XRPL erzielt Milliardenvolumen, doch XRP bringt kaum Ertrag

Abstrakte Darstellung von hohem XRPL-Volumen bei geringer XRP-Gebührenerzeugung und wachsendem Angebot

XRP-Anleger stehen laut einer Analyse von 21Shares vom 19. August einer jährlichen Nettoverwässerung von 5,5 Prozent gegenüber, während die Einnahmen des XRP Ledger im ersten Halbjahr 2026 um 81,6 Prozent auf nur noch 1,18 Millionen US-Dollar einbrachen. Damit reicht die Verbrennung von Transaktionsgebühren bei Weitem nicht aus, um das wachsende Angebot auszugleichen.

Trotz eines Abwicklungsvolumens von 159,9 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum bleibt die Gebühreneinnahme des Netzwerks marginal. Genau diese Diskrepanz zwischen Nutzung und Ertrag rückt die fundamentale Bewertung von XRP in ein neues Licht.

Treuhand-Freigaben treiben das Angebot über die Gebührenverbrennung hinaus

Der Umlaufbestand von XRP wuchs laut 21Shares im Jahresvergleich um monatlich rund 272 Millionen XRP, die netto aus Treuhandkonten in den Umlauf gelangten. In der Analyse heißt es dazu: „Ein Bereich, in dem sich XRP positiv abhebt, ist die Verwässerung des Angebots. Der im Umlauf befindliche Bestand stieg im Jahresvergleich durch Freigaben aus dem Treuhandkonto und erneute Sperrungen um 5,5 %, angetrieben durch monatlich hinzugefügte rund 272 Millionen XRP.“

Im Vergleich mit anderen Krypto-Zahlungsmitteln schneidet XRP damit besser ab als Toncoin mit 9,6 Prozent jährlicher Verwässerung und Stellars XLM mit 8,8 Prozent. Nur Tron erwirtschaftete laut 21Shares genügend Einnahmen, um sein Angebotswachstum auszugleichen, sodass den Inhabern eine positive Nettorendite von 1,4 Prozent pro Jahr verblieb.

Für XRP selbst fällt das Fazit deutlich nüchterner aus: „XRP-Inhaber müssen bei den derzeitigen Gebührensätzen mit einem jährlichen Nettoverlust von 5,5 % rechnen.“ 21Shares schätzt zudem, dass sich die Einnahmen um das etwa 12.700-Fache erhöhen müssten, um das neue Angebot eines Jahres bei aktuellen Marktwerten auszugleichen.

ETPs decken nur einen Bruchteil des Angebotszuwachses

Auch institutionelle Produkte konnten die Verwässerung bislang kaum abfedern. US-amerikanische XRP-ETPs absorbierten im ersten Halbjahr 2026 laut 21Shares nur 14,8 Prozent des Anstiegs im Umlaufangebot und verzeichneten in zwei von sechs Monaten sogar Nettoverkäufe.

Venn diagram showing the overlap between ETP and ETF with a Bitcoin logo in the center

Der bislang stärkste Monat war der Mai, in dem ETP-Käufe mehr als die Hälfte des neuen Angebots deckten. Die annualisierte Zuflussrate von 588 Millionen US-Dollar entspricht dennoch nur etwa einem Siebtel des jährlichen Nettoangebots – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage über Wallet-Aktivität und Derivate bislang nicht ausreicht, um den strukturellen Angebotsdruck zu neutralisieren.

Nutzung ohne Preissignal: Warum XRPL trotz Volumen kaum verdient

Der Einnahmerückgang lässt sich laut 21Shares vor allem auf zwei Faktoren zurückführen: „Die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 fielen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 81,6 % – von 6,43 Millionen US-Dollar auf 1,18 Millionen US-Dollar. Der Großteil des Rückgangs war auf zwei Faktoren zurückzuführen: die Swap-Pool-Gebühren beim automatisierten Market Maker des XRPL, die um 80,3 % sanken, und die NFT-Lizenzgebühren, die um 69 % zurückgingen.“ Auch die traditionellen Transaktionsgebühren sanken um 66,3 Prozent auf 90.800 US-Dollar.

