
Tausende Krypto-Wallets sind akut in Gefahr: Die Blockchain-Sicherheitsfirma Coinspect hat eine Schwachstelle namens „Ill Bloom“ identifiziert, die Wallets auf Bitcoin, Ethereum, Polygon, Rootstock, Tron und Solana betrifft – und Angreifer haben bereits mindestens 5 Millionen US-Dollar erbeutet. Genau deshalb ist rasches Handeln für betroffene Nutzer jetzt entscheidend.
Der technische Kern des Problems: Bestimmte Software-Wallets verwendeten bei der Erzeugung von Recovery Phrases einen unsicheren Pseudozufallszahlengenerator (PRNG). Dadurch entstanden Seed-Phrasen mit deutlich geringerer Entropie als vorgesehen – ein Angriffspunkt, den Hacker aktiv ausnutzen.

Angriff läuft bereits: 5 Millionen Dollar abgeflossen
Laut Coinspect wurden allein am 27. Mai 431 von 2.114 identifizierten Wallets angegriffen, wobei Kryptowährungen im Wert von 3,1 Millionen US-Dollar abgezogen wurden. Am darauffolgenden Sonntag flossen weitere 2 Millionen Dollar von exponierten Adressen ab. Coinspect betont, dass die tatsächliche Zahl betroffener Wallets deutlich höher liegen könnte, da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist.
Besonders betroffen sind Wallets, die ab 2018 in weniger verbreiteten mobilen Software-Wallets erstellt wurden. „Wenn sich Gelder kürzlich ohne Ihre Erlaubnis bewegt haben, könnte diese Schwachstelle der Grund sein“, erklärte Coinspect in einer öffentlichen Stellungnahme. Die Sicherheitsfirma hat bewusst auf die Veröffentlichung technischer Details verzichtet, um laufende Angriffe nicht weiter zu erleichtern.
Hardware-Wallets nicht betroffen – Coinspect stellt Prüftool bereit
Nutzer von Hardware-Wallets können vorerst aufatmen: „Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass Nutzer, die ihren Seed mit einem Hardware-Wallet generiert haben, nicht betroffen sind“, betonte Coinspect. Auch die meisten aktuellen Software-Wallets seien laut dem Unternehmen nicht anfällig. Die stärksten Risikokandidaten seien Nutzer, die ihren Seed in weniger verbreiteten mobilen Software-Wallets erstellt haben.
Coinspect hat ein öffentliches Prüftool veröffentlicht, mit dem Wallet-Adressen auf potenzielle Exponierung untersucht werden können. Die Sicherheitsfirma SlowMist bestätigte inzwischen ebenfalls, die Lage aktiv zu beobachten und die Ill-Bloom-Warnung von Coinspect zu verfolgen.
Kein Einzelfall: Eine Serie von PRNG-Schwachstellen
Ill Bloom reiht sich in eine beunruhigende Serie ähnlicher Vorfälle ein. Im Jahr 2023 entdeckte das Sicherheitsteam von Ledger eine vergleichbare Schwachstelle in der Trust Wallet-Browserextension: Fehlerhafte Entropie-Generierung begrenzte die möglichen Mnemonic-Kombinationen auf rund vier Milliarden, was einen Brute-Force-Angriff mit wenigen GPUs innerhalb eines Tages ermöglicht hätte. Trust Wallet patchte die Lücke, bevor Gelder gestohlen wurden. Ebenfalls 2023 führte eine Schwachstelle im Libbitcoin Explorer zum Diebstahl von rund 900.000 US-Dollar.
Der gemeinsame Nenner all dieser Vorfälle: fehlerhafte PRNG-Implementierungen in Wallet-Bibliotheken, die über Jahre unentdeckt blieben. Die Randstorm-Lücke in BitcoinJS-basierten Wallets zeigte exemplarisch, welches Ausmaß solche Fehler annehmen können – dort waren potenziell Milliarden von Dollar in älteren Wallets aus dem Zeitraum 2011 bis 2015 gefährdet. Krypto-Diebstähle durch systematische Sicherheitslücken haben inzwischen eine Dimension erreicht, die auch staatliche Akteure auf den Plan ruft – wie zuletzt die G7-Reaktion auf nordkoreanische Krypto-Diebstähle zeigte.

Was Nutzer jetzt tun sollten
Wer zwischen 2018 und heute ein Wallet über eine weniger bekannte mobile App erstellt hat, sollte umgehend das von Coinspect bereitgestellte Prüftool nutzen und bei Verdacht Gelder auf ein neu generiertes Wallet – idealerweise ein Hardware-Wallet – übertragen. Genau hier zeigt sich die praktische Bedeutung sicherer Wallet-Verwaltung: Ein kompromittierter Seed lässt sich nicht „patchen“; einzige Lösung ist die vollständige Migration auf neu erzeugte Schlüssel mit starker Entropie.
Warnsignal oder Einzelfall? Angesichts der Häufung solcher Vorfälle dürfte Ill Bloom kaum die letzte Schwachstelle dieser Klasse sein. Weitere Audits älterer Wallet-Bibliotheken und mobiler Apps werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zusätzliche Lücken ans Licht bringen – mit direkten Konsequenzen für Anleger, die ältere Software-Wallets noch aktiv nutzen und dabei reale Sicherheitsrisiken im Krypto-Bereich unterschätzen.





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