Am Kryptomarkt wächst wieder die Unsicherheit. Bitcoin fiel unter mehrere wichtige Kursmarken, technische Indikatoren drehten nach unten. Auch bei großen Altcoins blieb eine Erholung aus. Zudem ziehen sich institutionelle Investoren spürbar zurück und reduzieren ihre Positionen.
Die Ursache lässt sich nicht auf einen Faktor festlegen. Zusammen kamen schwache Kurse, ein zunehmend brüchiger Marktaufbau und zusätzliche Belastungen außerhalb von Bitcoin – vor allem makroökonomische Faktoren.
Bitcoin unter Druck: Unterstützungen halten nicht mehr
Bitcoin startete in die Woche noch in einer engen Spanne zwischen rund 94.000 und 96.000 US-Dollar, verlor dann jedoch Schritt für Schritt an Boden. Besonders kritisch: Der Kurs scheiterte mehrfach daran, sich oberhalb der Zone um 92.000 US-Dollar zu halten und rutschte anschließend unter die 90.000-Dollar-Marke. In der Spitze ging es zeitweise bis in den Bereich von 88.000 bis 89.000 US-Dollar. Erholungen blieben kurz und wurden bereits im Bereich von 91.000 bis 92.000 US-Dollar wieder abverkauft.
Dabei ist weniger das Tempo als das Muster auffällig. Anstelle eines einzelnen Abverkaufs zeigt sich ein konstanter Verkaufsdruck über mehrere Tage, wie er häufig auftritt, wenn größere Marktteilnehmer Positionen abbauen oder absichern.
Mit jedem gescheiterten Versuch, die 90.000er-Zone zurückzuerobern, sinkt die Erwartung einer schnellen Rückkehr in Richtung der Hochs. Entsprechend verschiebt sich das Verhalten spürbar – weg von „Buy the dip“, hin zu Abwarten, Absichern und Risikoabbau.
Aktuell notiert der BTC bei rund 87.000 US-Dollar und damit knapp 30 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.000 US-Dollar aus dem Oktober 2025.
Ein Marktindikator fällt auf Bärenmarkt-Niveau zurück
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekam diese Woche der On-Chain-Indikator NUPL (Net Unrealized Profit/Loss). Er misst, wie hoch die nicht realisierten Gewinne und Verluste aller Bitcoin-Bestände im Netzwerk sind – also ob der Markt insgesamt „im Plus“ oder „im Minus“ sitzt.
Der Wert ist zuletzt in den Bereich von 0,45 bis 0,50 gefallen. Historisch liegt diese Zone nahe an Phasen, die nach starken Korrekturen oder am Übergang in Bärenmärkte beobachtet wurden. Zum Vergleich: In ausgeprägten Hausse-Phasen notiert der NUPL meist deutlich über 0,6, in echten Bärenmärkten fällt er oft unter 0,3.
Konkret heißt das: Ein wachsender Teil der Marktteilnehmer hält BTC aktuell unter dem eigenen Einstiegspreis.Der Markt ist damit deutlich weniger komfortabel positioniert als noch vor wenigen Wochen.
Solche Konstellationen sind heikel. Einerseits steigt der Verkaufsdruck, weil Anleger bei weiteren Rückgängen Verluste begrenzen wollen. Andererseits entstanden in der Vergangenheit genau in diesem Bereich häufig größere Bodenbildungsphasen, wenn schwache Hände ausgestoppt waren und langfristige Käufer wieder einstiegen.
Kurzfristig sorgt der fallende NUPL aber vor allem für eines: Zurückhaltung. Viele Trader reduzieren Risiko, bauen keine neuen großen Long-Positionen auf und warten ab, ob die Zone hält – oder ob der Markt in Richtung der nächsten Unterstützungen abrutscht.
Derivatemarkt: Liquidationen verstärken den Abwärtsdruck
Auch im Futures-Handel war die Nervosität deutlich sichtbar. In mehreren Abwärtsbewegungen wurden hoch gehebelte Long-Positionen liquidiert, was den Kurs zusätzlich nach unten zog.
Solche Liquidationsketten entstehen, wenn Kursmarken unterschritten werden, an denen automatische Stop-Mechanismen greifen. Das sorgt kurzfristig für mehr Volatilität und verstärkt Bewegungen, die eigentlich aus moderatem Verkaufsdruck entstanden sind.