Das Muster erinnert an eine Debatte, die auch bei anderen Layer-1-Netzwerken geführt wird: Hohes On-Chain-Volumen allein erzeugt noch keinen ökonomischen Wert für Token-Inhaber, solange Gebührenstruktur und Burn-Mechanismus nicht mithalten. Ein ähnlicher Zielkonflikt zwischen Emission, Rückkäufen und Inflation beschäftigt derzeit auch Solana, wo Vorschläge zur Anpassung der Tokenomics diskutiert werden.

Institutionelle Nutzung als möglicher Ausweg aus der Verwässerung

Eine breitere Nutzung könnte laut 21Shares Nachfrage jenseits reiner Transaktionsgebühren schaffen, etwa wenn XRP im Treasury-Management, im Zahlungsverkehr oder bei der Liquiditätsversorgung eine größere Rolle spielt. Anodos Finance hat sich der früheren „North Star“-Beschreibung von XRP durch Ripple angeschlossen und dabei die Nutzung des Vermögenswerts für Unternehmensbeteiligungen und Mitarbeiterzahlungen angeführt.

Ripple-CEO Brad Garlinghouse sieht separat eine Chance im Bereich jährlicher Zahlungs- und Clearing-Aktivitäten im Umfang von 16 Billionen US-Dollar, wobei digitale Vermögenswerte derzeit nur einen minimalen Anteil an diesen Strömen ausmachen. Ein weiterer potenzieller Kanal sind KI-Agenten, die Transaktionen auf dem XRPL abwickeln – nachhaltiger Wert entstünde hier jedoch eher durch sinnvolle Abwicklungsaktivität als durch reine Transaktionszahlen.

Brad Garlinghouse speaking at a Collision conference event
Ripple CEO Brad Garlinghouse speaking at the Collision conference.

Die direkte institutionelle Akzeptanz von XRP als Sicherheit oder Margin bleibt nach Einschätzung von 21Shares der deutlichste noch ungelöste Katalysator. Solange dieser ausbleibt, dürfte die monatliche Freigabe aus Treuhandkonten das strukturelle Grundrauschen für XRP-Anleger bleiben – unabhängig davon, wie stark das Abwicklungsvolumen auf dem Ledger tatsächlich wächst.

Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026

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Tobias FennerExperte für Kryptowährungen

Tobias Fenner beschäftigt sich seit fast einem Jahrzehnt mit der Schnittstelle zwischen digitalen Vermögenswerten und der notorisch komplexen Welt des Steuerrechts. Der in Stuttgart ansässige Experte entwickelte früh eine Leidenschaft für die regulatorische Seite von Krypto, nachdem er feststellte, dass die meisten Enthusiasten weitaus mehr auf Gewinne fokussiert waren als auf das, was passiert, wenn das Finanzamt anklopft. Seine Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Wesentliche auf den Punkt bringen – mit einer praktischen, bodenständigen Perspektive, die sowohl Krypto-Neulinge als auch erfahrene Anleger anspricht, die sich mit deutschen und EU-Compliance-Vorgaben auseinandersetzen müssen.

Seine Berichterstattung auf Coincierge.de konzentriert sich auf steuerliche Meldepflichten, die Herausforderungen bei der Einstufung von DeFi, die steuerliche Behandlung von Staking-Einnahmen und die sich ständig weiterentwickelnden Richtlinien des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Tobias ist überzeugt, dass finanzielle Freiheit im Krypto-Raum nur dann sinnvoll ist, wenn die Menschen das Erreichte auch tatsächlich behalten dürfen. Das bedeutet, die Regeln im Detail zu verstehen, anstatt am Jahresende einfach auf das Beste zu hoffen.

Wenn er nicht gerade die neuesten BMF-Schreiben analysiert oder die Krypto-Meldestandards der OECD verfolgt, begeistert sich Tobias fürs Langstrecken-Radfahren und ein – vielleicht etwas übertriebenes – Interesse an Brettspielstrategien. Er schreibt für Leser, die Klarheit statt Hype suchen und die verstehen, dass die vermeintlich langweiligen Facetten von Krypto oft die wichtigsten sind.

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