Silber im Höhenrausch, Bitcoin unter Druck? Warum Peter Schiff vor einer Trendwende warnt

Der Silberpreis klettert von einem Mehrjahreshoch zum nächsten, während Bitcoin, vorsichtig ausgedrückt, nicht mit der gleichen Dynamik glänzt. Auf Jahressicht hat die Kryptoleitwährung knapp 7 Prozent verloren, während Silber ein neues Rekordhoch erreichte und mit einem Jahresplus von etwa 173 Prozent Bitcoin hustend in einer Staubwolke hinter sich lässt.

Das liefert natürlich reichlich Zündstoff für eine alte Debatte: Sind klassische Edelmetalle dabei, den digitalen Assets den Rang abzulaufen? Einer der lautesten Kommentatoren mit einer Meinung in dieser Frage ist ein alter Bekannter: Peter Schiff.

Der Ökonom und bekennende Edelmetall-Fan sieht im aktuellen Silberboom ein Warnsignal – nicht nur für Bitcoin, sondern für den gesamten Kryptomarkt. Denn die große Frage ist natürlich: Wohin fließt das Geld, wenn der Markt nervös wird? Was gilt als sicherer Hafen – und was nicht?

Silber: das unterschätzte Edelmetall

Silber gilt schon seit langem als kleiner Bruder Goldes. Jetzt scheint der kleine Bruder dem Großen den Rang abzulaufen. Statt von einem Goldrausch wird schon von einem Silberrausch gesprochen. Der Preis steigt seit Monaten deutlich, während andere Märkte eher seitwärts laufen oder korrigieren.

Zuletzt erreichte Silber einen Preis von 77 US-Dollar pro Feinunze. Die Rallye liegt vor allem in der Bezahlbarkeit des Edelmetalls. Während Gold bei rund 4.500 US-Dollar pro Feinunze liegt, wirkt Silber dagegen schon fast günstig.

Silber profitiert dabei vor allem von zwei Dingen gleichzeitig: echter Nachfrage und begrenztem Angebot. Die Industrie braucht das Metall, Fördermengen allerdings wachsen kaum, Lagerbestände sind angespannt. Die USA erklärten das Edelmetall jüngst als „kritisches Mineral“.

Parallel dazu suchen Anleger wieder nach physischen Werten, was auch den Goldboom der letzten Monate erklärt. In unsicheren Zeiten steuern Anleger und Investoren lieber sichere Häfen an, statt Risikoassets.

Peter Schiff verweist seit Wochen auf genau diese Bewegung – und vergisst dabei natürlich nicht, sich wieder an Bitcoin und dem Kryptomarkt abzuarbeiten.

Peter Schiff und seine altbekannte Skepsis gegenüber Bitcoin

Peter Schiff gehört seit Jahren zu den schärfsten Kritikern von Bitcoin und dem Kryptomarkt insgesamt. Sein zentraler Vorwurf ist über die Jahre hinweg konstant geblieben: Bitcoin sei kein Geld, sondern ein spekulatives Asset ohne intrinsischen Wert.

Anders als Gold oder Silber lasse sich Bitcoin weder industriell nutzen noch physisch absichern. Vertrauen allein reicht laut seiner Meinung einfach nicht aus.

Neu ist allerdings der Vergleich, den Schiff nun zieht. Er verweist darauf, dass Silber in einem angespannten Marktumfeld deutlich zulegt, während Bitcoin trotz hoher Aufmerksamkeit stagniert.

Er argumentiert, dass Bitcoin in Phasen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit nicht wie ein Schutzinstrument reagiert, sondern sich ähnlich verhält wie wachstumsabhängige Technologieaktien, die auch zu den Risikoassets zählen.

Während Kapital in Edelmetalle fließt, bleiben Zuflüsse in den Kryptomarkt aus. Für Schiff ist damit klar: Bitcoin erfüllt aus seiner Sicht nicht die Rolle, die ihm viele Anhänger zuschreiben.

Vier schwierige Jahre? Ein düsteres Szenario

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Schiffs Einschätzung, dass Bitcoin vor einer längeren Phase schwacher Entwicklung stehen könnte. Er begründet das nicht mit kurzfristigen Kursbewegungen, sondern mit Relativvergleichen, die er seit Jahren heranzieht. Entscheidend ist für ihn nicht der Dollarpreis von Bitcoin, sondern wie sich Bitcoin im Vergleich zu Gold und Silber entwickelt.

