
Strategy, weltweit größter börsennotierter Bitcoin-Halter, meldet für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 8,22 Mrd. $. Verantwortlich ist fast ausschließlich eine nicht realisierte Abwertung der Bitcoin-Bestände um 8,32 Mrd. $ nach Fair-Value-Bilanzierung.
Kurz darauf legte Coinbase nach: 359 Mio. $ Verlust und die dritte Umsatzverfehlung in Folge. Beide Zahlen fallen in eine Woche, in der Bitcoin unter 63.000 $ rutschte und damit das defensivste Marktumfeld seit 2022 unterstreicht.
Warum weist Strategy einen Rekordverlust aus?
Der operative Verlust von 8,33 Mrd. $ ergibt sich fast vollständig aus der Bitcoin-Neubewertung. Unter dem Strich stehen 24,45 $ Verlust je verwässerter Aktie. Vor zwölf Monaten produzierte dieselbe Bilanzierungsmethode noch einen nicht realisierten Gewinn von 14,05 Mrd. $ und 10,02 Mrd. $ Nettogewinn, eine Schwankung von rund 18 Mrd. $ im ausgewiesenen Ergebnis, ohne dass sich am Geschäftsmodell etwas geändert hätte.
Das Software-Geschäft wuchs unterdessen um 6,9 % auf 122,4 Mio. $ Umsatz bei einer Bruttomarge von 66,6 %. Michael Saylor ordnete das Quartal als Phase gedämpfter Stimmung ein, nicht als strukturelles Problem, und bekräftigte den Aufbau des Geschäftsfelds Digital Credit.
Ist der Bitcoin-Bestand tatsächlich gefährdet?
Zum 26. Juli hielt Strategy 843.775 BTC, ein Plus von 25 % seit Jahresbeginn. Die Anschaffungskosten liegen bei rund 63,69 Mrd. $, der Marktwert bei 54,77 Mrd. $, der Durchschnittspreis je Coin bei etwa 75.476 $. Pro Bitcoin sind das rund 10.700 $ im Minus, insgesamt etwa 8,9 Mrd. $ unter Einstand, jedoch rein buchhalterisch und nicht realisiert.
Über Kapitalerhöhungen sammelte das Unternehmen 17,06 Mrd. $ ein, drückte ausstehende Wandelanleihen per Rückkauf mit Abschlag von 8,21 auf 6,71 Mrd. $ und baute eine Dollar-Reserve von 3,75 Mrd. $ auf, die nach Angaben des Managements rund 2,1 Jahre an Vorzugsdividenden und Zinsen abdeckt. Wie diese Finanzierungsmechanik im Detail funktioniert, zeigt der Blick auf die Verkäufe und Liquiditätsstruktur von Strategy. Anders als bei fremdfinanzierten Reserven, wie sie etwa bei gehebelten Bitcoin-Positionen diskutiert werden, drohen laut aktuellen Zahlen keine unmittelbaren Zwangsverkäufe.
Coinbase enttäuscht schon wieder
Coinbase meldet 1,22 Mrd. $ Umsatz, ein Minus von 18,5 % gegenüber dem Vorjahr, erwartet worden waren rund 1,30 Mrd. $. Der Verlust je Aktie lag bei 1,36 $, die Prognosen hatten eine schwarze Null gesehen, die Aktie verlor nachbörslich rund 6 % auf etwa 153 $.

Grund ist die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung, die im Quartalsvergleich um 11 % schrumpfte, während die Spot-Handelsvolumina um 25 % einbrachen. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer sank von 8,7 auf 7,6 Mio., das verwahrte Vermögen von 425 auf 245,9 Mrd. $. Positiv: Coinbase erreichte mit 10,3 % einen Rekordanteil am globalen Handelsvolumen, das bereinigte EBITDA blieb mit 207,8 Mio. $ zum vierzehnten Mal positiv, und Bitcoin-bezogene Erlöse machen nur noch 12 % statt früher über die Hälfte aus. Brian Armstrong betont damit, dass Coinbase längst keine reine Wette mehr auf den Bitcoin-Kurs sei.
Fed und Regulierung als zusätzlicher Bremsklotz
Die Fed beließ den Leitzins am 29. Juli bei 3,50 bis 3,75 %, doch drei regionale Fed-Präsidenten stimmten für eine sofortige Anhebung. Notenbankchef Kevin Warsh stellte klar, dass eine Inflation über 2 % bei aktuell rund 4,1 % Teuerung nicht akzeptabel ist, womit eine Zinssenkung vom Tisch ist. Andrei Grachev von DWF Labs bezeichnet die restriktive Zinspause als ungünstigstes aller möglichen Ergebnisse und rät institutionellen Anlegern zu defensiver Positionierung. Auch beim CLARITY Act brachen die Wettquoten auf eine Verabschiedung nach verstrichener Senatsfrist auf unter 30 % ein.
Was bedeutet das für Anleger?
Bitcoin notiert bei gut 63.000 $, nach rund 88.400 $ zum Jahresende 2025 und weit entfernt vom Oktober-Hoch bei etwa 126.000 $. Der 20-Wochen-Durchschnitt bei 69.445 $ ist der erste ernsthafte Widerstand, nach unten hat die Zone zwischen 60.000 und 62.000 $ mehrere Tests überstanden. Fällt sie, rückt das Juni-Tief bei rund 57.500 $ wieder in den Blick, zumal der August in den vergleichbaren Bärenmarktjahren 2018 und 2022 die Juli-Gewinne jeweils komplett kassiert hat.

Dagegen steht eine bereits eingepreiste restriktive Fed, sich stabilisierende ETF-Zuflüsse und eine RSI-Divergenz im Wochenchart, die auf einen möglichen Wendepunkt hindeutet. Wer den Fall von Strategy einordnen will, findet einen Vergleichsfall bei einer weiteren börsennotierten Bitcoin-Treasury-Strategie mit ähnlichem Bewertungsproblem. Entscheidend bleibt für Anleger, ob sie unrealisierte Buchverluste von echten Liquiditätsrisiken unterscheiden können, bevor sie auf Basis einer Schlagzeile handeln.
Zuletzt aktualisiert am 17. August 2026





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