Die tschechische Nationalbank (CNB) hat am Donnerstag einen großen Schritt in Richtung digitaler Vermögenswerte vollzogen. Als erste Zentralbank weltweit hat sie offiziell Bitcoin und andere Krypto-Assets in ihre Bilanz aufgenommen, wenn auch zunächst nur zu Testzwecken.
Eine Million Dollar für digitale Experimente
Die CNB hat ein Testportfolio im Umfang von einer Million US-Dollar geschaffen, das neben Bitcoin auch einen USD-Stablecoin und ein tokenisiertes Bankdepot umfasst. Der Bankvorstand genehmigte den Krypto-Kauf bereits am 30. Oktober 2025, nachdem eine umfassende Analyse möglicher Investitionen in alternative Anlageklassen durchgeführt worden war.
„Ich hatte die Idee für ein Testportfolio im Januar 2025“, erklärte CNB-Gouverneur Aleš Michl. „Ziel war es, Bitcoin aus Sicht einer Zentralbank zu testen und seine potenzielle Rolle bei der Diversifizierung unserer Reserven zu bewerten.“ In den folgenden Monaten wurde der Umfang des Projekts erweitert, um auch die Zukunft des Zahlungsverkehrs und die Tokenisierung von Vermögenswerten einzubeziehen.
Kein Einfluss auf Währungsreserven
Die Notenbank betonte ausdrücklich, dass die digitalen Assets außerhalb der offiziellen internationalen Währungsreserven gehalten werden. Der Kauf hat keinerlei Auswirkungen auf die Fähigkeit der CNB, potenzielle Deviseninterventionen durchzuführen oder die Geldpolitik zu steuern. Eine aktive Erhöhung des Portfoliovolumens ist nicht geplant.
„Es ist wichtig zu betonen, dass der Wert von Bitcoin erheblich schwanken kann“, warnte Gouverneur Michl. „Kein Investor sollte Bitcoin kaufen, ohne sich der erheblichen Risiken bewusst zu sein.“ Aufgrund der marginalen Größe des Portfolios werden Preisschwankungen jedoch keine Auswirkungen auf die finanzielle Performance der CNB haben.
Praktisches Lernen statt Theorie
Die Zentralbank will mit dem Experiment die gesamte Prozesskette testen, die mit dem Kauf, der Verwahrung und der Verwaltung digitaler Vermögenswerte verbunden ist. Dies reicht von der technischen Verwaltung kryptografischer Schlüssel über mehrstufige Genehmigungsprozesse bis hin zu Krisenszenarien und der Überprüfung der Compliance mit Geldwäschevorschriften.
„Digitale Assets haben spezifische Eigenschaften, die nicht vollständig getestet werden können, ohne ein reales, wenn auch kleines, Engagement“, erklärte die CNB. Der Aufbau und die Entwicklung interner Expertise seien ebenfalls ein wichtiger Faktor. Praktische Erfahrung ermögliche es den Mitarbeitern, Wissen zu erwerben und teamübergreifend weiterzugeben.
Parallel zum Testportfolio hat die Zentralbank das CNB Lab als Innovationshub ins Leben gerufen. Diese Plattform soll die Erprobung von Technologien und Trends überwachen, die in Zukunft die Funktionsweise des Finanzmarkts und die Durchführung der Geldpolitik beeinflussen könnten. Neben Blockchain-Lösungen will das CNB Lab auch KI-Tools testen und Innovationen im Zahlungsverkehr unterstützen.
Vorreiterrolle in Europa
Mit diesem Schritt positioniert sich Tschechien als Vorreiter bei der institutionellen Krypto-Adoption in Europa. Anders als die meisten EU-Mitgliedsstaaten nutzt das Land nicht den Euro und verfügt daher über größere geldpolitische Eigenständigkeit. Dies macht das Experiment überhaupt erst möglich.
Die CNB kündigte an, die Öffentlichkeit laufend über ihre Erfahrungen zu informieren. Eine Gesamtbewertung des Projekts soll in etwa zwei bis drei Jahren vorgelegt werden. Ob digitale Assets dann tatsächlich Teil der offiziellen Reserven werden könnten, bleibt eine offene Frage. Vorerst handelt es sich um ein vorsichtiges Herantasten an eine Technologie, die das Finanzsystem grundlegend verändern könnte.




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