In diesen Relationen habe Bitcoin zuletzt deutlich verloren – trotz stabiler oder steigender Notierungen in US-Dollar. Für Schiff ist das ein Hinweis darauf, dass Bitcoin an Kaufkraft einbüßt, während klassische Wertspeicher ihre Funktion erfüllen.

Er spricht deshalb nicht von einer normalen Korrektur, sondern von grundsätzlichen Schwächen im Konzept (die er übrigens auch gerne immer wiederholt).

Seine Schlussfolgerung ist entsprechend klar: Wenn Edelmetalle neue Hochs markieren und Bitcoin gleichzeitig kaum vorankommt, dann trifft der Markt eine bewusste Auswahl. Und diese Auswahl, so Schiff, könne bestehen bleiben, solange Inflation, hohe Verschuldung und geopolitische Risiken das Umfeld prägen.

Warum Silber und Bitcoin kaum vergleichbar sind

So zugespitzt Schiffs Thesen auch sind, bleibt eine berechtigte Frage: Lässt sich die Entwicklung von Silber und Bitcoin überhaupt sinnvoll vergleichen? Beide reagieren auf makroökonomische Rahmenbedingungen – aber auf unterschiedliche Weise.

Silber ist ein Rohstoff. Seine Nachfrage entsteht aus Industrie, Energie und Technologie, sein Angebot wächst langsam und ist an reale Förderkapazitäten gebunden. Preisbewegungen spiegeln deshalb häufig physische Knappheit oder steigenden Materialbedarf wider.

Bitcoin folgt einer anderen Logik. Es gibt keine industrielle Verwendung im klassischen Sinn, wohl aber funktionale Nachfrage – etwa als Werttransfer, Absicherungsinstrument oder spekulatives Anlageobjekt. Der Preis reagiert besonders sensibel auf Liquidität, Zinspolitik, Regulierung und Risikoappetit.

Diese Faktoren wirken schneller und direkter als bei Silber. Während Edelmetalle häufig über Angebots- und Nachfrageeffekte getrieben werden, wird Bitcoin stärker durch monetäre Bedingungen bewegt. Beide Märkte existieren im selben wirtschaftlichen Umfeld, aber sie reagieren zeitlich und strukturell unterschiedlich darauf.

Der Safe-Haven-Streit

Im Kern dreht sich der Streit um eine sehr praktische Frage: Wie verhält sich Bitcoin, wenn Risiko tatsächlich aus den Märkten weicht? Befürworter verweisen auf die begrenzte Menge und sehen darin einen Schutz vor Inflation und Geldentwertung. Kritiker wie Peter Schiff schauen weniger auf das Konzept als auf das konkrete Marktverhalten in Stressphasen.

Ihr Argument: In Phasen steigender Zinsen, geopolitischer Spannungen oder fallender Aktienmärkte fließt Kapital bislang vor allem in Gold und zunehmend auch in Silber. Bitcoin dagegen zeigt in solchen Momenten häufig starke Schwankungen und folgt eher der Risikostimmung an den Finanzmärkten.

Die jüngsten Wochen liefern dafür ein aktuelles Beispiel. Während Edelmetalle neue Hochs markieren, bewegt sich Bitcoin sprunghaft und ohne klaren Trend.. Wer in dieser Phase darüber nachdenkt, Bitcoin kaufen zu wollen, tut das daher eher aus Überzeugung oder langfristiger Strategie – nicht aus einem klassischen Sicherheitsbedürfnis.

Neue Kryptowährungen und die Frage der Diversifikation

Interessant ist auch, dass sich die Debatte längst nicht mehr ausschließlich um Bitcoin dreht. Der Markt für Neue Kryptowährungen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Breite gewonnen und bietet Anlegern heute eine größere Auswahl an Konzepten, Anwendungsfällen und Risikoprofilen. Während Peter Schiff den Kryptosektor pauschal skeptisch betrachtet, gehen viele Marktteilnehmer differenzierter vor. Sie setzen nicht auf ein einzelnes Asset, sondern auf Streuung innerhalb digitaler Werte – ähnlich wie in den klassischen Portfolios.

Diese Entwicklung relativiert den direkten Vergleich zwischen Silber und Bitcoin. Anleger müssen sich schon lange nicht mehr zwischen „alles oder nichts“ entscheiden.

Wer heute darüber nachdenkt, in den Kryptomarkt einzusteigen , tut das häufig eingebettet in eine breitere Strategie, ergänzt durch andere Kryptowährungen oder Sachwerte. Der Markt ist vielfältiger geworden – und genau das eröffnet mehr Spielraum.

Zuletzt aktualisiert am 28. Dezember 2025

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