Parallel dazu gingen offene Positionen an großen Derivatebörsen zurück – ein Zeichen dafür, dass Trader Risiken abbauen und weniger bereit sind, aggressiv auf steigende Kurse zu setzen. Auch das spricht für ein Marktumfeld, in dem Kapital eher geschützt als eingesetzt wird.
Altcoins: Schwäche breitet sich aus
Die Entwicklung blieb nicht auf Bitcoin beschränkt. Ethereum, XRP und weitere große Altcoins zeigten ebenfalls eine klare Abwärtsstruktur.
Ethereum konnte mehrere technische Widerstände nicht überwinden und rutschte erneut unter mittelfristige Durchschnittswerte. XRP verlor wichtige Unterstützungen und bewegte sich über Tage in einer engen Abwärtsspanne. Auch andere große Projekte aus den Top-10 korrigierten oder stagnierten.
Dieses Verhalten ist typisch für Phasen steigender Risikoaversion: Während Bitcoin als relativ stabilstes Asset im Sektor gilt, werden kleinere und spekulativere Positionen zuerst reduziert. Das führt dazu, dass sich Kursverluste im Altcoin-Segment oft stärker und breiter ausprägen als bei BTC selbst.
Weitere Krypto-News der Woche abseits von Bitcoin
Europa zieht die regulatorischen Schrauben weiter an. Mit der Umsetzung der neuen Krypto-Regeln gelten für Börsen, Verwahrstellen und andere Dienstleister strengere Anforderungen an Kapitalausstattung und Transparenz. Für die Branche bedeutet das vor allem höhere laufende Kosten und zusätzlichen organisatorischen Aufwand – ein Faktor, der kleinere Anbieter spürbar belastet.
An den Kryptobörsen selbst zeigte sich in dieser Woche vor allem Zurückhaltung. Marktbeobachter achten verstärkt auf Stablecoin-Zuflüsse und Liquiditätskennzahlen, weil sie früh anzeigen, ob frisches Kapital in den Markt kommt oder Aktivität nachlässt. Entsprechend defensiv fiel das Handelsverhalten zuletzt aus: Erholungen wurden schnell wieder abgegeben, neue Risikopositionen nur zögerlich aufgebaut.
Zusätzlich rückte die Wall Street in den Fokus. Die New York Stock Exchange kündigte an, den Handel mit tokenisierten Wertpapieren auszubauen und eine Infrastruktur für einen nahezu durchgehenden 24-Stunden-Handel vorzubereiten. In der Branche gilt das als Signal, dass klassische Börsen Blockchain-Technologie zunehmend in ihre Kernsysteme integrieren wollen.
Im Mining-Sektor bleibt der Margendruck hoch. Niedrigere Bitcoin-Kurse treffen auf weiterhin hohe Energiekosten, wodurch vor allem ältere und ineffiziente Anlagen an Profitabilität verlieren. Das verändert schrittweise die Kostenstruktur des Netzwerks, ohne kurzfristig direkten Einfluss auf den Kurs zu haben.
Auch im DeFi-Bereich kam es erneut zu kleineren Sicherheitsvorfällen durch manipulierte oder fehlerhafte Smart Contracts. Die Schäden blieben begrenzt, doch die regelmäßige Häufung solcher Angriffe unterstreicht die weiterhin vorhandenen strukturellen Schwächen im Ökosystem.
Ist der Bärenmarkt zurück?
Aktuell spricht vieles für eine deutliche Abkühlung, aber noch nicht für einen klassischen Bärenmarkt im engeren Sinn. Bitcoin hat wichtige Unterstützungen verloren, der NUPL-Indikator signalisiert wachsende Verluste im Markt und institutionelle Kapitalflüsse sind vorsichtiger geworden. Das sind typische Merkmale einer fortgeschrittenen Korrekturphase. Gleichzeitig liegen die Kurse weiterhin klar über den Niveaus früherer Bärenmärkte, und es fehlt bislang an einer breiten Kapitulation mit stark steigenden Volumina.
Der Markt bewegt sich damit eher in Richtung einer angespannten Seitwärts- bis Abwärtsphase als in einen voll ausgeprägten Abwärtstrend. Ob daraus tatsächlich ein neuer Bärenmarkt entsteht, dürfte sich vor allem daran entscheiden, ob Bitcoin die Zone um 90.000 US-Dollar zurückerobern kann – oder ob weitere Unterstützungen fallen.
Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2026




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