Trade Republic vollzieht seine Transformation zum vollwertigen Vermögensverwalter mit einem massiven Krypto-Update. Der Berliner Neobroker führt ein Krypto-Wallet ein, das Überweisungen, Staking und Zahlungen mit digitalen Währungen ermöglicht.
Mit der MiCAR-Lizenz gehört Trade Republic zu den ersten vollständig regulierten Banken in Europa, die umfassende Krypto-Funktionen unter einem Dach anbieten. Der Launch markiert nach Private Markets und Fixed Income die dritte neue Anlageklasse innerhalb von nur zwei Monaten. Doch das hohe Tempo wirft Fragen auf: Kann der Neobroker Wachstum, Innovation und Servicequalität gleichzeitig stemmen?
50 bis 60 Coins: Von Bitcoin bis Solana
Mit dem neuen Krypto Wallet können Trade-Republic-Kunden rund 50 bis 60 Kryptowährungen kaufen, verkaufen, empfangen und versenden, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana, Litecoin, Ripple und Cardano. Die nahtlose Integration in die bestehende App ermöglicht Transfers zu und von externen Wallets, was bisher bei Trade Republic nicht möglich war.
„Krypto ist die erste Anlageklasse, bei der nicht die Banken, sondern die Menschen selbst den Trend bestimmen“, erklärt Christian Hecker, Mitgründer von Trade Republic. „Lange kontrovers diskutiert, ist Krypto heute ein fester Bestandteil des Finanzsystems.“
Das Unternehmen erhebt für Krypto-Transfers keine zusätzlichen Gebühren. Lediglich 1 Euro externe Abwicklungskosten pro Einzeltransaktion fallen an. Diese Preistransparenz könnte den Kryptomarkt ähnlich disruptieren wie einst den Aktienhandel, meinen Branchenbeobachter.
Staking mit bis zu 6 Prozent Rendite
Eine zentrale Neuerung ist das Staking. Nutzer können ausgewählte Coins wie Ethereum und Solana dem Blockchain-Netzwerk zur Verfügung stellen, um Transaktionen zu validieren. Dafür erhalten sie wöchentliche Rewards, derzeit zwischen drei und sechs Prozent jährlich, ohne dass Trade Republic Provisionen einbehält.
Während des Stakings bleiben die Kryptos jedoch an das Netzwerk gebunden und können nicht verkauft werden. Die Rewards werden automatisch ausgezahlt und in Echtzeit angezeigt. Für viele Privatanleger dürfte dies ein attraktiver Einstieg in die Welt des Stakings sein, da die technische Komplexität durch die App-Integration erheblich reduziert wird.
2 Prozent Crypto Saveback: Direktangriff auf Bitpanda
Aggressiv positioniert sich Trade Republic mit seinem „Crypto Saveback“-Programm. Wer mit der Trade-Republic-Karte zahlt und dabei auf Krypto-Bestände statt Euro zurückgreift, erhält 2 Prozent des Betrags als Rückvergütung. Diese werden automatisch in einen Sparplan reinvestiert. Dies gilt für monatliche Kartenausgaben bis zu 1.500 Euro und verdoppelt die bisherige Cashback-Rate von einem Prozent.
Für Marktbeobachter ist klar, dass dies ein direkter Angriff auf Bitpanda, den Krypto-Platzhirsch aus Österreich, der bereits seit Jahren ähnliche Services anbietet, ist. Mit über 10 Millionen Kunden in 18 Ländern und einem verwalteten Vermögen von über 150 Milliarden Euro bringt Trade Republic eine gewaltige Marktmacht mit.
Dritter Launch in zwei Monaten
Das Krypto-Wallet ist die dritte große Produktankündigung innerhalb von nur zwei Monaten. Zuvor hatte Trade Republic bereits Private Markets sowie neue Zinsprodukte eingeführt. Bei einem der angebotenen Private-Equity-Fonds hatte es zuletzt Verwirrung gegeben, da die absoluten Kosten höher waren als anfangs ausgewiesen.
Trade Republic ordnet das Wallet in sein neues Vier-Säulen-Modell ein: Neben Brokerage, Private Markets und Fixed Income soll Krypto künftig ein gleichberechtigter Bestandteil des Produktportfolios sein. CEO Hecker beschreibt langfristiges Investieren als Zusammenspiel verschiedener Anlageklassen.
Kundenservice in der Kritik: Wachstum auf Kosten der Qualität?
Doch das hohe Expansionstempo hat Schattenseiten. Zahlen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) zeigen, dass die Beschwerden über Trade Republic drastisch angestiegen sind. Von Januar bis September 2025 stieg die Zahl der Beschwerden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 133 Prozent.
Insgesamt gingen bei den 16 Verbraucherzentralen in Deutschland über 300 entsprechende Beschwerden ein. Die Hauptgründe: „Ein schwer oder nicht erreichbarer Kundenservice“ sowie Beschwerden über unvollständige Lieferungen oder Leistungen.
Die Kundenzahl von Trade Republic hat sich in weniger als zwei Jahren auf 10 Millionen in 18 Ländern verdoppelt. Der Kundenservice kommt offenbar nicht mehr hinterher, was sich jetzt auch in den Trade Republic Erfahrungen zeigt.




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