Kryptokurse im freien Fall: Stehen wir vor einem neuen Kryptowinter?

Kryptoinvestoren müssen momentan ein dickes Fell und starke Nerven mitbringen. Nach Ende 2023 beziehungsweise Anfang 2024, als Kryptowährungen boomten und es gefühlt bei den Prognosen keine Grenzen nach oben gab, hat sich die Stimmung am Markt mittlerweile deutlich eingetrübt.

Bitcoin ist auf Wochensicht um über 10 Prozent abgestürzt und notiert derzeit bei rund 78.000 US-Dollar. Damit liegt die Kryptoleitwährung 37 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.000 US-Dollar aus dem Oktober 2025 und die psychologisch wichtige Marke von 100.000 US-Dollar in weiter Ferne.

Aber auch die Altcoins bluten. Ethereum verlor auf Wochensicht über 20 Prozent und notiert bei rund 2.300 US-Dollar. XRP verlor knapp 14 Prozent und liegt bei 1,62 US-Dollar. Solana verlor über 16 Prozent und ein SOL kostet derzeit 103 US-Dollar. Die roten Kerzen beherrschen den Markt und so mancher Investor wird mittlerweile schmerzlich an den Kryptowinter im Jahr 2022 erinnert werden. Der Traum vom ewigen Bullenmarkt scheint definitiv ausgeträumt.

Warum fallen die Kryptowährungen?

Vom aktuellen Kursrutsch sind nicht nur Kryptowährungen betroffen. Auch Gold und Silber, die Gewinner der vergangenen Monate, mussten zuletzt deutlich Federn lassen. Insgesamt kam es damit zu breiten Abverkäufen über mehrere Anlageklassen hinweg von Aktien und Derivaten bis hin zu Kryptowährungen.

Dadurch wurden vermutlich Stopp-Loss-Orders und gehebelte Positionen ausgelöst, die den Abwärtsstrudel zusätzlich beschleunigten.

Dazu kommen die makroökonmischen Unsicherheiten. Das Zollchaos in den USA, die Inflation und die geopolitischen Entwicklungen. In solchen Zeiten tendieren Anleger eher dazu, ihr Geld aus Hochrisikoanlagen, zu denen Kryptowährungen nun einmal gehören, abzuziehen und in sichere Häfen umzuschichten. Damit lässt sich auch die Edelmetallrallye der letzten Monate erklären.

Dazu kommt Kevin Warsh als möglicher Kandidat für den FED-Vorsitz. Walsh gilt als hawkish. Das könnte bedeuten, dass eine Lockerung der Geldpolitik nicht Priorität hätte und Zinsen länger auf hohem Niveau verbleiben könnten.

Kurz zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Zeiten für Kryptwährungen aktuell nicht allzu rosig sind.

Starke Abflüsse bei den Bitcoin Spt ETF

Die Bitcoin Spot ETF, die im Januar 2024 von der SEC, damals noch unter der Leitung von Gary Gensler, zugelassen wurden, galten als kleine Revolution auf dem Kryptomarkt und entwickelten sich schnell zum Verkaufsschlager. Diese Anlagevehikel ermöglichten erstmals institutionellen und privaten Investoren einen regulierten Zugang zum Kryptomarkt, ohne dass diese die Coins selbst halten müssen.

Doch mittlerweile bluten auch die Spot ETF. Fast 2,8 Milliarden Dollar sind in den letzten zwei Wochen abgeflossen. Durch den Kursrutsch auf 78.000 US-Dollar stehen die meisten ETFs mittlerweile „unter Wasser“, da der Marktpreis unter den durchschnittlichen Einstiegskursen vieler Investoren liegt. Dadurch werden weitere Abflüsse wahrscheinlicher.

Sind wir in einem Kryptowinter?

Ob wir uns aktuell bereits in einem Kryptowinter befinden, hängt maßgeblich davon ab, wie streng dieser Begriff ausgelegt wird. Klassischerweise beschreibt ein Kryptowinter eine längere Phase fallender Kurse, anhaltend negativer Marktstimmung, sinkender Handelsvolumina und einer ausgeprägten Risikoaversion der Anleger.

Die derzeitige Marktlage weist zwar einige dieser Merkmale auf, erfüllt jedoch bislang nicht alle Kriterien eines voll ausgeprägten Kryptowinters. Zwar haben Bitcoin und zahlreiche Altcoins zuletzt deutlich korrigiert, wichtige Unterstützungszonen wurden getestet oder unterschritten.

Liquidationen gehebelter Positionen haben den Abwärtsdruck verstärkt. Auch die Marktstimmung ist spürbar gekippt: Anleger agieren defensiver, Kapital fließt verstärkt, wie bereits oben erwähnt, in liquide oder vermeintlich sichere Anlagen.

Gleichzeitig unterscheiden sich die aktuellen Rahmenbedingungen jedoch deutlich von früheren Winterphasen. Die Marktstruktur ist reifer, institutionelle Akteure sind weiterhin präsent, und zentrale Infrastrukturen wie ETFs, Verwahrstellen und regulatorische Leitplanken bestehen fort.

Zudem handelt es sich bislang eher um eine Phase erhöhter Unsicherheit und Neubewertung als um einen langanhaltenden strukturellen Abschwung.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die aktuelle Situation eher als ausgeprägte Korrektur oder Übergangsphase mit bärischen Tendenzen einordnen, nicht jedoch eindeutig als Kryptowinter im klassischen Sinne. Entscheidend wird sein, ob sich die Schwäche über Monate verfestigt oder ob der Markt erneut Nachfrage und Vertrauen aufbauen kann.

Lohnt sich eine Investion in Kryptowährungen überhaupt noch?

Diese Frage lässt sich an dieser Stelle nicht pauschal beantworten. Denn gerade die aktuellen Kursentwicklungen beweisen, dass man als Kryptoinvestor ein gewisses Maß an Resilienz mitbringen sollte. Es gibt natürlich Investoren, die angesichts der derzeitigen Kurslage ihr Portfolio panisch auflösen um (vermeintliche) Verluste so gering wie möglich zu halten.

Dann gibt es Investoren, die Zeiten fallender Kurse gezielt nutzen, um Bitcoin zu kaufen oder um Altcoins wie Ethereum aufzustocken. Wieder andere nutzen die Gelegenheit um neuen Projekten wie Bitoin Hyper oder Maxi Doge eine Chance zu geben.

Abschließend lässt sich sagen, dass zumindest in der Vergangenheit auf jeden Kryptowinter auch ein Kryptofrühling und ein Kryptosommer folgte.

Zuletzt aktualisiert am 2. Februar 2026

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