Der jüngste Austausch zwischen führenden Finanzakteuren der traditionellen Märkte und der Krypto-Industrie im Rahmen einer Sitzung des Investor Advisory Committee der US-Börsenaufsicht SEC hat deutlich gemacht, wie tief die Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Tokenisierung und Regulierung dezentraler Finanzsysteme (DeFi) gehen. Teilnehmer des Treffens waren unter anderem hochrangige Vertreter von Citadel Securities, Coinbase, BlackRock und Galaxy Digital.
Wachsende Relevanz der Tokenisierung wirft Regulierungsfragen auf
Der Hintergrund der Debatte ist der wachsende Trend zur Tokenisierung, also der digitalen Abbildung realweltlicher Vermögenswerte auf der Blockchain. Dieses Verfahren ermöglicht eine fragmentierte Eigentumsstruktur und eine effizientere Handelbarkeit über dezentrale Netzwerke. Bereits heute beschäftigen sich sowohl traditionelle Finanzakteure als auch Krypto-native Unternehmen intensiv mit den Möglichkeiten, reale Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen oder Immobilien als Token abzubilden.
Im Fokus der SEC-Sitzung am 4. Dezember stand daher die Frage, wie solche Entwicklungen aus regulatorischer Sicht angemessen begleitet werden können. Neben Chancen betonten mehrere Teilnehmer auch die damit verbundenen Risiken für Investoren und Marktstrukturen.
Samara Cohen, Senior Managing Director und Leiterin der Marktentwicklung bei BlackRock, stellte nach der Sitzung fest, dass die Diskussion in großer Bandbreite verlaufen sei. Die unterschiedlichen Perspektiven der sechs Diskussionsteilnehmer hätten, so Cohen, mehrere Lösungsansätze offenbart und reflektierten die Vielschichtigkeit der Herausforderungen. Gerade dieser Umstand mache das Thema so bedeutend für die regulatorische Entscheidungsfindung.
Citadel Securities plädiert für strengere DeFi-Regulierungen
Im Vorfeld des Meetings hatte ein Schreiben von Citadel Securities für Diskussionen gesorgt. Das Unternehmen forderte die SEC auf, regulatorisch aktiv zu werden und dabei insbesondere auch dezentrale Anwendungen nicht von der Definition als „Börse“ oder „Broker-Dealer“ auszunehmen. Kritiker aus der Kryptoszene warfen dem Marktteilnehmer daraufhin vor, zentrale Marktstrukturen auf DeFi übertragen zu wollen – ein Vorhaben, das sie als nicht praktikabel und systemwidrig bewerten.
In einer Stellungnahme bekräftigte Citadel Securities die Dringlichkeit, alle beteiligten Intermediäre im Handel mit tokenisierten Aktien genau zu erfassen – darunter auch dezentrale Protokolle. Pauschale Ausnahmeregelungen hielten sie angesichts der Bedeutung des US-Aktienmarktes für unangebracht.
Jonah Platt, Managing Director bei Citadel Securities für regulatorische Fragen in den USA, räumte in der Sitzung die potenziellen Vorteile der Tokenisierung von Aktien zwar ein, sprach sich aber gleichzeitig gegen eine pauschale Ausnahmepolitik für DeFi aus. „Der US-Aktienmarkt ist ein zu grundlegendes Element unseres Finanzsystems, um regulatorisch Abkürzungen zu nehmen“, so Platt. Stattdessen plädiere man für eine differenzierte Betrachtung und gegebenenfalls punktuelle Anpassung einzelner Vorschriften.
Coinbase: Gleichbehandlung von DeFi und traditionellen Brokern nicht zielführend
Scott Bauguess, Vizepräsident für globale Regulierungspolitik bei Coinbase, unterstützte die Idee eines selektiven, regelbasierten Ansatzes. Allerdings unterstrich er, dass die Anwendung traditioneller Regeln auf dezentrale Börsen angesichts der technologischen Struktur von DeFi nicht zielführend sei. Die regulatorischen Rahmenbedingungen müssten der Funktionsweise dezentraler Märkte Rechnung tragen, ohne dabei risikobehaftete Grauzonen zu schaffen.
Die Differenzen zwischen zentral organisierten Finanzinstitutionen wie Citadel und Vertretern der Krypto-Wirtschaft spiegeln eine grundlegende Herausforderung wider: Während konventionelle Marktteilnehmer auf strukturierte Aufsicht und klare Zuständigkeiten pochen, betont die Krypto-Branche Selbstorganisation, Transparenz durch Code und die Abwesenheit klassischer Vermittler.
Die SEC sieht sich nun mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, einen regulatorischen Rahmen zu entwickeln, der sowohl Investoren schützt als auch Raum für Innovation lässt – ohne dabei einseitig Marktmodelle zu bevorzugen oder zu behindern. Ein abschließender Konsens wurde im Rahmen der Sitzung nicht erreicht, doch der intensive Meinungsaustausch dürfte Teil eines fortlaufenden Dialogs bleiben, dessen Ergebnis maßgeblich über die Zukunft von DeFi in den USA entscheiden wird.
Zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2025




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