
Bitcoin-Derivatehändler schleppen ein gewaltiges Buch in den September: Laut Daten von Coinglass lag das Futures-Open-Interest am 30. August bei 54,82 Milliarden Dollar, während der Bitcoin-Spotpreis um 19 Uhr Eastern Time bei 78.425 Dollar notierte. Gleichzeitig zeigt die Optionspositionierung ein zweischneidiges Bild: Calls dominieren zwar den ausstehenden Bestand, doch beim jüngsten Handelsvolumen liegen Puts vorne.
Genau diese Diskrepanz zwischen bullischer Bestandsstruktur und defensivem Neugeld macht den Blick auf September so spannend. Denn während die Marktteilnehmer offenbar weiterhin auf steigende Kurse setzen, kauft sich ein wachsender Teil der Trader parallel Absicherung gegen einen möglichen Rückschlag ein.
Bitcoin-Derivatemarkt trägt 54,82 Milliarden Dollar Open Interest in den September
Über alle großen Futures-Handelsplätze hinweg summierte sich das offene Interesse laut Coinglass-Wochenenddaten auf 695.020 BTC beziehungsweise 54,82 Milliarden Dollar. Binnen einer Stunde sank der aggregierte Wert um 0,26 Prozent, binnen vier Stunden um 0,38 Prozent – lag aber gegenüber dem Vortag noch 1,15 Prozent höher. Das liest sich eher nach punktuellem Abbau am Rand als nach einem breiten Ausstieg.
Binance führt die Rangliste mit 142.500 BTC beziehungsweise 11,24 Milliarden Dollar an, was 20,5 Prozent des erfassten Futures-Open-Interest entspricht. Dahinter folgt CME mit 116.040 BTC im Wert von 9,15 Milliarden Dollar und einem Anteil von 16,69 Prozent – ein Wert, der als Gradmesser für institutionelle Positionierung gilt. Zur Einordnung: Im Juni war das Futures-Open-Interest noch in den mittleren 40-Milliarden-Dollar-Bereich gefallen, bevor es Ende August wieder über 54 Milliarden Dollar kletterte, parallel zu einer Bitcoin-Bewegung über die Marke von 81.000 Dollar.
Auch der Optionsmarkt hat sich sichtbar aufgebaut: Das gesamte Bitcoin-Options-Open-Interest kletterte übers Wochenende auf rund 44 Milliarden Dollar, nachdem es Anfang August noch bei etwa 25 Milliarden Dollar gelegen hatte. Ein bekannter X-Account mit dem Namen Ted Pillows warnte am Wochenende sinngemäß, dass sich der Hebel im Markt gefährlich aufbaue und die Situation nicht gut enden werde – ein Hinweis darauf, dass die Community die Entwicklung durchaus mit Sorge beobachtet.
Calls dominieren den Bestand, Puts gewinnen das jüngste Volumen
Auf Deribit stehen sich 288.409,93 BTC in Calls und 185.234,42 BTC in Puts gegenüber, was Calls einen Anteil von 60,89 Prozent am ausstehenden Open Interest sichert. Im jüngsten 24-Stunden-Zeitraum drehte sich das Bild jedoch: Puts machten 54,49 Prozent des Handelsvolumens aus, mit 12.380,77 gehandelten BTC gegenüber 10.339,78 BTC bei Calls.
Die größten Einzelkontrakte auf Deribit zeigen, wie breit die Wetten gestreut sind. Der 25.-September-Call mit Strike bei 70.000 Dollar hält 11.018,2 BTC, gefolgt vom 25.-Dezember-Call bei 80.000 Dollar mit 8.590 BTC, dem 25.-September-Call bei 85.000 Dollar mit 8.373,9 BTC und dem 25.-September-Call bei 100.000 Dollar mit 7.323,4 BTC. Auf der anderen Seite hält ein 25.-September-Put mit Strike bei 70.000 Dollar immerhin 7.227,3 BTC – ein Zeichen für ernstzunehmende Positionierung auf beiden Seiten des Buches, wie auch der bevorstehende Optionsverfall zeigt.

Bei den Max-Pain-Niveaus zeichnen Deribit, Binance und OKX für den 25. September ein ähnliches Bild: Die Werte liegen zwischen rund 70.000 und 73.000 Dollar – deutlich unter dem aktuellen Spotpreis von 78.425 Dollar. Für frühere Termine wie den 31. August und den 4. September liegen die Max-Pain-Werte bei etwa 78.500 beziehungsweise 75.000 Dollar, während einzelne Termine im September auch bei rund 80.000 Dollar verankert sind, wie eine Analyse zu den Strike-Niveaus rund um 80.000 Dollar zeigt.
Warum die Positionierung defensiv wirkt, obwohl Calls vorne liegen
Auf den ersten Blick wirkt der Markt bullisch: Calls stellen fast 61 Prozent des ausstehenden Options-Open-Interest, und das Futures-Open-Interest hat sich gegenüber den Juni-Tiefs deutlich erholt. Doch das jüngste Handelsvolumen erzählt eine andere Geschichte, denn Puts führen dort mit 54,49 Prozent – ein Signal, dass frisches Geld eher in Absicherung als in weiteren Aufwärtswetten fließt.
Gleichzeitig bedeutet ein höheres Futures-Open-Interest, dass mehr Kapital einem plötzlichen Volatilitätsausbruch ausgesetzt ist. Die leichten Rückgänge über eine und vier Stunden deuten eher auf punktuelles Trimmen der Positionen hin als auf einen vollständigen Rückzug aus dem Markt. Auch bei CME zeigt sich dieses Muster: Das Options-Open-Interest baute sich bis Ende August wieder auf, wobei Laufzeiten mit Verfall innerhalb von ein bis zwei Monaten den größten sichtbaren Block bilden, während sich die Call-Seite in den letzten August-Sitzungen deutlich ausweitete und Puts zwar präsent bleiben, aber einen kleineren Anteil der neuesten Kontrakte stellen.

September wird zum Test für gehebelte Positionen
Mehrere Verfallstermine im September konzentrieren nun einen Großteil der offenen Optionspositionen, und die tiefer liegenden Max-Pain-Niveaus rücken das Abwärtsrisiko stärker in den Fokus. Sollte der Bitcoin-Kurs unter die aktuellen Bereiche fallen, würden die niedrigeren Max-Pain-Marken zusammen mit der erhöhten Futures-Exponierung zusätzlichen Druck erzeugen können.
Bleibt der Kurs dagegen stabil oder legt weiter zu, zeigen die dominierenden Call-Bestände, dass ein erheblicher Teil der Marktteilnehmer das Aufwärtspotenzial keineswegs abgeschrieben hat. Fest steht laut den Coinglass-Daten nur eines: Mit einem Bitcoin-Kurs bei 78.425 Dollar, einem hohen Futures-Open-Interest und Max-Pain-Niveaus, die vielfach unter dem Spotpreis liegen, ist der September für Derivatehändler alles andere als eine ruhige Angelegenheit.
Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026








Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.