In den vergangenen Wochen haben Berichte über mögliche Änderungen der MSCI-Indexrichtlinien eine breite Diskussion im Kryptomarkt ausgelöst. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Digital-Asset-Treasury-Unternehmen wie Strategy, deren Bilanzstruktur stark von Kryptowährungen geprägt ist. MSCI prüft derzeit, ob Firmen, deren Unternehmenswert überwiegend auf digitalen Vermögenswerten basiert, künftig anders klassifiziert werden sollen. Das würde einen Rauswurf aus den wichtigen Indizes bedeuten.
🚨BITCOIN FACES JANUARY 2026 RISK
MSCI is weighing whether to exclude companies with 50%+ crypto exposure including Strategy, with a final decision due on January 15, 2026.
This move could increase selling pressure on #Bitcoin. pic.twitter.com/dkO4i7Gxuv
— Coin Bureau (@coinbureau) November 25, 2025
Demnach soll MSCI im Januar eine endgültige Entscheidung treffen, wodurch das Thema weiterhin hohe Aufmerksamkeit genießt. Denn der Verkaufsdruck wäre wohl massiv, wenn Strategy & Co. aus dem MSCI fliegen.
Strategy gilt als größte Digital-Asset-Treasury weltweit und hält über 650.000 Bitcoin in der Bilanz. Im Zuge der aktuellen MSCI-Diskussionen hat das Unternehmen nun offiziell Stellung bezogen.
Strategy has submitted its response to MSCI’s consultation on digital asset treasury companies. Index standards should be neutral, consistent, and reflective of global market evolution. Read our letter and share your support: https://t.co/yiPRYyw5Lk
— Michael Saylor (@saylor) December 10, 2025
In einem Schreiben weist Strategy die möglichen Pläne zurück und skizziert fünf zentrale Argumente, warum ein Rauswurf aus den Indizes nicht gerechtfertigt wäre. Das sind die Argumente des US-Unternehmens:
1. Operative Unternehmen, keine Fonds
Strategy argumentiert im Kern, dass MSCI den Charakter von DATs grundlegend missversteht. Der Indexanbieter stützt seine Ausschlussüberlegung darauf, einige Marktteilnehmer sähen strukturelle Parallelen zwischen DATs und Investmentfonds.
Doch genau diese Gleichsetzung hält Strategy für sachlich falsch. DATs seien keine passiven Vehikel, die Vermögenswerte lediglich halten, sondern Unternehmen mit operativem Geschäftsmodell. Strategy dient dabei als prägnantes Beispiel: Die Firma nutzt ihren erheblichen Bitcoin-Bestand nicht als bloße Reserve, sondern als Grundlage für ein eigenes Kapitalmarktprogramm.
Das Unternehmen entwickelt digitale Kreditinstrumente, strukturiert Finanzprodukte und setzt deren Erlöse wiederum gezielt ein, um Bitcoin zu erwerben. Dies ist ein Vorgehen, das eher klassischen Geschäftsmodellen von Banken oder Versicherern ähnelt als einem ETF.
Entscheidend sei, dass Strategy flexibel auf Marktchancen reagiert, neue Produkte erwägt und die Bitcoin-Reserven aktiv einsetzt. Wer Strategy-Aktien kauft, investiere daher nicht in ein Bitcoin-Exposure, sondern in ein Unternehmen mit Management, Geschäftsstrategie und Kapitalallokation.
So sieht der folgende Analyst bei Strategy sogar ein Unternehmen, das den Startschuss für ein neues Geldsystem legen könnte. Damit sei das Unternehmen natürlich weit mehr als ein Fonds.
STRATEGY & BITCOIN CREDIT: THE GREATEST ASYMMETRIC BET
This is my attempt to fully explain the massive opportunity with digital credit, starting from first principles by defining money and debt, and then articulating the massive opportunity Strategy has to do something totally… pic.twitter.com/A00ymnW1Ej
— Adam Livingston (@AdamBLiv) October 17, 2025
2. Willkürliche 50-Prozent-Grenze ohne Grundlage
Strategy kritisiert, dass MSCI mit der vorgeschlagenen 50-Prozent-Schwelle ausschließlich Krypto-fokussierte Unternehmen herausgreift und damit eine sachlich unbegründete Ungleichbehandlung einführt. Viele der größten börsennotierten Konzerne konzentrieren ihr Vermögen ebenfalls auf eine einzige Assetklasse, von Öl- und Gasproduzenten über Goldminenbetreiber bis zu REITs und Energieinfrastrukturunternehmen. Dennoch stuft MSCI diese Firmen nicht als Investmentfonds ein.
Für Strategy ist klar: Aktionäre kaufen nicht die zugrunde liegenden Vermögenswerte, sondern das unternehmerische Handeln, die Strategie und die Wertschöpfung, die ein Unternehmen aus diesen Vermögenswerten generiert. Diese Logik gelte auch für DATs.
Zugleich verweist das Unternehmen auf praktische Probleme. Die Bewertung digitaler Vermögenswerte schwankt stark, wodurch Firmen abhängig von Marktbewegungen ständig in und aus Indizes fallen würden.
Hinzu kommt die enorme Komplexität der bilanziellen Erfassung: IFRS- und GAAP-Regeln unterscheiden sich fundamental, sodass dieselbe Vermögensstruktur je nach Rechnungslegungsstandard völlig unterschiedliche Schwellenwerte auslösen würde. Auch Unternehmensbeteiligungen, strukturierte Verträge oder Buchwerte erschweren eine einheitliche Messung. Strategy warnt daher vor einem Regelwerk, das Umgehungsstrategien, Fehlklassifikationen und permanente Neujustierungen provozieren würde.
