Dreieinhalb Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch des Terra-Ökosystems steht Gründer Do Kwon vor seiner Abrechnung mit der amerikanischen Justiz. Die Staatsanwaltschaft des Southern District of New York fordert in einem am Donnerstag eingereichten Antrag eine zwölfjährige Haftstrafe für den 34-jährigen Südkoreaner und damit die maximale Strafe nach seinem Plea Deal vom August.
Die Verurteilung ist für den 11. Dezember vor Bundesrichter Paul Engelmayer angesetzt. Kwons Verteidigung hingegen plädiert auf lediglich fünf Jahre Haft und verweist auf die bereits verbüßte Haftzeit unter „brutalen Bedingungen“ in Montenegro.
Staatsanwaltschaft: „Kolossaler Betrug mit systemischen Folgen“
In ihrer Stellungnahme bezeichnen die Bundesstaatsanwälte Kwons Verbrechen als „kolossal im Ausmaß“. Der Zusammenbruch von TerraUSD und LUNA habe 40 Milliarden Dollar an Investorengeldern vernichtet und zudem eine Kettenreaktion ausgelöst, die zum Fall von FTX beitrug und den sogenannten „Crypto Winter“ 2022/2023 einleitete.
Laut Anklageschrift übertrafen die durch Terraform verursachten Verluste jene von Sam Bankman-Frieds FTX, Alex Mashinskys Celsius und OneCoin zusammengenommen. Kwon habe zwischen 2018 und 2022 wissentlich falsche Angaben über die Mechanismen gemacht, die TerraUSDs Bindung an den Dollar wiederherstellen sollten, und die geheime Rolle von Jump Trading bei der Stützung des Stablecoins während eines Depeg-Events im Mai 2021 verschwiegen.
Die Staatsanwaltschaft verzichtet bewusst auf Restitutionsforderungen an die Millionen geschädigter Investoren und verweist auf die „übermäßige Komplexität“ bei der Ermittlung individueller Verluste über globale Märkte hinweg.
Verteidigung betont dreijährige Haft in Montenegro
Kwons Anwälte argumentieren, dass die fast drei Jahre in montenegrinischer Haft bereits eine erhebliche Strafe darstellen. Im Rahmen des Plea Deals hat sich Kwon zudem verpflichtet, über 19 Millionen Dollar sowie mehrere Immobilien abzutreten. Seine Verteidigung weist außerdem darauf hin, dass in Südkorea ein weiteres Verfahren wegen identischer Vorwürfe läuft, dort fordern Staatsanwälte 40 Jahre Haft.
US-Behörden haben signalisiert, dass sie Kwon unterstützen würden, die zweite Hälfte seiner Strafe in Südkorea zu verbüßen, sofern er die Bedingungen des Plea Deals erfüllt.
Debatte über das Strafmaß ausgebrochen
Der Fall wirft Fragen zur Konsistenz bei der Bestrafung von Krypto-Betrügern auf. Sam Bankman-Fried erhielt 25 Jahre plus 11 Milliarden Dollar Restitution nach einem Prozess mit Schuldspruch in allen Anklagepunkten.
Die Nachricht von der geforderten Höchststrafe löste am Donnerstag heftige Kursbewegungen aus. Luna Classic (LUNC), das ursprüngliche Token des Terra-Netzwerks, schoss um mehr als 130 Prozent in die Höhe. Auch der nach dem Hardfork eingeführte LUNA-Token verzeichnete deutliche Gewinne.




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