Im Umfeld der juristischen Aufarbeitung des Zusammenbruchs der Krypto-Börse FTX hat sich ein weiterer bedeutender Schritt ergeben. Die Anwaltskanzlei Fenwick & West LLP und eine Gruppe ehemaliger FTX-Nutzer, die als Kläger in einem Sammelverfahren aufgetreten sind, haben sich auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt. Der Fall, der umfassende Vorwürfe der Beihilfe zum milliardenschweren Betrug bei FTX zum Gegenstand hat, soll am 27. Februar 2026 dem zuständigen Gericht zur Genehmigung vorgelegt werden.
Vorwürfe der Beihilfe zur Strukturierung betrügerischer Geschäftsmodelle
Das Verfahren wurde vor einem Bundesgericht in Florida eingereicht und richtet sich gegen Fenwick & West wegen angeblich aktiver Unterstützungsleistungen bei der Geschäftsstrukturierung von FTX und verwandten Firmen wie Alameda Research. Laut Klageschrift soll die Kanzlei dabei geholfen haben, Konstruktionen zu entwickeln, die spätere Missbräuche von Kundengeldern ermöglichten und regulatorische Prüfungen erschwerten. Die Kläger sprechen in diesem Zusammenhang von „wesentlicher Unterstützung“, die den Betrug maßgeblich begünstigt habe. FTX war im November 2022 zusammengebrochen, Millionen von Nutzerinnen und Nutzern hatten in der Folge keinen Zugriff mehr auf ihre Guthaben.
Die konkreten Inhalte des Vergleichs wurden in der jüngsten Einreichung nicht offengelegt. Bekannt wurde lediglich, dass beide Parteien das Gericht ersuchten, sämtliche Fristen sowie laufende Anträge im Verfahren bis zur offiziellen Einreichung des Vergleichs auszusetzen.
Die Klage gegen Fenwick ist Teil eines größeren juristischen Komplexes, der aus zahlreichen Sammelklagen hervorgegangen ist, nachdem das Konstrukt rund um FTX implodiert war. Neben dem Management der Börse geraten zunehmend externe Partner wie Anwaltskanzleien oder prominente Werbepartner in den Fokus rechtlicher Auseinandersetzungen.
Rolle Fenwicks weiter umstritten
In den bisherigen Verfahrensstadien hatte Fenwick & West sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Die Kanzlei argumentierte, dass sie lediglich legale und branchenübliche Rechtsberatung im Rahmen ihres Mandatsverhältnisses mit FTX geleistet habe. Ein Antrag auf Abweisung der Klage mit der Begründung, man sei nicht für unbekannte, interne betrügerische Aktivitäten verantwortlich zu machen, wurde vom zuständigen Gericht jedoch abgelehnt. Damit durfte die Klage in überarbeiteter Form weitergeführt werden.
Die Details der überarbeiteten Fassung der Klage nahmen insbesondere Bezug auf Fenwicks angebliche Beratungsleistungen zu Lizenzfragen im Geldtransfergeschäft sowie auf die undurchsichtige Vermischung der Tätigkeiten von FTX und Alameda Research. Zudem sei es unter Mithilfe von Fenwick gelungen, regulatorisch heikle Konstruktionen zu errichten, die etwaige Kontrollmechanismen aushebelten, so die Vorwürfe.
Ein offizielles Statement zur laufenden Einigung wurde bislang weder von Fenwick noch von der die Kläger vertretenden Kanzlei Moskowitz Law Firm abgegeben. Recherchen zufolge handelt es sich jedoch nicht um die erste Klage dieser Art: Bereits Anfang 2024 war die Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell ins Visier einer ähnlichen Klage geraten, die allerdings nach acht Monaten mangels ausreichender Beweise fallengelassen wurde.
SEC zieht sich aus Verfahren gegen Gemini zurück
Unabhängig von der Entwicklung im FTX-Komplex gab es auch ein Update in einem weiteren prominenten Fall: Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC kündigte an, ihre Klage gegen das Krypto-Unternehmen Gemini einstellen zu wollen. Hintergrund war ein 2023 angestrengtes Verfahren wegen eines angeblich nicht registrierten Krypto-Lending-Programms, über das Milliardenbeträge eingenommen worden sein sollen.
Die Entscheidung der SEC folgte auf eine Einigung zwischen Gemini und der New Yorker Finanzaufsicht, bei der die Plattform zusicherte, betroffenen Kunden die vollständige Rückzahlung ihrer Vermögenswerte zu ermöglichen. Nach Darstellung der SEC erfolgte der Rückzug der Klage im Zuge einer Ermessensausübung – eine Stellungnahme zu den Hintergründen wurde nicht abgegeben.
Während somit rechtliche Fronten rund um große Kryptoakteure in Bewegung bleiben, konzentriert sich das Augenmerk weiter auf die Rolle zentraler Akteure im FTX-Skandal – und auf die Frage, in welchem Ausmaß externe Partner dabei Mitverantwortung tragen könnten. Die finale Entscheidung über den möglichen Vergleich zwischen FTX-Nutzern und Fenwick & West bleibt abzuwarten und wird voraussichtlich Ende Februar erfolgen.
Zuletzt aktualisiert am 3. Februar 2026




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