Hayes warnt vor Tether-Insolvenz: Bitcoin-Absturz könnte USDT-Deckung gefährden

Tether Absturz

BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes hat eine kontroverse Analyse der Tether-Reserven veröffentlicht, die eine neue Debatte über die Stabilität des weltgrößten Stablecoins ausgelöst hat.

Hayes argumentiert, dass ein 30-prozentiger Kursrückgang bei Bitcoin und Gold das Eigenkapital des USDT-Emittenten vollständig aufzehren würde. Die Warnung erfolgt zeitgleich mit einer Herabstufung durch S&P Global Ratings und der Schließung von Tethers Mining-Operationen in Uruguay.

S&P stuft USDT auf niedrigste Bewertungsstufe herab

S&P Global Ratings hat USDT Ende November auf die niedrigste Stufe seiner Stabilitätsskala herabgestuft. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit der steigenden Exposition gegenüber hochriskanten Assets. Bitcoin macht mittlerweile 5,6 Prozent der USDT-Reserven aus und übersteigt damit den Eigenkapitalpuffer von 3,9 Prozent.

Die risikobehafteten Vermögenswerte in Tethers Portfolio stiegen von 17 Prozent im Vorjahr auf 24 Prozent Ende September 2025. S&P warnte, dass ein erheblicher Wertverlust bei Bitcoin, kombiniert mit Verlusten bei anderen volatilen Assets, zu einer Unterdeckung von USDT führen könnte.

Hayes sieht massiven Zinshandel als Risikofaktor

Hayes analysierte den jüngsten Reservenbericht von Tether und kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen einen „massiven Zinshandel“ betreibt. Seine These: Tether rechnet mit Zinssenkungen der US-Notenbank, die die lukrativen Einnahmen aus US-Staatsanleihen schmälern würden. Als Reaktion darauf schichte das Unternehmen massiv in Bitcoin und Gold um, und damit in Assets, die theoretisch bei sinkenden Zinsen steigen sollten.

„Eine etwa 30-prozentige Reduzierung der Gold- und Bitcoin-Position würde ihr Eigenkapital vernichten“, schrieb Hayes auf X. „Dann wäre USDT theoretisch insolvent.“ Er prognostizierte, dass große Holder und Börsen bald Echtzeit-Zugang zur Bilanz fordern werden, um Solvenzrisiken einschätzen zu können.

Nach Angaben des jüngsten Berichts verfügt Tether über etwa 181 Milliarden Dollar an Vermögenswerten zur Deckung von USDT. Der Großteil liegt in US-Staatsanleihen (112 Milliarden Dollar), Repo-Geschäften und Geldmarktinstrumenten. Daneben hält Tether fast 13 Milliarden Dollar in Edelmetallen, knapp 10 Milliarden Dollar in Bitcoin und über 14 Milliarden Dollar in besicherten Krediten.

Branche widerspricht vehement

Marktbeobachter widersprechen Hayes Analyse entschieden. Ein ehemaliger Citi-Analyst erklärte, dass die öffentlichen Reservenberichte nur die Assets zeigen, die direkt USDT decken, nicht das gesamte Unternehmensvermögen. Tether verfolge eine „Matching“-Philosophie.

Die tatsächliche Bilanzstärke bleibe oft verborgen. Tether verfüge über ein separates Eigenkapital-Portfolio mit Venture-Investments, Mining-Operationen und weiteren Bitcoin-Beständen, die nicht in den Transparenzberichten auftauchen. Analysten schätzen den Wert dieses Eigenkapitals konservativ auf 50 bis 100 Milliarden Dollar.

Tran Hung, CEO von UQUID Card, bezeichnete Hayes Warnung als grundlegend fehlerhaft. Er verwies darauf, dass die überwältigende Mehrheit der 181 Milliarden Dollar in hochliquiden, risikoarmen Instrumenten geparkt sei. Diese „Cash und Cash-Äquivalente“ würden eine Liquiditätsmauer bieten, die ausreiche, um die überwältigende Mehrheit der im Umlauf befindlichen USDT zu decken.

Hung erinnerte daran, dass Tether während der FTX-Krise 2022 innerhalb von nur 20 Tagen Rückzahlungen in Höhe von 25 Milliarden Dollar abwickelte.

CEO Ardoino kontert Kritik scharf

Auch Tether-CEO Paolo Ardoino wies die S&P-Herabstufung via X zurück. Das Unternehmen trage „S&Ps Verachtung mit Stolz“, schrieb er. Die klassischen Ratingmodelle für traditionelle Finanzinstitutionen hätten historisch Investoren dazu gebracht, in Unternehmen zu investieren, die trotz Investment-Grade-Rating später kollabierten, statt Kryptowährungen wie Tether zu kaufen.

Tether sei stattdessen „das erste überkapitalisierte Unternehmen der Finanzbranche ohne toxische Reserven“. Die traditionelle Finanzpropagandamaschine werde nervös, wenn ein Unternehmen sich der „Schwerkraft des kaputten Finanzsystems“ entziehe.

Uruguay-Mining nach Energiestreit eingestellt

Parallel zur Reserven-Debatte bestätigte Tether die Schließung seiner Mining-Operationen in Uruguay. Das Unternehmen hatte ursprünglich geplant, bis zu 500 Millionen Dollar zu investieren und drei Rechenzentren sowie einen 300-Megawatt-Erneuerbaren-Energiepark zu errichten.

Nach Angaben des uruguayischen Arbeitsministeriums entlässt Tether 30 seiner 38 lokalen Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte bereits über 100 Millionen Dollar ausgegeben und weitere 50 Millionen Dollar für Infrastruktur eingeplant, die dem staatlichen Energieversorger UTE gehören würde.

Die Schließung erfolgte nach gescheiterten Verhandlungen über Stromtarife. Tether hatte seit November 2023 wiederholt um wettbewerbsfähigere Preise gebeten und einen Wechsel von 31,5-Kilovolt- zu 150-Kilovolt-Übertragungstarifen vorgeschlagen. Eine Einigung kam nicht zustande. Berichten zufolge besteht zudem eine Schuld von 4,8 Millionen Dollar beim staatlichen Stromversorger UTE.

Stablecoin-Debatte befeuert Interesse an Bitcoin-Alternativen

Die Unsicherheit rund um Tether verstärkt bei einigen Investoren das Interesse an alternativen Krypto-Projekten. Während etablierte Coins wie Bitcoin im Zentrum institutioneller Debatten stehen, rücken spekulativere Projekte in den Fokus risikobereiter Anleger.

Ein Beispiel ist Bitcoin Hyper, ein neuer Token, der sich als Gaming- und Play-to-Earn-Projekt positioniert und über ein Stake-to-Mine-Modell verfügt. Das Projekt befindet sich derzeit im Presale und hat nach eigenen Angaben bereits über 3,5 Millionen Dollar eingesammelt. Analysten warnen jedoch, dass solche Presale-Projekte hochspekulativ sind und das Totalverlustrisiko deutlich höher liegt als bei etablierten Kryptowährungen. Investoren sollten nur Kapital einsetzen, dessen Verlust sie verkraften können.

Zuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2025

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