Die vergangenen Monate fühlten sich für viele Anleger vermutlich wie eine Achterbahnfahrt an – und zwar der sehr unangenehmen Sorte. Auf die Euphorie über neue Allzeithochs folgte binnen kürzester Zeit die Kurskorrektur. Seit dem Erreichen des letzten Bitcoin Allzeithochs Anfang Oktober hat sich die Marktstimmung anscheinend komplett gedreht und mittlerweile steht die Frage im Raum, ob wir uns am Anfang eines ausgewachsenen Bärenmarktes befinden oder ob das lediglich eine ganz normale Korrektur ist.
Die Anatomie eines Rückschlags
In den letzten 24 Stunden fiel der Bitcoin auf 84.000 US-Dollar und damit deutlich unter die psychologisch wichtige 100.000 US-Dollar Marke. Der Fear and Greed Index fiel auf 11. Die Angst ist zurück und manche fühlen sich in das Jahr 2022 zurückversetzt, als mit dem Zusammenbruch von Terra/Luna der lange Kryptowinter begann.
Momentum bricht weg: RSI, MACD und ADX senden Warnsignale
Mehrere technische Indikatoren zeigen inzwischen deutlich, wie angeschlagen der Markt kurzfristig tatsächlich ist. Das Momentum bricht spürbar ein:
- Der Relative Strength Index rutscht stabil unter die neutrale Zone.
- Der MACD hat ein klares bärisches Crossover ausgebildet.
- Der ADX signalisiert nachlassende Trendstärke.
Diese Kombination ist selten und wird häufig in frühen Schwächephasen größerer Marktbewegungen sichtbar.
Kippende gleitende Durchschnitte: Der Trend verliert seine Basis
Parallel dazu kippen wichtige gleitende Durchschnitte. Der 50-Tage-GD dreht bereits nach unten, der 100-Tage-GD verliert an Steigung und der 200-Tage-GD flacht zum ersten Mal seit langer Zeit ab. Besonders kritisch: Der Kurs hat gleich mehrere dieser Linien unterschritten – ein Muster, das oft den Übergang zu tieferen Korrekturen markiert.
Im Raum steht zudem ein potenzielles Death Cross, historisch ein Auslöser größerer Abwärtsbewegungen.
Klassische Chartmuster: Lower Highs und Lower Lows formen sich
Auch die Marktstruktur selbst zeigt Schwäche. Auf mehreren Zeiteinheiten bildet Bitcoin eine Serie von Lower Highs und Lower Lows, das Grundgerüst eines Bärenmarkttrends.
Diese Struktur ist ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass Verkäufer zunehmend die Kontrolle übernehmen – selbst wenn große Panik bisher ausgeblieben ist.
Neben der Charttechnik drehen auch zentrale On-Chain-Kennzahlen:
- Kurzfristige Halter rutschen verstärkt in die Verlustzone
- Der Realized Profit/Loss-Trend kippt
Marktwärme-Indikatoren zeigen die schwächsten Werte seit mehreren Jahren
Solche Entwicklungen deuten darauf hin, dass die kurzfristige Marktresilienz schwindet.
Marktstimmung: Eher ängstlich
Auf dem Markt herrscht eine Art „ängstliche Unsicherheit“: Anleger sind nervös, aber (noch) nicht panisch.Institutionelle Investoren beobachten den Markt aufmerksam, reduzieren vereinzelt Positionen, verlassen ihn aber nicht. Viele warten auf klarere Signale – entweder in Form eines erneuten Trends nach oben oder eines eindeutigen Bruchs nach unten.
In solchen Phasen wird oft besonders deutlich, wie wichtig langfristige Perspektiven sind. Kurzfristige Nachrichten schlagen plötzlich stärker durch, selbst wenn sie fundamental wenig Gewicht haben.
Worst November for $BTC since 2018.
Worst November for S&P 500 since 2008.
Worst November for NASDAQ since 2008.
We should start looking for jobs now. pic.twitter.com/0AL1Uoytfy
— Max Crypto (@MaxCrypto) November 21, 2025
Das große Kräfteverhältnis: Was ist die Bitcoin Dominanz?
