Krypto-Raub in San Francisco: Millionen durch falschen Lieferboten gestohlen

Lieferbote mit Laptop

Ein gewaltsamer Überfall auf einen Krypto-Investor in San Francisco hat erneut die Sicherheitsrisiken der Selbstverwahrung digitaler Vermögenswerte verdeutlicht. Wie aus einem Polizeibericht hervorgeht, verschaffte sich der Täter am Samstagmorgen gegen 6:45 Uhr als Lieferbote getarnt Zugang zum Haus des Opfers im Mission Dolores-Viertel.

Der Verdächtige bedrohte den Hauseigentümer mit einer Waffe, fesselte ihn mit Klebeband und zwang ihn zur Herausgabe seiner Wallet-Zugangsdaten. Neben Kryptowährungen im Wert von 11 Millionen Dollar erbeutete der Täter auch einen Laptop und das Smartphone des Opfers. Zur Frage, ob das Opfer verletzt wurde oder ob bereits Festnahmen erfolgten, liegen keine Informationen vor. Die San Francisco Police reagierte bislang nicht auf Anfragen.

Experten warnen vor steigender Zahl physischer Angriffe

Der Vorfall ist Teil eines besorgniserregenden Trends. Jameson Lopp, Sicherheitschef des Selbstverwahrungsanbieters Casa, dokumentiert solche „Wrench Attacks“, physische Angriffe auf Krypto-Besitzer, in einer Datenbank. Für 2024 verzeichnet er bereits über 60 Fälle, etwa doppelt so viele wie im Vorjahr.

„Die harte Wahrheit ist, dass die Identifizierung der Verdächtigen in der Regel deutlich einfacher ist als die Wiederbeschaffung der gestohlenen Kryptowährungen“, erklärt Cybercrime-Berater David Sehyeon Baek gegenüber Decrypt. Bei erzwungenen Transfers könnten Angreifer Kryptowährungen „innerhalb von Minuten“ über datenschutzfokussierte Dienste verschieben.

Internationale Dimension des Problems

Die Problematik beschränkt sich nicht auf die USA. Erst am Sonntag verhaftete die thailändische Polizei einen Südkoreaner und drei thailändische Staatsangehörige wegen der angeblichen Entführung und Beraubung eines chinesischen Opfers. Kürzlich wurden der russische Krypto-Promoter Roman Novak und seine Ehefrau in den Vereinigten Arabischen Emiraten ermordet, nachdem sie sich mit vermeintlichen Investoren getroffen hatten, die Zugang zu seinen Wallets forderten.

Auch in Los Angeles sorgte ein Fall für Aufsehen: Ein ehemaliger LAPD-Beamter und ein mutmaßlicher israelischer Gangster wurden wegen der Entführung eines Teenagers angeklagt, von dem sie 350.000 Dollar in Kryptowährungen erpresst haben sollen. In New York wurde ein Krypto-Investor festgenommen, der einen italienischen Geschäftsmann mehr als zwei Wochen in seiner Wohnung festgehalten haben soll.

Die Häufung der Vorfälle befeuert die Debatte über sichere Verwahrungsmethoden. Während Selbstverwahrung ein Grundprinzip der Krypto-Philosophie darstellt, setzen einige Veteranen der Szene mittlerweile auf regulierte Custody-Lösungen oder Bitcoin-ETFs.

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