Alle gegen Bitcoins BIP 110: Davor warnen Adam Back und Michael Saylor

Bitcoin coin with technical chart patterns showing price analysis and market momentum

Bitcoin gilt im Vergleich zu Plattformen wie Ethereum als bewusst konservativ und technisch deutlich weniger veränderlich. Dennoch bedeutet diese Stabilität keinen vollständigen Entwicklungsstillstand. Programmierer, Node-Betreiber, Miner und weitere Marktteilnehmer diskutieren kontinuierlich darüber, wie Sicherheit, Skalierbarkeit und Funktionsumfang verbessert werden können.

Neue Vorschläge werden dabei häufig als Bitcoin Improvement Proposal, kurz BIP, veröffentlicht. Ein BIP beschreibt mögliche technische Standards oder Änderungen, wird jedoch nicht automatisch Bestandteil des Netzwerks. Erst eine breite Zustimmung der relevanten Akteure kann zu einer tatsächlichen Implementierung führen. Genau diese hohe Hürde schützt Bitcoin vor übereilten Eingriffen. Aktuell sorgt BIP 110 für besonders intensive Diskussionen. Der Vorschlag soll bestimmte Formen nichtfinanzieller Datenspeicherung einschränken, stößt jedoch bei prominenten Bitcoin-Befürwortern auf deutlichen Widerstand.

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Was ist BIP 110 und welches Problem soll der Vorschlag lösen?

BIP 110 trägt die Bezeichnung „Reduced Data Temporary Soft Fork“. Der im Oktober 2025 erstmals vorgestellte Vorschlag soll die Möglichkeiten begrenzen, größere Mengen beliebiger Daten direkt in Bitcoin-Transaktionen einzubetten. Hintergrund sind insbesondere Ordinals-Inscriptions, BRC-20-Token und andere Anwendungen, die Bilder, Texte oder zusätzliche Dateien dauerhaft auf der Blockchain speichern. Unterstützer sehen darin eine Belastung für Nodes und eine Abkehr von Bitcoins ursprünglicher Funktion als dezentrales Geldsystem.

Technisch würde BIP 110 unter anderem reguläre Outputs auf 34 Byte beschränken. Für OP_RETURN-Ausgaben wären weiterhin bis zu 83 Byte erlaubt. Größere Daten-Pushes und bestimmte Witness-Elemente sollen auf 256 Byte begrenzt werden. Zusätzlich sieht der Entwurf Einschränkungen für einzelne Taproot-Funktionen, Tapleaf-Strukturen und bislang nicht definierte Witness-Versionen vor. Bereits vor der Aktivierung entstandene UTXOs wären von einigen Regeln ausgenommen.

Entscheidend ist, dass es sich nicht lediglich um einen lokalen Spamfilter handelt. BIP 110 würde die Konsensregeln verändern und bestimmte Transaktionen netzwerkweit ungültig machen. Vorgesehen ist eine zeitlich begrenzte Soft Fork: Die zusätzlichen Regeln sollen nach 52.416 Blöcken, also ungefähr einem Jahr, automatisch auslaufen. Für eine vorzeitige minerbasierte Aktivierung wäre eine Zustimmung von mindestens 55 Prozent innerhalb einer 2.016-Blöcke-Periode notwendig. Spätestens rund um Block 965.664 im September 2026 könnte der geplante Aktivierungsprozess relevant werden.

Die Befürworter argumentieren, dass Zahlungen nicht mit spekulativer Datenspeicherung um Blockplatz konkurrieren sollten. Kritiker halten dagegen, dass Gebührenmärkte und individuelle Node-Richtlinien das Problem lösen können, ohne gültige Transaktionen durch neue Konsensregeln zu verbieten.

Adam Back und Michael Saylor warnen vor gefährlichem Präzedenzfall

Zu den prominentesten Gegnern von BIP 110 gehören Adam Back und Michael Saylor. Blockstream-Mitgründer Back betrachtet den Vorschlag nicht nur als technisch unnötig, sondern als grundsätzlichen Konflikt mit Bitcoins dezentralem und erlaubnisfreiem Charakter. Nach seiner Einschätzung versucht die Initiative, anderen Nutzern vorzuschreiben, welche gebührenpflichtigen Transaktionen sie durchführen dürfen. Gerade diese Form zentral wirkender Kontrolle widerspreche jedoch der Idee eines Netzwerks ohne politische oder technische Autorität.

Back betont, dass Nutzer ihre eigene Software verändern und strengere Filter einsetzen dürfen. Sie könnten diese Regeln aber nicht ohne breiten Konsens allen anderen Teilnehmern aufzwingen. Sollte eine Minderheit BIP 110 dennoch aktivieren, drohe daher keine geordnete Verbesserung des bestehenden Netzwerks, sondern eine Abspaltung. Die Unterstützer würden dann möglicherweise einer Minderheits-Blockchain folgen, während das bisherige Bitcoin-Netzwerk unverändert weiterläuft. Bitcoin habe den Vorschlag aus seiner Sicht bereits deutlich zurückgewiesen.

Auch Michael Saylor sieht vor allem den Präzedenzfall als Gefahr. BIP 110 mache aus einer Auseinandersetzung über Spam eine Änderung der Konsensregeln, durch die aktuell gültige und gebührenzahlende Transaktionen künftig ausgeschlossen würden. Saylor argumentiert, Bitcoin habe derzeit kein ernstes Spamproblem. Niedrige Netzwerkgebühren zeigten vielmehr, dass der freie Markt den knappen Blockplatz weiterhin effizient verteile.

Seine Warnung richtet sich damit weniger gegen einzelne Filter als gegen die langfristigen Folgen: Wird einmal akzeptiert, bestimmte legitime Transaktionen aufgrund ihres vermeintlich unerwünschten Zwecks zu verbieten, könnten später weitere Gruppen ähnliche Eingriffe verlangen. Aus einer technischen Ausnahme könnte schrittweise eine inhaltliche Kontrolle des Netzwerks entstehen.

Back verweist zugleich auf Bitcoins langsamen, dezentralen Konsensprozess als Schutzmechanismus. Keine einzelne Entwicklergruppe könne das Protokoll eigenmächtig verändern. Erst die Zustimmung zahlreicher Entwickler, Node-Betreiber, Miner und wirtschaftlicher Akteure verleihe einer Änderung Legitimität. Diese bewusste Veränderungsresistenz sei kein Mangel, sondern eine der wichtigsten Sicherheitsfunktionen von Bitcoin.

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Zuletzt aktualisiert am 12. Juli 2026

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Martin SchwarzExperte für Kryptowährungen

Martin, mit einem MSc. in Wirtschaftsinformatik und Fokus auf asymmetrischer Kryptographie und M2M-Kommunikation, ist seit 2015 in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs. Schon mit 17 begann er mit dem Handel von Kryptowährungen und erwarb seinen ersten Bitcoin. Neben seinem Interesse an Kryptowährungen widmet er sich in seiner Freizeit Online-Casinos und Sportwetten, wo er mit 18 Blackjack-Strategien entwickelte und sogenannte Sure-Bets durchführte. Seine Expertise dokumentierte er frühzeitig als Autor zu Themen wie Kryptowährungen, Trading, Aktien, Casinos und Sportwetten, wodurch er heute als gefragter Experte und Autor mit über 10 Jahren Erfahrung gilt.

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