Gerade in unsicheren Phasen rückt ein grundlegender Marktindikator stärker in den Fokus: die Bitcoin-Dominanz. Sie beschreibt den prozentualen Anteil, den Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung des Kryptomarktes hält. Steigt sie, fließt Kapital aus Altcoins zurück in den vermeintlich stabileren Marktführer. Sinkt sie, deutet das auf wachsendes Interesse an alternativen Projekten hin.
Aktuell steigt die Dominanz wieder an – ein typisches Muster, wenn Anleger Risiko reduzieren. Das war in früheren Marktzyklen häufig ein Vorbote für schwierigeres Terrain bei Altcoins, aber auch ein Zeichen dafür, dass Bitcoin selbst die relative Stärke behält.
Interessant ist dabei: Trotz des Kursrückgangs verliert Bitcoin weniger als viele kleinere Tokens. Das könnte bedeuten, dass sich ein Teil der Investoren bewusst zurückzieht, ohne den Markt komplett zu verlassen.
Historische Muster – und warum sie diesmal nur bedingt helfen
Analysten bedienen sich bei der Bewertung der Lage gerne vergangener Marktzyklen. Und es stimmt: Bitcoin hat schon mehrfach bewiesen, dass starke Rücksetzer Teil des Spiels sind. Doch der Markt von heute ist ein anderer als vor fünf oder zehn Jahren.
Die zunehmende institutionelle Beteiligung sorgt für eine neue Dynamik. Makroökonomische Entwicklungen – Zinsen, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Ausblicke – wirken direkter auf die Kurse als früher. Auch politische Debatten rund um Regulierung, besonders in den USA und Europa, beeinflussen das Tempo neuer Marktimpulse. Kurz gesagt: Historische Muster taugen als Orientierung, aber nicht als Blaupause. Die klassischen Vierjahreszyklen, die das Marktgeschehen über ein Jahrzehnt hinweg fast schon metronomisch geprägt haben, beginnen ihre Aussagekraft zu verlieren. Das Halving löste früher zuverlässig eine Art Dominoeffekt aus: knapperes Angebot, wachsender Hype, steigende Preise, schließlich Überhitzung – und anschließend der lange Winter. Dieses simple Muster war ein Traum für Analysten, weil es immer wieder in erstaunlicher Präzision funktionierte.
Doch heute ist die Situation eine andere. Der Markt ist größer, reifer und stärker mit der traditionellen Finanzwelt verknüpft. Institutionelle Zuflüsse, makroökonomische Trends und globale Liquiditätsbedingungen überlagern das Halving-Narrativ zunehmend.
Wohin entwickelt sich der Markt? Die vorsichtige Bitcoin Prognose
Eine belastbare Bitcoin Prognose ist in dieser Phase eine Herausforderung. Was man aktuell mit Sicherheit sagen kann: Die Spannbreite möglicher Entwicklungen ist größer als sonst.
Positiv zu werten sind Faktoren wie die weiterhin stabile On-Chain-Aktivität, das Verhalten langfristiger Halter und die Tatsache, dass Bitcoin – anders als viele Altcoins – weiterhin als Kernasset wahrgenommen wird. Hinzu kommt, dass der Markt zwar korrigiert, aber keine extremen Stresssignale zeigt, wie sie typischerweise am Anfang eines mehrjährigen Abschwungs auftreten.
Auf der anderen Seite stehen die klaren technischen Schwächesignale und die zunehmende Unsicherheit im makroökonomischen Umfeld. Der Spielraum für schnelle geldpolitische Lockerungen scheint begrenzt, und solche Maßnahmen waren in früheren Marktphasen oft ein Katalysator für neue Höchststände.
Die Prognose fällt damit zweigeteilt aus: Der Markt könnte sich als überraschend widerstandsfähig erweisen – oder weiter unter Druck geraten, sollte eine der zentralen Unterstützungszonen nachgeben. Vieles hängt davon ab, ob die Käuferseite genügend Stärke mobilisieren kann, um den strukturellen Gegenwind aus Technik, Makro und Sentiment auszugleichen. Entsprechend bleibt offen, ob die übliche Dezember-Rallye tatsächlich in Fahrt kommt oder in diesem Jahr ausbleibt. In einer Phase, in der sich widersprüchliche Signale überlagern und historische Muster an Aussagekraft verlieren, lässt sich dieser saisonale Effekt schlicht nicht zuverlässig vorhersagen.
Zuletzt aktualisiert am 21. November 2025




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