Am 23. Juli wurde die Kryptobörse WOO X Opfer eines gezielten Hacker-Angriffs. Den Tätern gelang es, sich Zugang zu neun Kundenkonten zu verschaffen und Kryptowährungen im Gesamtwert von rund 14 Millionen US-Dollar zu stehlen.
Die Tat war extrem gut koordiniert und verlief zunächst so unauffällig, dass ein erheblicher Teil der Coins zunächst unbemerkt transferiert werden konnte. Erst durch interne Alarme wurde der Vorfall erkannt, woraufhin Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden.
WOO X stoppte Auszahlungen noch am selben Tag und informierte sowohl die betroffenen Nutzer als auch die Öffentlichkeit über den Hack. In der ersten Mitteilung war von 12 Millionen US-Dollar die Rede, die von der Börse illegal abgezogen worden waren. Diese Zahl wurde später auf 14 Millionen nach oben korrigiert.
Was genau ist passiert?
Viel ist über den Angriff nicht bekannt. Den Tätern gelang es, eine sehr spezifische Schwachstelle auszunutzen: Sie kompromittierten, wie bereits oben erwähnt, neun Nutzerkonten. Wie sie allerdings auf diese Konten Zugriff auf die Konten bekamen, ist aktuell noch nicht vollständig geklärt. Denkbar sind klassische Phishing-Angriffe, aber auch technische Lücken in Schnittstellen (APIs) oder Sicherheitslücken in der Architektur der Plattform selbst.
Die gestohlenen Assets wurden über mehrere Blockchains hinweg verschoben – darunter Ethereum, Tron, BNB Chain, Arbitrum und Bitcoin. Dieses Vorgehen ist typisch für Kriminelle, die auf der Blockchain ihre Spuren verwischen wollen. Die gestückelte Verteilung auf verschiedene Netzwerke erschwert die Rückverfolgung erheblich – macht sie aber nicht unmöglich. Dem Blockchain Tracker Cyvers gelang es, die gestohlenen Vermögenswerte über mehrere Blockchains hinweg zu verfolgen.
𝟱 𝗺𝗶𝗻𝘂𝘁𝗲𝘀. $𝟰𝟰𝗠 𝗴𝗼𝗻𝗲.
On July 18, @CoinDCX operational wallet was breached, losing $44M.
The attacker prepped, ran a test transaction, and drained the funds in six rapid USDT withdrawals.
Our analysis suggests Lazarus Group may be behind the attack.Traditional…
— 🚨 Cyvers Alerts 🚨 (@CyversAlerts) July 22, 2025
Schadensbegrenzung als Routine
WOO X veröffentlichte wenige Stunden nach dem Vorfall eine Übersicht der betroffenen Wallets, rief Nutzer zur Vorsicht auf und kündigte interne wie externe Ermittlungen an. Bekannte Sicherheitsfirmen wie Seal911 und Hypernative wurden hinzugezogen. Die Botschaft war klar: Wir haben die Lage unter Kontrolle.
Gleichzeitig versprach das Unternehmen, alle betroffenen Nutzer vollständig zu entschädigen. Wallets, die dem Unternehmen gehören, wurden übrigens nicht kompromittiert.
Rückzahlungen sind kein Sicherheitskonzept
Der Vorfall bei WOO X ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten kam es auf mehreren Plattformen zu ähnlichen Vorfällen: CoinDCX meldete einen Verlust von rund 44 Millionen US-Dollar, BigONE rund 27 Millionen und Arcadia Finance rund 3,5 Millionen US-Dollar. Obwohl Umfang und Umstände der Vorfälle variieren, gibt es Parallelen in der Abfolge der Ereignisse: Zunächst kommt es zu einem Angriff, dann zur öffentlichen Kommunikation, gefolgt von Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und schließlich zur Wiederaufnahme des Betriebs.
Diese Abläufe zeigen, dass viele Anbieter auf solche Situationen vorbereitet sind und professionell reagieren können. Dennoch bleibt jeder Vorfall ein schwerer Rückschlag – nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in Bezug auf das Vertrauen der Nutzer.
Steckt Lazarus dahinter?
Bei dem Begriff „gehackte Kryptobörse” denken die meisten vermutlich zuerst an die nordkoreanische Hackergruppe Lazarus. Aktuell gibt es jedoch keine belastbaren Hinweise darauf, dass diese Gruppe, die unter anderem für große Angriffe wie die Exploits bei Bybit, WazirX, Atomic Wallet oder Harmony Bridge verantwortlich ist, auch hinter dem WOO-X-Hack steckt. Die Vorgehensweise bei diesem Hack war völlig anders.
Lazarus ist für seine umfangreichen Cyberattacken bekannt, die oft einen hohen finanziellen Schaden verursachen. Technische Charakteristika wie spezifische Malware-Fingerprints, Transaktionsmuster oder der Einsatz von Tornado-Mixern dienen in der Regel als „Signatur” für ihre Beutezüge. Solche Elemente wurden jedoch bislang nicht im Zusammenhang mit dem WOO-X-Hack gemeldet. Auch in offiziellen Berichten und Analysen fehlen Hinweise auf Lazarus-typische Instrumente.
Im ersten Halbjahr 2025 gingen über 3,1 Milliarden US-Dollar aufgrund von Hackerangriffen verloren.Die bisher gemeldeten Schäden im laufenden Jahr übersteigen bereits die Gesamtverluste von rund 2,85 Milliarden US-Dollar aus dem gesamten Jahr 2024.
Auch wenn der Bybit-Hack im Februar mit einem Schaden von 1,5 Milliarden US-Dollar eher ungewöhnlich ist, bleibt die Branche weiterhin anfällig für gravierende Sicherheitslücken.
Ein Blick auf die Ursachen zeigt ein vertrautes Muster: Wie schon im Vorjahr entfallen die meisten Verluste auf Exploits im Bereich der Zugriffskontrolle. Sie sind für etwa 59 Prozent des Gesamtschadens verantwortlich. Schwächen in Smart Contracts machten rund acht Prozent aus, was einem Geldwert von rund 263 Millionen US-Dollar entspricht.
Zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2025




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