Der vom Indexanbieter MSCI vorgeschlagene Schwellenwert zur Berücksichtigung von Bitcoin-Beständen in Unternehmensbilanzen sorgt für Widerstand. Die Investmentfirma Strive, börsennotiert an der Nasdaq und selbst einer der größten institutionellen Bitcoin-Halter, kritisiert den Vorstoß scharf. MSCI plant, Unternehmen aus seinen globalen Aktienindizes auszuschließen, deren Krypto-Vermögenswerte mehr als 50 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen. Strive hält diese Regelung für ungerecht, technisch problematisch und potenziell marktverzerrend.
Kritik an Methodik und Auswirkungen
In einem Schreiben an MSCI-CEO Henry Fernandez bezeichnete Strive den geplanten Schritt als Bruch mit der „lang etablierten Indexneutralität“. Benchmarks sollten demnach den Markt abbilden und nicht durch selektive Ausschlüsse von Bitcoin-lastigen Unternehmen verzerrt werden. Die Schwelle von 50 Prozent sei laut Strive zudem „nicht gerechtfertigt, zu allgemein und praktisch nicht umsetzbar“.
Strive verweist darauf, dass viele betroffene Unternehmen längst über reine Bitcoin-Haltestrategien hinausgewachsen seien. Neben spezialisierten Minern wie Marathon Digital, Riot Platforms, Hut 8 und CleanSpark seien auch verschiedene Dienstleister tätig, etwa im Bereich künstliche Intelligenz, Rechenzentren und strukturierte Finanzprodukte. Diese erweiterten Geschäftsmodelle würden durch die vorgeschlagene Regel ignoriert, was laut Strive einer Ausblendung realer wirtschaftlicher Aktivität gleichkomme.
Ein weiteres Problem sieht das Unternehmen in den unterschiedlichen Bilanzierungsstandards. Während unter US-GAAP Bitcoin vierteljährlich zum Fair Value angesetzt werden muss, erlaubt das internationale IFRS-Regelwerk die Bewertung zum Anschaffungspreis. Dadurch könnten zwei identisch aufgestellte Unternehmen in Abhängigkeit von ihrem Rechnungslegungsstandard unterschiedlich eingestuft werden. Strive warnt, dass ein pauschaler Ausschluss auf dieser Basis zu Ungleichbehandlung führe.
Als Alternative schlägt Strive sogenannte „ex-digital-asset-treasury“-Indizes vor – also gesonderte Benchmark-Versionen, aus denen Bitcoin-schwere Firmen gezielt herausgefiltert werden könnten. Solche optionalen Varianten gibt es bereits in anderen Bereichen, etwa “ex-Energie” oder “ex-Tabak”. Investoren, die Krypto-Exponierungen vermeiden wollen, könnten dann gezielt auf diese Produkte ausweichen, ohne die breite Indexarchitektur zu verändern.
Milliardenrisiko für Märkte und Bitcoin-Nachfrage
Die Entscheidung von MSCI könnte erhebliche Auswirkungen auf Kapitalflüsse haben. Sollte der 50-Prozent-Grenzwert durchgesetzt werden, könnten große Bitcoin-Halter wie Strategy aus Indizes fallen, die Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen abbilden. Analystenschätzungen zufolge drohen allein aus passiv verwalteten MSCI-Fonds Kapitalabflüsse in Höhe von bis zu 2,8 Milliarden US-Dollar. Kommt es zu Folgeentscheidungen bei anderen Indexanbietern, könnte sich diese Summe auf bis zu 9 Milliarden US-Dollar erhöhen.
Die Ankündigung scheint bereits erste Spuren an den Märkten zu hinterlassen. Analysten weisen darauf hin, dass die Kursvolatilität von Aktien betroffener Unternehmen – etwa bei Strategy – im Zusammenhang mit der potenziellen Indexexklusion stehen könnte. Auch wenn ein Ausschluss keine zwingende Veräußerung von Bitcoin-Beständen erzwingt, könnte er die passive Nachfrage durch institutionelle Marktteilnehmer deutlich schwächen.
Strive selbst hat im Jahresverlauf eine deutliche Kursschwankung erlebt. Das Unternehmen hatte seine Bitcoin-Treasury-Strategie über eine Reverse-Merger-Transaktion öffentlich gemacht. In der Folge stieg der Aktienkurs zunächst von 0,60 US-Dollar auf über 13 US-Dollar, fiel danach aber wieder unter die Ein-Dollar-Marke zurück.
Die Entscheidung von MSCI wird bis zum 15. Januar 2025 erwartet. Beobachter aus dem Krypto- und Finanzsektor betrachten die Entwicklung besonders aufmerksam, da sie wegweisend für die künftige Bewertung digitaler Vermögenswerte in globalen Indizes sein könnte.
Zuletzt aktualisiert am 7. Dezember 2025




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