen. Kleine Altcoins spielen für Spot-ETFs kaum eine Rolle. Der ETF-Boom könnte den Markt verbreitern, aber die Gewinner bleiben vermutlich wenige.
Zuletzt aktualisiert am 31. Dezember 2025




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