Warum Tethers Bitcoin-Mining in Uruguay an Stromverträgen scheiterte

Bitcoin-Mining-Anlage in Uruguay mit unterbrochener Stromversorgung und erneuerbarer Energieinfrastruktur

Tether, ein bedeutender Stablecoin-Emittent, wollte Uruguay als Sprungbrett für den Ausbau seines Bitcoin-Mining-Geschäfts in Südamerika nutzen. Wie Reuters berichtet, scheiterte das auf rund 120 Millionen US-Dollar geschätzte Projekt an einem Streit über die Stromversorgung. Beide Mining-Standorte wurden aufgegeben.

Der Fall verdeutlicht, welche Bedeutung Energieverträge für Bitcoin-Mining-Projekte haben. Die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts hängt laut Reuters unter anderem von Energiekosten und den Bedingungen der Stromversorgung ab.

Der Streit mit dem staatlichen Versorger UTE

Im Mai 2023 kündigte Tether an, in Uruguay Bitcoin-Mining-Anlagen aufzubauen. Das Unternehmen verwies dabei auf die erneuerbaren Energien und das stabile Stromnetz des Landes. Ein ehemaliger Tether-Vertragspartner schätzte gegenüber Reuters, dass Tether rund 60 Millionen US-Dollar in jeden der zwei Standorte im Departamento Florida investierte. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben demnach auf etwa 120 Millionen US-Dollar.

Side-by-side comparison of a gritty, industrial crypto mining farm and a clean, modern blue-lit data center.
Comparison between a makeshift Bitcoin mining operation and a professional enterprise data center.

Im Zentrum des Konflikts stand die Auslegung einer Vertragsklausel mit dem staatlichen Versorger UTE. Tether verstand die vereinbarte Strommenge nach Angaben eines ehemaligen Vertragspartners als Mindestmenge, die später erhöht werden könne. UTE betrachtete sie dagegen als feste Obergrenze. Ein internes UTE-Briefing, das Reuters einsehen konnte, datierte den Beginn der Auseinandersetzung auf November 2024.

Eskalation nach Regierungswechsel

Im März 2025 trat in Uruguay eine linksgerichtete Regierung ihr Amt an und besetzte die Führung von UTE neu. Ein ehemaliger Tether-Vertragspartner erklärte Reuters, die neue Leitung habe bei einer Neuverhandlung des Stromvertrags eine härtere Haltung eingenommen. Zwei Monate später stellte Tethers lokale Einheit Microfin die Zahlung ihrer Stromrechnungen ein und teilte UTE im Juni 2025 mit, die Verträge beenden zu wollen.

Beide Seiten versuchten laut UTE-Unterlagen zunächst, die Vereinbarung durch einen überarbeiteten Vertrag zu retten. Der UTE-Vorstand billigte ein entsprechendes Memorandum und neue Vertragstexte. Den von Reuters eingesehenen Protokollen zufolge erschienen Tether-Vertreter jedoch nicht zum Unterzeichnungstermin. Am 25. Juli 2025 kappte UTE die Stromversorgung der beiden Mining-Anlagen.

Wachsende Herausforderungen für das Mining

Tether teilte den uruguayischen Arbeitsbehörden am 25. November mit, den Betrieb einzustellen und den Großteil der Belegschaft zu entlassen, wie die lokale Zeitung El Observador berichtete. Microfin beglich seine ausstehenden Schulden im Dezember, bestätigte UTE Reuters.

Der Fall ereignete sich in einer Phase, in der Bitcoin-Mining nach Einschätzung von Analysten weniger profitabel geworden ist. Reuters nennt dafür die Halbierung der Bitcoin-Blockbelohnung im April 2024 sowie den Rückgang des Bitcoin-Preises von einem Höchststand im Jahr 2025. Als mögliche Reaktionen versuchen Miner laut Tanay Ved, Senior Research Analyst bei Talos, effizientere Hardware einzusetzen, günstigere Energie zu beschaffen oder ihre Rechenleistung für KI und High-Performance-Computing zu nutzen.

Der Krypto-Mining-Experte Nicolas Ribeiro sagte Reuters, Uruguays zuverlässiges Stromnetz und die gute Internetanbindung eigneten sich eher für KI-Rechenzentren. Bitcoin-Mining sei dagegen fast vollständig auf günstigen Strom angewiesen. Uruguay verfüge zwar über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien, die Stromkosten seien jedoch vergleichsweise hoch.

