
Die britische Steuerbehörde HM Revenue and Customs (HMRC) hat am 27. August ihre erste offizielle Statistik zu steuerpflichtigen Gewinnen aus Krypto-Vermögenswerten veröffentlicht. Demnach meldeten im Steuerjahr 2024–25 insgesamt 240 Personen jeweils Kapitalgewinne von mehr als 1 Million Pfund aus Kryptowährungen, zusammen kamen sie auf 717 Millionen Pfund.
Damit liefert Großbritannien erstmals belastbare Zahlen zu einem Marktsegment, das bislang nur unter der allgemeinen Kapitalertragsteuer-Statistik verbucht wurde. Insgesamt gaben 17.600 Steuerzahler Krypto-Gewinne an, die sich auf 1,38 Milliarden Pfund summierten – ein Hinweis darauf, wie stark sich Meldepflichten und behördliche Kontrolle rund um digitale Vermögenswerte in Großbritannien inzwischen konkretisiert haben. Mehr zu den Warnschreiben der HMRC an Krypto-Anleger zeigt, dass die Behörde schon länger gezielt auf diese Zielgruppe zugeht.
Erste HMRC-Statistik zeigt Umfang der steuerpflichtigen Krypto-Gewinne
Die Daten sind Teil der jährlichen Kapitalertragsteuer-Statistik der HMRC, die nun erstmals eine eigene Tabelle zu Steuerzahlern mit Krypto-Vermögenswerten, Veräußerungserlösen und Gewinnen enthält. Laut der Pressemitteilung der britischen Regierung meldeten die 17.600 Steuerzahler zusammen Veräußerungserlöse von 13,8 Milliarden Pfund und steuerpflichtige Gewinne von 1,38 Milliarden Pfund – im Schnitt rund 78.000 Pfund pro Person. Etwa 87 Prozent der Personen mit steuerpflichtigen Krypto-Gewinnen waren männlich, rund 13 Prozent weiblich.
Als steuerpflichtige Veräußerung gelten unter anderem der Verkauf von Token, der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere sowie die Ausgabe digitaler Vermögenswerte für Waren oder Dienstleistungen. Wurde Krypto hingegen durch Beschäftigung, selbstständige Tätigkeit, Mining, Staking oder Kreditvergabe erworben, kann es nach den allgemeinen Regeln als Einkommen steuerpflichtig sein. Parallel dazu hat HMRC in den vergangenen zwölf Monaten 81.000 krypto-bezogene Steuerbescheide verschickt – ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber rund 65.000 im Vorjahreszeitraum und fast dreimal so viele wie die 27.714 Schreiben im Steuerjahr 2023/24.
Der Finanzstaatssekretär James Murray erklärte laut HMRC, Gewinne aus Krypto-Vermögenswerten seien genau wie alle anderen Gewinne steuerpflichtig und die Behörde wolle sicherstellen, dass Betroffene ihre Steuerschuld kennen. HMRC-Geschäftsführer John-Paul Marks betonte, man wolle es Anlegern so einfach wie möglich machen, ihre steuerlichen Pflichten bei Krypto-Vermögenswerten zu verstehen und zu erfüllen.

CARF und geplante DeFi-Regeln erweitern den steuerlichen Rahmen
Großbritannien hat im Januar mit der Umsetzung des OECD-„Cryptoasset Reporting Framework“ (CARF) begonnen. Krypto-Dienstleister müssen ihre ersten Berichte zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai 2027 einreichen; sie umfassen Kundeninformationen und Transaktionen aus dem Kalenderjahr 2026. Ungenaue, unvollständige, verspätete oder fehlende Meldungen können mit bis zu 300 Pfund pro Nutzer sanktioniert werden, während der internationale Informationsaustausch HMRC künftig besseren Einblick in Aktivitäten über ausländische Anbieter verschaffen soll.
Ab dem 6. April 2027 sollen zudem separate Reformen die Behandlung bestimmter DeFi-Transaktionen ändern. Bei Krypto-Krediten und Liquiditätspools ist im Allgemeinen eine Stundung der Kapitalertragsteuer bis zum Zeitpunkt einer wirtschaftlichen Veräußerung vorgesehen – die Regierung schätzt, dass rund 700.000 Personen davon betroffen sein könnten.

Was Krypto-Anleger bei Steuererklärungen beachten sollten
Verkäufe, Krypto-zu-Krypto-Tauschgeschäfte und Ausgaben mit digitalen Vermögenswerten können steuerpflichtige Veräußerungen darstellen. Wer bislang Einkünfte oder Gewinne nicht angegeben hat, kann dies über den „Crypto Disclosure Service“ der HMRC nachholen. Beträge oberhalb des Steuerfreibetrags für das Steuerjahr 2025/26 müssen bis zum 31. Januar 2027 in einer Selbstveranlagung angegeben und die fälligen Steuern zu diesem Zeitpunkt entrichtet werden.
HMRC schätzte, dass ihre Compliance- und Aufklärungsmaßnahmen im Zeitraum 2024–25 zusätzliche Kapitalertragsteuereinnahmen von 168 Millionen Pfund generierten. Wer zwischen langfristigem Investieren und aktivem Trading unterscheidet, findet in der gemeinsamen Analyse von Libertex und dem Handelsblatt Research Institute zusätzliche Einordnung, warum Haltedauer und Transaktionshäufigkeit auch steuerlich relevant sein können.
Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026





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