„MSCI müsste zusätzliche Protokolle und Überwachungsmaßnahmen einführen, um sicherzustellen, dass seine Standards fair und ohne Ungleichbehandlung angewendet werden. Das Ergebnis wäre Chaos und Verwirrung für MSCI, Investoren und die in seinen Indizes enthaltenen Unternehmen.“
3. MSCI vermische Politik und Indes-Bildung
Strategy argumentiert, dass MSCI mit dem Vorstoß gegen seine eigenen Grundprinzipien verstößt. Die Indexfamilie lebt vom Anspruch, Märkte neutral, objektiv und repräsentativ abzubilden, ohne Werturteile über Geschäftsmodelle oder Anlageformen. Genau diese Neutralität werde jedoch untergraben, sobald digitale Assets gesondert behandelt und DATs als minderwertige Unternehmensform eingeordnet würden. Für Strategy ist das keine technische Anpassung, sondern ein politisch gefärbter Eingriff: ein Signal, das bestimmte Geschäftsmodelle diskreditiert.
Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf den wachsenden wirtschaftlichen Stellenwert digitaler Vermögenswerte. Mit Bitcoin als einem der weltweit größten Assets würde ein Ausschluss dieser Firmen die reale Marktentwicklung verzerren und Investoren kein vollständiges Bild des globalen Aktienmarktes mehr bieten. Auch regulatorisch entstünde ein riskanter Widerspruch: Institutionelle Investoren verlassen sich darauf, dass Indizes keine politischen Präferenzen widerspiegeln, gerade in einer Phase, in der Regulierer ESG-ähnliche Werturteile zunehmend aus Investmentprozessen entfernen.
Vor dem Hintergrund der politischen Grabenkämpfe um digitale Assets sieht Strategy die Gefahr, dass MSCI unbeabsichtigt Teil dieser Debatten wird.
4. MSCI positioniert sich gegen Trump und Administration
Strategy betont derweil, dass MSCIs Vorstoß direkt gegen die politische Leitlinie der US-Regierung verläuft. Die Trump-Administration hat digitale Vermögenswerte zum wirtschafts- und geopolitischen Schlüsselthema erklärt: Die USA sollen Führungsnation für diese Technologien werden, während traditionelle Rentensysteme einen erleichterten Zugang zu Digital-Asset-Investments erhalten sollen. Ein Indexausschluss würde jedoch genau das Gegenteil bewirken, indem er Pensionskassen und 401(k)-Plänen den Zugang zu Unternehmen mit hohem Exposure in Kryptos faktisch entzieht und Kapitalströme aus diesem Sektor umlenkt.
Zudem sieht Strategy eine gravierende Innovationsbremse. So entstünde ein Wettbewerbsnachteil, der nicht auf wirtschaftlichen, sondern auf methodischen Kriterien beruhe. Auch Bitcoin-Miner oder junge Unternehmen, die digitale Assets operativ einsetzen, wären betroffen. Damit würden ganze Branchen in ihrer Entstehungsphase strukturell geschwächt und die Entwicklung neuer Technologien behindert.
5. Mehr Transparenz und längere Beratung erforderlich
Ferner weist das Unternehmen darauf hin, dass MSCIs Vorschlag tiefgreifende Folgen für DATs, deren Aktionäre und den gesamten Digital-Asset-Markt hätte. Deshalb sei es verfrüht, bereits jetzt pauschale Regeln zu etablieren, solange sich das Segment noch in einer dynamischen Entwicklungsphase befindet. Kritik übt das Unternehmen vor allem an der dünnen Begründung: MSCI verweise lediglich auf „einige Marktteilnehmer“, ohne offenzulegen, wer diese seien, welche konkreten Merkmale von DATs bemängelt werden und warum andere Branchen nicht betroffen sind.
Falls MSCI an einer Sonderbehandlung festhalten sollte, fordert Strategy zumindest eine substanzielle, detaillierte Herleitung.
Das Fazit ist somit klar:
„Wir fordern MSCI nachdrücklich auf, den Vorschlag abzulehnen. Er beruht auf einer weitreichenden Fehlinterpretation von DATs und würde willkürliche, unpraktikable Bedingungen auferlegen, die Innovationen behindern, den Ruf der MSCI-Indizes schädigen und im Widerspruch zu nationalen Prioritäten stehen würden. Die Geschichte zeigt, dass bei der Einführung grundlegender Technologien diejenigen Institutionen erfolgreich waren, die es den Märkten überließen, diese zu testen, anstatt sie im Voraus zu drosseln. Das Ökosystem der digitalen Vermögenswerte befindet sich derzeit an einem ähnlichen Wendepunkt: MSCI kann entweder der reaktiven Kurzsichtigkeit erliegen, die etablierte Institutionen manchmal gegenüber Innovationen an den Tag legen, oder es kann zulassen, dass seine Indizes neutral und getreu die nächste Ära der Finanztechnologie widerspiegeln. Der klügere Weg – für MSCI, für Investoren und für die Wirtschaft insgesamt – besteht darin, dass MSCI neutral bleibt und die Märkte über den Kurs von DATs entscheiden lässt.“
Zuletzt aktualisiert am 10. Dezember 2025




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