Ein früher Ethereum-Investor hat am Mittwoch einen spektakulären Gewinn realisiert. Der Teilnehmer des ursprünglichen ICO (Initial Coin Offering) von Ethereum verkaufte ETH im Wert von rund 60 Millionen US-Dollar und erzielte damit einen Gewinn von etwa dem 9.500-Fachen seines ursprünglichen Einsatzes.
Während einige Marktbeobachter dies als bärisches Signal werten, zeigen On-Chain-Daten ein differenziertes Bild. Die reichsten Ethereum-Halter akkumulieren weiterhin.
Historischer Gewinn aus dem Ethereum-ICO
Der Investor erwarb 2014 während des Ethereum-ICO insgesamt 254.000 ETH für rund 79.000 US-Dollar. Das entspricht einem Preis von etwa 0,31 US-Dollar pro Token zum Zeitpunkt des Ethereum-Kaufs. Laut Daten der Blockchain-Analyseplattform Lookonchain war diese Position zeitweise über 757 Millionen US-Dollar wert.
Nach dem jüngsten Verkauf verbleiben in der Wallet-Adresse 0x2Eb laut der Krypto-Intelligence-Plattform Nansen nur noch ETH im Wert von rund 9,3 Millionen US-Dollar. Der Großteil der historischen Position wurde damit abgebaut. Die Verkaufsaktivitäten begannen bereits Anfang September und deuten auf eine kontinuierliche Gewinnmitnahme-Strategie hin, nicht auf panikartigen Ausverkauf.
Parallelen zu Bitcoin: OG-Wale steigen aus
Der Ethereum-Verkauf reiht sich in einen breiteren Trend von Gewinnmitnahmen durch Krypto-Pioniere ein. Auch bei Bitcoin sind zuletzt alte Wale ausgestiegen, allen voran Owen Gunden. Der Bitcoin-Anleger der ersten Generation hielt seit 2011 BTC und verkaufte seit Ende Oktober dieses Jahres 11.000 BTC im Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar.
Einige Marktbeobachter werten die Verkäufe der OG-Wale als Warnsignal für mögliche weitere Kursrückgänge. „Dieser Trend, dass OGs ihre Positionen verkaufen, ist besorgniserregend“, kommentierte X-Nutzer Raye am Mittwoch. Andere Ethereum-Prognosen sehen darin jedoch lediglich normale Gewinnmitnahmen nach mehr als einem Jahrzehnt Haltedauer.
Top-1-Prozent akkumuliert weiter
Trotz der aufsehenerregenden Verkäufe durch Krypto-Frühinvestoren zeigen On-Chain-Daten von Glassnode ein gegensätzliches Bild: Die reichsten 1 Prozent der Ethereum-Adressen akkumulieren aktuell weiter ETH. Ihr Anteil am zirkulierenden Angebot stieg auf 97,6 Prozent. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 96,1 Prozent. Dies signalisiert trotz Marktturbulenzen starkes Vertrauen in die langfristige Zukunft von Ethereum.
Parallel dazu haben US-Spot-ETFs auf Ethereum nach acht Tagen mit Abflüssen wieder in den Akkumulationsmodus geschaltet. Die Ether-ETFs verzeichneten laut Farside Investors am Mittwoch Zuflüsse von 60 Millionen US-Dollar.
Marktanalyse: Selektiver Wiederaufbau statt aggressiver Rotation
Iliya Kalchev, Analyst bei der digitalen Asset-Plattform Nexo, bezeichnet die ETH-ETF-Zuflüsse als „konstruktiv“. Trotz dieser positiven Entwicklung und des bevorstehenden Ethereum-Fusaka-Upgrades bleibe die Marktreaktion jedoch „zurückhaltend“.
„Die Kombination aus stetigen Zuflüssen und steigender Derivate-Aktivität deutet darauf hin, dass Investoren selektiv Positionen aufbauen, anstatt aggressiv umzuschichten“, erklärte Kalchev.
Die divergierenden Trends, also Gewinnmitnahmen durch Altinvestoren einerseits und kontinuierliche Akkumulation durch Großanleger andererseits, spiegeln die Ambivalenz des aktuellen Kryptomarktes wider. Während einige nach jahrelanger Geduld Gewinne realisieren, nutzen andere die Marktkorrektur zum strategischen Aufbau von Positionen.




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