Die schwedische Digitalbank Klarna hat am Dienstag den Launch ihres ersten Stablecoins KlarnaUSD angekündigt und markiert damit eine dramatische strategische Neuausrichtung.
CEO Sebastian Siemiatkowski galt jahrelang als ausgesprochener Krypto-Skeptiker, vollzieht nun aber eine radikale Kehrtwende angesichts der explosiven Entwicklung im Stablecoin-Sektor.
Nach aktuellen McKinsey-Daten erreichen Stablecoin-Transaktionen mittlerweile ein jährliches Volumen von 27 Billionen Dollar. Die Marktkapitalisierung des Sektors liegt bei rund 275 Milliarden Dollar. Analysten erwarten, dass Stablecoins traditionelle Zahlungsnetzwerke noch vor Ende des Jahrzehnts überholen könnten.
Erste Bank auf Stripe-Blockchain Tempo
Klarna wird die erste regulierte Bank, die einen Stablecoin auf Tempo launcht, einer speziell für Zahlungen entwickelten Blockchain von Stripe und der Krypto-Investmentfirma Paradigm. KlarnaUSD basiert auf der Open Issuance-Infrastruktur von Bridge, einem Stripe-Unternehmen, das für Compliance, Reservenverwaltung und Rücknahme zuständig ist.
Der Token befindet sich aktuell noch im Testnet und ist nicht öffentlich verfügbar. Der Launch im Mainnet ist für 2026 geplant. Klarna erhält durch die Partnerschaft mit Bridge einen vollständig durch Dollar gedeckten und einlösbaren Stablecoin, ohne selbst Reserven verwalten oder regulatorische Berichte erstellen zu müssen.
Angriff auf 120-Milliarden-Dollar-Gebührenmarkt
Mit KlarnaUSD zielt Klarna direkt auf den lukrativen Markt für grenzüberschreitende Zahlungen ab, der jährlich geschätzte 120 Milliarden Dollar an Transaktionsgebühren generiert. Das Unternehmen will durch die Blockchain-Technologie deutlich schnellere und günstigere Zahlungen ermöglichen als über traditionelle Korrespondenzbanken und Kartennetzwerke.
„Mit Klarnas Reichweite und Tempos Infrastruktur können wir alte Netzwerke herausfordern und Zahlungen für alle schneller und günstiger machen“, erklärte Siemiatkowski. Der CEO betonte: „Krypto ist endlich an einem Punkt, an dem es schnell, kostengünstig, sicher und skalierbar ist. Das ist der Beginn von Klarnas Einstieg in Krypto.“
Strategische Nutzung im eigenen Ökosystem
Klarna plant zunächst die interne Nutzung von KlarnaUSD innerhalb des eigenen Zahlungssystems, bevor ein öffentlicher Zugang erfolgt. Zu den initialen Anwendungsfällen gehören Händlerzahlungen, grenzüberschreitende Abwicklungen, Rückerstattungen und internationale Finanzierungsströme. Das Unternehmen verarbeitet aktuell ein Bruttohandelsvolumen von 112 bis 118 Milliarden Dollar für 114 Millionen Nutzer in 26 Ländern.
Die Tempo-Architektur ermöglicht dabei die Bewegung von KlarnaUSD als digitales Bargeld mit sofortiger Abwicklung über alle Märkte hinweg. Klarna erwartet durch dieses Design eine deutliche Reduzierung der Reibungsverluste im internationalen Zahlungsverkehr.
Wettbewerb im Stablecoin-Sektor verschärft sich
Mit dem Launch reiht sich Klarna in eine wachsende Liste großer Zahlungsdienstleister ein, die eigene Stablecoins entwickeln. PayPal hatte bereits seinen Dollar-Token gelauncht, gefolgt von Stripe nach der 1,1-Milliarden-Dollar-Übernahme der Krypto-Firma Bridge. Das Unternehmen kündigte an, in den kommenden Wochen weitere Krypto-Partnerschaften bekanntzugeben.
Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Regulierungsbehörden in den USA und Europa neue Rahmenwerke für digitale Assets vorantreiben. Klarna dürfte wie andere Stablecoin-Anbieter von Regelwerken wie dem GENIUS Act in den USA und MiCA in Europa profitieren.
Die Klarna-Aktie ist seit dem 10. September 2025 an der New York Stock Exchange notiert. Das Unternehmen übertraf zuletzt die Umsatzerwartungen der Analysten in seinem ersten Quartalsbericht nach dem Börsengang.




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