Was der Fall für Mining-Investitionen zeigt

Tether kontrolliert laut Reuters Stablecoins im Wert von rund 183 Milliarden US-Dollar. CEO Paolo Ardoino erklärte auf einer Branchenkonferenz, das Unternehmen habe mehr als 2 Milliarden US-Dollar in Energieproduktion und Bitcoin-Mining investiert. Der Rückschlag in Uruguay zeigt, dass hohe Investitionen allein keinen reibungslosen Betrieb sichern, wenn die Versorgung mit Energie vertraglich umstritten ist.

Paolo Ardoino wearing a black hoodie with the Tether logo on the chest against a grey background
Paolo Ardoino, CEO of Tether.

Reuters verweist zudem auf die hohe Mobilität von Bitcoin-Mining-Aktivitäten: Anlagen können vergleichsweise schnell eröffnet, geschlossen oder an andere Orte verlagert werden. Für die Bewertung von Mining-Projekten bleibt damit entscheidend, wie eindeutig und belastbar die zugrunde liegenden Energievereinbarungen sind.

Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026

Bitcoin Hyper: Innovative Layer-2-Lösung für Bitcoin

  • Extrem niedrige Gebühren – ideal für Mikrozahlungen
  • Blitzschnelle Bitcoin-Transaktionen dank Layer-2-Technologie
  • Bitcoin meets DeFi: Staking, DEX, Smart Contracts
9.7/10
Kryptowährungen sind ein sehr volatiles, unreguliertes Investmentprodukt. Ihr Kapital ist im Risiko.
Vorheriger ArtikelTerm Finance: Angreifer übernimmt Kontrolle über Governance-Vaults

Jeder Handel ist riskant. Keine Gewinngarantie. Jeglicher Inhalt unserer Webseite dient ausschließlich dem Zwecke der Information und stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Dies gilt sowohl für Assets, als auch für Produkte, Dienstleistungen und anderweitige Investments. Die Meinungen, welche auf dieser Seite kommuniziert werden, stellen keine Investment Beratung dar und unabhängiger finanzieller Rat sollte immer wenn möglich eingeholt werden.

Tobias FennerExperte für Kryptowährungen

Tobias Fenner beschäftigt sich seit fast einem Jahrzehnt mit der Schnittstelle zwischen digitalen Vermögenswerten und der notorisch komplexen Welt des Steuerrechts. Der in Stuttgart ansässige Experte entwickelte früh eine Leidenschaft für die regulatorische Seite von Krypto, nachdem er feststellte, dass die meisten Enthusiasten weitaus mehr auf Gewinne fokussiert waren als auf das, was passiert, wenn das Finanzamt anklopft. Seine Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Wesentliche auf den Punkt bringen – mit einer praktischen, bodenständigen Perspektive, die sowohl Krypto-Neulinge als auch erfahrene Anleger anspricht, die sich mit deutschen und EU-Compliance-Vorgaben auseinandersetzen müssen.

Seine Berichterstattung auf Coincierge.de konzentriert sich auf steuerliche Meldepflichten, die Herausforderungen bei der Einstufung von DeFi, die steuerliche Behandlung von Staking-Einnahmen und die sich ständig weiterentwickelnden Richtlinien des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Tobias ist überzeugt, dass finanzielle Freiheit im Krypto-Raum nur dann sinnvoll ist, wenn die Menschen das Erreichte auch tatsächlich behalten dürfen. Das bedeutet, die Regeln im Detail zu verstehen, anstatt am Jahresende einfach auf das Beste zu hoffen.

Wenn er nicht gerade die neuesten BMF-Schreiben analysiert oder die Krypto-Meldestandards der OECD verfolgt, begeistert sich Tobias fürs Langstrecken-Radfahren und ein – vielleicht etwas übertriebenes – Interesse an Brettspielstrategien. Er schreibt für Leser, die Klarheit statt Hype suchen und die verstehen, dass die vermeintlich langweiligen Facetten von Krypto oft die wichtigsten sind.

Zeige alle Posts von Tobias Fenner

Weiter Lesen

Term Finance: Angreifer übernimmt Kontrolle über Governance-Vaults
Tobias Fenner
vor 2 Stunden

Term Finance verliert rund 8,5 Millionen Dollar durch einen Governance-Angriff. Der Fall zeigt die...

Lesen Sie Weiter
BlackRock-ETF treibt Bitcoin-Zuflüsse a...
Bitcoin-Rallye erreicht neue Dimension: ...
Bitcoin fällt: Steigendes Open Interest...

Fragen und Antworten

Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.

Meine Frage posten

Ihre Frage war nicht dabei?

Fragen Sie uns jetzt!

Name*

Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Ihre Frage*

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein