Auf dem Kryptomarkt bei den Top 10 nichts großartig Neues. So lässt sich die vergangene Woche bei den etablierten Projekten vermutlich am besten umschreiben. Bitcoin pendelte überwiegend zwischen 92.000 und 98.000 US-Dollar.
Damit liegt die Kryptowährung weiterhin deutlich unter dem im Herbst 2025 erreichten Rekordhoch von rund 126.000 US-Dollar. In Zahlen ausgedrückt ist das ein Rückgang von knapp 24 Prozent. Auch Ethereum zeigte kaum Bewegung und notierte zuletzt bei rund 5.100 US-Dollar, etwa 18 Prozent unter dem bisherigen Jahreshoch.
An den großen Handelsplätzen blieb das Volumen deutlich hinter den Spitzenwerten des Vorjahres zurück. Händler berichten von einer spürbaren Zurückhaltung institutioneller Investoren. Neue Engagements werden nur vereinzelt aufgebaut, während bestehende Positionen überwiegend unverändert gehalten werden. Der Markt wirkt stabil, aber ohne erkennbare Richtung.
Die Sache mit dem Clarity Act: Unterstützer sagen ab
Ein wichtiger Grund für diese Vorsicht liegt in der weiterhin ungeklärten Rechtslage in den Vereinigten Staaten. Das geplante Gesetz zur Neuordnung des Kryptomarktes, das Zuständigkeiten der Aufsichtsbehörden definieren und Rechtssicherheit für Anbieter schaffen sollte, wurde erneut verschoben. Mehrere große Unternehmen der Branche hatten ihre Unterstützung zuvor öffentlich zurückgezogen.
Kritik richtet sich vor allem gegen mögliche Einschränkungen für Stablecoins, für Anwendungen aus dem Bereich der dezentralen Finanzdienstleistungen sowie für den Handel mit tokenisierten Wertpapieren. Für viele Marktteilnehmer bleibt damit offen, welche Geschäftsmodelle künftig tragfähig sind und welche zusätzlichen Anforderungen drohen könnten.
Unerwarteter Gewinner: Privacy Coins lösen sich vom Markttrend
Während der Gesamtmarkt seitwärts tendiert, entwickelte sich ein Bereich zuletzt auffällig stark. Kryptowährungen mit Fokus auf Transaktionsanonymität zogen deutlich an und entwickelten eine Eigendynamik, die sich vom restlichen Markt abkoppelte.
Monero überschritt erstmals die Marke von 700 US-Dollar und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Begleitet wurde der Anstieg von einem sprunghaft wachsenden Handelsvolumen, das zeitweise ein Mehrfaches des Niveaus der Vormonate erreichte. Marktbeobachter sehen darin Anzeichen für eine Umschichtung von Kapital aus stagnierenden Altcoins in diesen spezialisierten Bereich.
Zcash entwickelte sich dagegen schwächer. Der Kurs geriet unter Druck, nachdem innerhalb des Projekts interne Konflikte über die künftige Ausrichtung öffentlich wurden. Die Abspaltung eines Teils des Entwicklerteams von der bisherigen Organisationsstruktur verstärkte die Unsicherheit zusätzlich.
Deutlich fester präsentierte sich Dash. Die Kryptowährung, die bereits im Marktzyklus 2017/18 große Aufmerksamkeit erlangt hatte, legte innerhalb weniger Tage um rund 20 Prozent zu und näherte sich erneut der Marke von 100 US-Dollar.
Institutionelle Nachfrage: Milliarden fließen in Krypto-ETFs
Bewegung kam zuletzt auch von institutioneller Seite. Die in den USA zugelassenen Spot-ETFs auf Kryptowährungen verzeichneten in der vergangenen Handelswoche Nettozuflüsse von insgesamt rund 1,95 Milliarden US-Dollar.
Der größte Teil entfiel erneut auf Bitcoin-Produkte mit etwa 1,42 Milliarden US-Dollar. Ethereum-ETFs kamen auf rund 480 Millionen US-Dollar, während Fonds mit Bezug zu XRP Zuflüsse von knapp 60 Millionen US-Dollarmeldeten. Gemessen an der Marktkapitalisierung fällt dieser Betrag vergleichsweise hoch aus.
