
Die Staats- und Regierungschefs der G7 haben auf ihrem Gipfel im französischen Évian-les-Bains erneut koordinierte Maßnahmen gegen nordkoreanische Kryptowährungsdiebstähle gefordert. In einer gemeinsamen Erklärung äußerten die Teilnehmer „tiefe Besorgnis“ über Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramme, die laut UN-Ermittlungen maßgeblich durch gestohlene Digitalwerte finanziert werden.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Laut Chainalysis haben mit der DPRK verbundene Hackergruppen allein im Jahr 2025 mindestens 2 Milliarden US-Dollar in Kryptowährungen gestohlen. Das treibt die historische Gesamtsumme auf mindestens 6,75 Milliarden US-Dollar – eine Dimension, die Krypto-Diebstahl längst zur nationalen Sicherheitsfrage gemacht hat.

Rekorddiebstähle und immer raffiniertere Angriffsmethoden
Besonders auffällig ist die Effizienz der jüngsten Attacken: Trotz einer geringeren Anzahl bestätigter Angriffe erzielten die nordkoreanischen Akteure höhere Beute als zuvor. Chainalysis berichtet, dass die Hacker zunehmend auf das Einschleusen von IT-Mitarbeitern in Krypto-Unternehmen setzen oder sich als Recruiter und Investoren ausgeben, um Zugang zu internen Systemen zu erlangen.
Zwei jüngste Vorfälle illustrieren das Ausmaß: Beim Drift Protocol-Exploit im April wurden rund 285 Millionen US-Dollar entwendet, beim Breach des Humanity Protocol im Juni weitere 36 Millionen US-Dollar – beide Fälle mit vermuteter nordkoreanischer Beteiligung. Die Sicherheitsfirma CrowdStrike bezeichnete nordkoreanische Akteure in einem Bericht vom 15. Mai 2025 als „größte Bedrohungsgruppe“ für Krypto-Nutzer gemessen am gestohlenen Wert. Die Erlöse würden „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewaschen, um die Militärprogramme des Regimes zu finanzieren“, so CrowdStrike.
Historisch betrachtet ist der Anstieg dramatisch: Während Elliptic für 2023 noch rund 661 Millionen US-Dollar an DPRK-Diebstählen dokumentierte, waren es 2024 bereits schätzungsweise 1,34 Milliarden US-Dollar bei 47 größeren Angriffen. Die Professionalisierung der Angreifer ist unverkennbar.
G7-Erklärung: Appell ohne konkrete Instrumente
Die G7 haben das Thema bereits beim Kanada-Gipfel im Juni 2025 adressiert, als der damalige Vorsitz ausdrücklich „DPRK cryptocurrency thefts“ als Gefahr für internationale Stabilität benannte. Die Erklärung von Évian-les-Bains setzt diesen Kurs fort – bleibt in der Ausgestaltung jedoch vage. Konkrete Maßnahmen wie Sanktionen gegen Mixing-Services, verpflichtende Exchange-Screenings oder koordinierte Fondsverfolgungen werden in der Erklärung nicht erwähnt.
Genau dieser fehlende Operationalisierungsrahmen gilt unter Sicherheitsanalysten als Schwachstelle. Informationen über mögliche Folgeschritte wie abgestimmte Sanktionen, gemeinsame Standards für Krypto-Compliance oder engere Zusammenarbeit mit Blockchain-Analysefirmen kursieren zwar in Diplomatenkreisen – verbindlich beschlossen ist bislang nichts. Nordkorea wies die Vorwürfe am 3. Mai über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA erwartungsgemäß als politisch motivierte „Verleumdung“ zurück.
Ebenfalls interessant: Neue Kryptowährungen im Überblick
Was das für Krypto-Investoren bedeutet
Für den Markt hat die G7-Erklärung eine klare Botschaft: Der regulatorische Druck auf Börsen, Custodians und Wallet-Anbieter wird weiter zunehmen. Strengere Compliance-Anforderungen, intensivere Überwachung verdächtiger Transaktionen und ein engerer Schulterschluss zwischen Behörden und Analysefirmen wie Chainalysis dürften mittelfristig zum Standard werden. Wer jetzt überlegt, wie die eigene Verwahrungsstrategie krisensicherer gestaltet werden kann, sollte entsprechende Entwicklungen im Blick behalten – etwa wie große Börsen ihre Sicherheitsarchitektur anpassen, wie zuletzt beim Bitcoin Vault von Kraken zu beobachten.
Parallel wächst auch der Druck auf Regulierungsbehörden in Europa. Dass Krypto-Compliance kein reines Goodwill-Signal mehr ist, zeigt etwa die MiCA-Lizenzproblematik von Binance in Griechenland – regulatorisches Versagen hat direkte Marktfolgen. Der G7-Appell verstärkt den Druck auf alle Marktteilnehmer, Sicherheits- und Compliance-Standards ernst zu nehmen – unabhängig davon, ob konkrete Sanktionsmechanismen folgen oder nicht.
Zuletzt aktualisiert am 18. Juni 2026


Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.