Ein kurzer Anruf, eine seriöse Stimme am anderen Ende und dann eine Wallet, die aussieht wie nach einem Hausbrand – nur ohne Rauch und ohne Sirene. Das Schlimmste aber kommt noch, denn es gibt auch keine Chance darauf, es rückgängig zu machen. Und genau solche Fälle häufen sich und zeigen brutal, dass der gefährlichste Angriffsvektor im Kryptomarkt nicht immer ein Code ist, sondern in der Regel ein gieriger Mensch dahintersteckt. Der bekannte On-Chain-Ermittler ZachXBT hat sich einen spektakulären Fall mit einem Verlust von 243 Millionen Euro, etwa 282 Millionen US-Dollar, vorgenommen und zeigt ganz simpel, wie Social Engineering selbst die erfahrensten Hodler aufs Glatteis führen kann.
Was bei dem Support-Telefonat wirklich passierte
Jeder, der in Kryptowährungen investieren möchte, denkt natürlich an Kursbewegungen, Zyklen und eventuell noch an Makro-News. Doch dann kommt ein Anruf vom Support und der Albtraum beginnt. Bei solchen Betrugsfällen läuft fast immer alles relativ identisch ab. Ein Anrufer gibt sich als offizieller Support aus. Damit es glaubwürdig ist, werden in der Regel auch eine gefälschte Nummer sowie verschiedene Details genannt. Dann folgt in der Regel die psychologische Klammer – sprich Zeitdruck, Sicherheitspanik und angebliche ungewöhnliche Aktivitäten. Und genau das bringt Menschen dazu, Dinge zu tun, die sie niemals tun würden, wenn sie Ruhe hätten und sie überdenken könnten.
Allerdings stellen sich viele Anleger vor, dass ein Anruf von einer Person kommt, die eine schlechte Grammatik hat oder auch dubiose Links angibt. Aber genau das ist nicht mehr der Fall. Der moderne Betrug klingt wie echter Support – ruhig, freundlich, kompetent und zudem auch mit verschiedenen Details, sodass der Eindruck entsteht, dass einem geholfen wird. Wer Bitcoin kaufen möchte und komplett neu bei einem der Handelsplätze ist, hat natürlich jede Menge Berührungspunkte mit Themen rund um den Support: Login, Auszahlungen, Wallet-Verbindungen, Verifizierung und vieles mehr. Und genau an diesem Punkt setzen die Betrüger dann an. Sie nennen dann echte Begriffe, stellen darüber hinaus die richtigen Fragen und bauen dann Druck auf. Sätze wie “Ihr Konto ist gefährdet“ oder auch “Sie müssen jetzt handeln, sonst verlieren Sie alles!” sind dabei nur zwei Beispiele.
Warum die Wallet plötzlich leer ist
Der Trick dabei ist vor allem äußerst banal. Es braucht tatsächlich keinen technischen Wunderhack, es reicht schon, dass das Opfer eine Seed Phrase eingibt, eine Sicherheitsprüfung bestätigt oder auch einfach eine Transaktion freigibt. Diese dient angeblich zum Schutz des Kontos. Sobald die Täter den Schlüssel haben, ist die Wallet nicht mehr in den Händen des Anlegers, sondern die Kriminellen haben die Wallet praktisch übernommen. Sie ist dann im Grunde ein Container, der von den Kriminellen ausgeräumt wird.
Insbesondere Anleger, die neu in der Kryptoszene sind, sollten sich daher ausreichend informieren und einen guten Einsteiger Guide für Kryptowährungen gelesen haben. So kann das Risiko tatsächlich minimiert werden. Darüber hinaus sollten Neueinsteiger die Kreativität von Betrügern nicht unterschätzen, da es nicht nur Anleger mit großen Wallets geht, sondern auch Kleinanleger mit günstigen Coins und ihre digitalen Assets gebracht werden.
