CLARITY Act vor dem Aus: Drei Streitpunkte blockieren den Markup-Termin

Empty US Senate committee room with clock and documents showing legislative deadline pressure

Der CLARITY Act steckt tiefer im Sumpf des US-Senats als je zuvor – und das bei einer Deadline, die kaum noch Spielraum lässt. Am 15. April 2026 verschwand das Marktstrukturgesetz (H.R. 3633) ohne Ankündigung aus dem täglichen Sitzungskalender des Senats. Als kritische Frist gilt der 25. April 2026: Scheitert ein Markup-Termin im Senate Banking Committee bis dahin, gilt der CLARITY Act für das laufende Gesetzgebungsjahr als faktisch tot.

Drei Hindernisse, kein Termin

Chairman Tim Scott nannte am 14. April öffentlich drei verbleibende Streitpunkte: die Stablecoin-Yield-Sprache, DeFi-Bestimmungen sowie die innerparteiliche Einigkeit der Republikaner im Ausschuss. Genau diese drei Punkte bremsen den Prozess und verhindern bislang einen konkreten Markup-Termin – trotz einer Kompromissformel, die bereits seit März auf dem Tisch liegt.

Die Einigung der Senatoren Thom Tillis (R-NC) und Angela Alsobrooks (D-MD) vom 22. März 2026 unterscheidet dabei zwischen passivem Yield – also Zinsen allein durch das Halten von Stablecoins, die verboten werden sollen – und aktivitätsbasierten Belohnungen für Zahlungen, Transfers und Plattformnutzung, die erlaubt bleiben. Der Gesetzestext schließt Umgehungsversuche über Tochtergesellschaften ausdrücklich aus und verpflichtet SEC, CFTC und US-Treasury, innerhalb von zwölf Monaten zulässige Belohnungsstrukturen zu definieren.

Trotzdem hält die Banking-Lobby an ihrer Ablehnung fest – und das, obwohl das White House Council of Economic Advisers am 8. April eine quantitative Analyse veröffentlichte, die die Kernargumente der Bankenverbände erheblich schwächt. Laut dieser Analyse würde ein Yield-Verbot die Bankkreditvergabe lediglich um 2,1 Milliarden US-Dollar steigern – das entspricht 0,02 Prozent des Gesamtkreditvolumens – während gleichzeitig Verbraucherkosten von 800 Millionen US-Dollar entstünden.

Weiterlesen: CLARITY Act: Das 60-Stimmen-Problem und die AML-Blockade im US-Senat

Weißes Haus und Industrie erhöhen den Druck

Trotz des legislativen Stillstands mehren sich die politischen Signale in Richtung Verabschiedung. Treasury Secretary Scott Bessent bezeichnete den CLARITY Act in einem Meinungsbeitrag vom 9. April als Frage der nationalen Sicherheit. Einen Tag später vollzog Coinbase-CEO Brian Armstrong eine öffentliche Kehrtwende und unterstützt das Gesetz nun öffentlich.

Senatorin Cynthia Lummis brachte die Dringlichkeit auf den Punkt: Das Gesetz sei die letzte Chance auf eine Verabschiedung des CLARITY Act bis mindestens 2030. Senator Bernie Moreno erklärte, das Gesetz müsse bis spätestens Mai den vollen Senat erreichen – andernfalls drohen Konflikte mit dem Wahlkampfkalender der Zwischenwahlen 2026.

Ripple-CEO Brad Garlinghouse verschob seine Prognose für den Verabschiedungstermin bereits von April auf Ende Mai 2026 – ein Zeichen, dass selbst Brancheninsider mit weiteren Verzögerungen rechnen.

Weiterlesen: CLARITY Act: US-Senatoren im Konflikt – die politischen Spannungen im Überblick

Was jetzt noch möglich ist

Der nächste konkrete Schritt liegt bei Senator Tillis: Er muss den überarbeiteten Gesetzestext veröffentlichen. Danach greift eine 48-Stunden-Wartefrist, bevor Chairman Scott offiziell einen Markup-Termin für den 24. oder 25. April ankündigen kann. Das Zeitfenster ist damit mathematisch noch offen – politisch aber äußerst eng.

Für die anschließende Senatsentscheidung sind 60 Stimmen erforderlich, da die Cloture-Schwelle greift. Überparteiliche Unterstützung bleibt damit zwingend notwendig – und die ist angesichts des Lobbykonflikts um Stablecoin-Yield und DeFi-Regeln weiterhin nicht gesichert. Der CLARITY Act regelt als breites Marktstrukturgesetz die Zuständigkeitsteilung zwischen CFTC (digitale Rohstoffe) und SEC (Investitionsverträge) – und bleibt damit das zentrale regulatorische Rahmenwerk für den gesamten US-Kryptomarkt.

Gelingt kein Markup bis zum 25. April, ist der CLARITY Act für das laufende Gesetzgebungsjahr faktisch tot. Für Krypto-Unternehmen, die seit Jahren auf regulatorische Klarheit warten, wäre das ein herber Rückschlag. Warnsignal oder letzter Anstoß für einen Kompromiss? Die kommenden Stunden werden die Antwort liefern.

Weiterlesen: Mega-Deal im Weißen Haus: Trumps Zugeständnisse bei den Ethik-Regeln für den CLARITY Act

Zuletzt aktualisiert am 3. August 2026

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Tobias FennerExperte für Kryptowährungen

Tobias Fenner beschäftigt sich seit fast einem Jahrzehnt mit der Schnittstelle zwischen digitalen Vermögenswerten und der notorisch komplexen Welt des Steuerrechts. Der in Stuttgart ansässige Experte entwickelte früh eine Leidenschaft für die regulatorische Seite von Krypto, nachdem er feststellte, dass die meisten Enthusiasten weitaus mehr auf Gewinne fokussiert waren als auf das, was passiert, wenn das Finanzamt anklopft. Seine Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Wesentliche auf den Punkt bringen – mit einer praktischen, bodenständigen Perspektive, die sowohl Krypto-Neulinge als auch erfahrene Anleger anspricht, die sich mit deutschen und EU-Compliance-Vorgaben auseinandersetzen müssen.

Seine Berichterstattung auf Coincierge.de konzentriert sich auf steuerliche Meldepflichten, die Herausforderungen bei der Einstufung von DeFi, die steuerliche Behandlung von Staking-Einnahmen und die sich ständig weiterentwickelnden Richtlinien des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Tobias ist überzeugt, dass finanzielle Freiheit im Krypto-Raum nur dann sinnvoll ist, wenn die Menschen das Erreichte auch tatsächlich behalten dürfen. Das bedeutet, die Regeln im Detail zu verstehen, anstatt am Jahresende einfach auf das Beste zu hoffen.

Wenn er nicht gerade die neuesten BMF-Schreiben analysiert oder die Krypto-Meldestandards der OECD verfolgt, begeistert sich Tobias fürs Langstrecken-Radfahren und ein – vielleicht etwas übertriebenes – Interesse an Brettspielstrategien. Er schreibt für Leser, die Klarheit statt Hype suchen und die verstehen, dass die vermeintlich langweiligen Facetten von Krypto oft die wichtigsten sind.

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