Auffällig ist vor allem die Entwicklung der XRP-Produkte. Seit ihrem Handelsstart im November verzeichneten sie – mit Ausnahme eines einzelnen Tages – durchgehend positive Nettozuflüsse. Eine solche Konstanz war bei Bitcoin- und Ethereum-ETFs in ihren Anfangsmonaten nicht zu beobachten. Offenbar stößt das Produkt bei institutionellen Investoren auf unerwartet großes Interesse.
Langfristiger Blick: Vitalik Buterin fordert strukturelle Stabilität
Auch auf technologischer Ebene sorgte die vergangene Woche für Aufmerksamkeit. Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin meldete sich mit einem ausführlichen Beitrag zur langfristigen Ausrichtung des Netzwerks zu Wort. Er forderte, dass Ethereum künftig einen sogenannten „Walkaway-Test“ bestehen müsse.
Ethereum itself must pass the walkaway test.
Ethereum is meant to be a home for trustless and trust-minimized applications, whether in finance, governance or elsewhere. It must support applications that are more like tools – the hammer that once you buy it’s yours – than like…
— vitalik.eth (@VitalikButerin) January 12, 2026
Gemeint ist damit, dass die Blockchain auch dann stabil und zuverlässig funktionieren soll, wenn sich Entwickler, Stiftungen oder große Unternehmen eines Tages zurückziehen. Buterin verwies auf mehrere offene Baustellen, darunter die weitere Skalierung, eine robustere Architektur für Netzwerkknoten und eine langfristig tragfähige ökonomische Grundlage des Proof-of-Stake-Systems. Weiterentwicklung sei notwendig, dürfe jedoch nicht zur Voraussetzung für den grundlegenden Betrieb des Netzwerks werden.
Die Aussagen lösten innerhalb der Entwickler-Gemeinschaft eine breite Debatte aus und unterstreichen den Anspruch, Ethereum nicht nur als Plattform für Anwendungen, sondern als dauerhafte digitale Infrastruktur zu etablieren.
Warnung vor dem Einbruch: Peter Schiff bleibt skeptisch
Für kontroverse Diskussionen sorgte erneut der Ökonom und Goldbefürworter Peter Schiff. Er bezeichnete die aktuelle Marktphase als trügerisch ruhig und sieht Parallelen zu früheren Perioden vor größeren Korrekturen.
Schiff argumentiert, dass der starke Preisanstieg im Jahr 2025 vor allem durch spekulative Zuflüsse getragen worden sei. Diese hätten sich inzwischen abgeschwächt, während gleichzeitig größere Marktteilnehmer begännen, Gewinne mitzunehmen. Seiner Einschätzung nach könnte bereits ein begrenzter externer Schock ausreichen, um eine Verkaufswelle auszulösen.
Big moves are coming in precious metals and Bitcoin. Investors need to prepare. For gold and silver, that means buying more physical metal and loading up on still incredibly undervalued mining stocks. For Bitcoin HODLers, that means selling now before the next market crash!
— Peter Schiff (@PeterSchiff) January 15, 2026
In einem solchen Szenario hält er Kursstände von unter 80.000 US-Dollar für möglich, da automatisierte Handelsprogramme und gehebelte Positionen den Abwärtstrend zusätzlich verstärken könnten. Seine Prognosen gelten in der Branche als umstritten, finden jedoch angesichts der aktuellen Unsicherheit erneut Beachtung.
Gold setzt Rekordserie fort
Während Kryptowährungen seit Wochen kaum vorankommen, entwickelte sich der Goldmarkt weiter nach oben – deutlich leiser, aber stetig. Im Laufe des Jahres 2025 überschritt der Goldpreis mehrfach die Marke von 4.500 US-Dollar je Feinunze. Anfang 2026 wurden zeitweise sogar über 4.600 US-Dollar erreicht.
Getragen wurde diese Entwicklung vor allem durch umfangreiche Käufe von Zentralbanken, anhaltende geopolitische Spannungen und eine steigende Nachfrage institutioneller Investoren nach wertstabilen Vermögensanlagen. Gold bestätigt damit erneut seine Rolle als klassischer Schutz in unsicheren Zeiten.
Im Vergleich dazu wirken Kryptowährungen derzeit wie eine Anlageklasse im Wartemodus. Hohe Bewertungen, regulatorische Fragezeichen und attraktive Alternativen in anderen Märkten dämpfen die Risikobereitschaft vieler Investoren.
Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2026




Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.