Die Monero-Spur und das Verschwinden der Gelder
Nachdem die Kryptos gestohlen wurden, beginnt die zweite Phase des Diebstahls – die Geldwäsche. Hier wird es jedoch richtig unangenehm für die Täter, da sie die gestohlenen Coins verteilen, tauschen und verschleiern müssen, da sie nicht einfach auf der Börse liegen gelassen werden können. Und das ist dann genau das wichtige Thema der Privacy Coins, weil sie dafür sorgen, dass die Spur deutlich schwerer nachvollziehbar ist.
Die geklauten Coins, vor allem Litecoin und Bitcoin, wurden nach dem Diebstahl auch recht schnell über die verschiedenen Plattformen in Monero umgetauscht. Darunter auch die dezentrale Börse THORChain. Infolge der großen Transaktion stieg der Monero Kurs natürlich deutlich an und MON raste von 450 US-Dollar auf 800 US-Dollar. THORChain hat dann ganz frech auf X einen Post veröffentlicht und die Abwicklung der Transaktionen von mehr als 30 Millionen US-Dollar gefeiert. Dass dies nicht gut ankam, war klar und es gab massive Kritik, nachdem bekannt wurde, dass ein Großteil dieser Transaktionen mit dem 243 Millionen-Euro-Diebstahl zusammenhängt.
and THORchain was bragging about it.https://t.co/L11s1SXtMQ
— Quit (@0xQuit) January 16, 2026
Schutzmechanismen, die funktionieren und jeder auf dem Schirm haben sollte
Komplizierte Sicherheitsmechanismen waren gestern. Die stärksten Schutzmaßnahmen sind eigentlich recht langweilig, aber dafür äußerst effektiv. Darüber hinaus können sie direkt umgesetzt werden.
- Kein Support schreibt die Kunden zuerst an. Es wird auch kein seriöser Anbieter der besten Krypto Exchanges ungefragt anrufen oder eine DM schicken, um Sicherheitsprobleme zu lösen. Sollte das der Fall sein, können Anleger davon ausgehen, dass es sich um Betrug handelt.
- Seed Phrase bleibt offline. IMMER. Wenn ein Anleger Bitcoin & Co. kaufen möchte und es wird verlangt, dass die Seed Phrase zur Verifikation eingegeben wird, ist das zu 99,9 Prozent Betrug und nicht Support!
- Wer in Kryptowährungen investieren möchte, benötigt keinen Remote-Zugriff. Kein einziger auf der ganzen Welt muss den Bildschirm sehen oder das Gerät des Anlegers steuern. Bei einer solchen Aussage sollten alle Alarmglocken schrillen.
- Links sind grundsätzlich immer Gift, wenn sie aus Chats kommen. Anleger sollten die Krypto-Börse öffnen und zwar indem sie die Adresse selbst eingeben und niemals auf den Link im Chat klicken. Weder über Anrufe noch über angebliche Sicherheitsmails sollte der Link geöffnet werden.
- Zeitdruck ist immer ein Alarmzeichen. Sagt der Anrufer etwas von “sofort”, “dringend” oder “sonst ist alles weg”, sollte sofort aufgelegt und durchgeatmet werden. Anschließend einfach beim offiziellen Support anrufen und nachfragen oder den Kontakt recherchieren.
Fazit
Der Fall verdeutlicht, dass Krypto-Diebstähle heutzutage oft nicht auf technische Schwächen zurückzuführen sind, sondern auf Manipulation und Zeitdruck. Selbst bei sehr erfahrenen Marktteilnehmern kann ein glaubwürdig wirkendes Support-Telefonat ausreichen, um den Zugriff zu verlieren. Von ausschlaggebender Bedeutung sind eindeutige Sicherheitsrichtlinien: Seed Phrases werden strikt offline gehalten, Remote-Zugriffe sind generell nicht gestattet, Links aus Nachrichten werden ignoriert und der Kontakt zum Support erfolgt ausschließlich über selbst verifizierte offizielle Kanäle. Genau diese simplen Standards bewirken in der Praxis den Unterschied zwischen „kurzer Schreck“ und „Wallet leer“.
Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2026




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