
Bitcoin hat innerhalb einer einzigen Woche mehr als 23 Prozent zugelegt und damit den größten wöchentlichen Dollar-Gewinn seiner Geschichte erzielt. Bei Redaktionsschluss notierte die Kryptowährung bei rund 77.559 US-Dollar, nachdem der Kurs am Freitag kurzzeitig die Marke von 79.000 US-Dollar überschritten hatte.
Prozentual war es der stärkste Anstieg seit März 2023. Hinter der Entwicklung steht eine Gemengelage aus US-Schuldenpolitik, ETF-Nachfrage und politischem Druck aus Washington.
Die Rallye im Detail: Von 200-Tage-Linie bis Rekordzuflüssen
Die Charting-Plattform Barchart wies darauf hin, dass Bitcoin erstmals seit November wieder über seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gestiegen ist. Dieser Indikator wird häufig genutzt, um langfristige Markttrends einzuschätzen; Bewegungen darüber gelten vielen Marktteilnehmern als Zeichen bullischer Dynamik. Mehr zu dieser technischen Dynamik liefert die Einordnung zur Bitcoin 200-Tage-Linie und der möglichen Trendwende.
Auch der übrige Kryptomarkt zog kräftig mit: Ethereum legte um 31 Prozent zu, Solana um 28 Prozent und XRP um 53 Prozent. Bitcoin- und Ether-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche zusammen Zuflüsse von mehr als 2,61 Milliarden US-Dollar. Die wachsende Bedeutung institutioneller Kapitalströme vertieft auch die Analyse zu Bitcoin-ETF-Zuflüssen institutioneller Anleger.
Aktien und Prognosemärkte reagieren
Die Kursgewinne spiegelten sich unmittelbar in den Aktienkursen börsennotierter, kryptobezogener Unternehmen wider. Canaan, Metaplanet, Coinbase und Robinhood verzeichneten allesamt zweistellige Kursgewinne, während Michael Saylors Bitcoin-Investitionen über Strategy den Break-even-Punkt von 75.385 US-Dollar überschritten.
Auf der Wett-Plattform Polymarket stieg die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin vor 2027 die Marke von 90.000 US-Dollar erreicht, auf 48 Prozent. Nach Angaben des Handelsblatts entfiel ein erheblicher Teil des Anstiegs auf erzwungene Positionsauflösungen, die die Aufwärtsbewegung zusätzlich beschleunigten.
US-Schuldenberg als Treiber
Der US-Schuldenberg überschritt in derselben Woche die Marke von 40 Billionen US-Dollar, ohne dass ein konkreter Plan zum Haushaltsausgleich existiert. Die jährlichen Zinskosten für die Schulden übertrafen bereits die Ausgaben für Medicare und wurden damit zum zweitgrößten Ausgabenposten der Regierung nach der Sozialversicherung.

The Kobeissi Letter führte die parallelen Kursgewinne bei Edelmetallen und Kryptowährungen auf eine Kombination aus Inflation, Defizitausgaben und der Politik des US-Finanzministeriums zurück. Demnach trugen Rekorddefizite und das Versprechen des Finanzministeriums, den Umfang bestimmter Rückkaufgeschäfte für Schuldtitel mindestens zu verdoppeln und auf vier Milliarden US-Dollar zu erhöhen, zur Rallye beider Anlageklassen bei. Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, empfiehlt Anlegern angesichts der Schuldenproblematik, rund 15 Prozent ihrer Portfolios in Gold und einen kleinen Bitcoin-Anteil zu investieren. Er hält eine US-Schuldenkrise in etwa drei Jahren, mit einer Abweichung von zwei Jahren in beide Richtungen, für möglich, falls der eingeschlagene Kurs nicht geändert wird.
Regulierung als zweite Front: CLARITY Act und SEC-Vorschlag
Parallel zur Marktbewegung erhöhte US-Präsident Donald Trump nach einem Treffen mit Kryptoführern wie Coinbase-CEO Brian Armstrong und den Gemini-Mitbegründern Cameron und Tyler Winklevoss den politischen Druck auf den Kongress. Er forderte eine aus seiner Sicht faire Version des Marktstrukturgesetzes, damit die USA im Wettbewerb mit China vorn bleiben. Eine Verfahrensabstimmung dazu steht am 15. September an, für die 60 Ja-Stimmen nötig sind.

Sollte der CLARITY Act im Senat scheitern, stellte CFTC-Chef Michael Selig eigene Regeln in Aussicht. Er erklärte, die CFTC werde dem Gesetz Zeit für eine Abstimmung geben, aber bei einem Scheitern des parteiübergreifenden Entwurfs neue Regeln für die Branche vorschlagen. Zusätzlich legte die SEC einen Vorschlag vor, der Krypto-Projekten Ausnahmen für Token-Ausgaben bis zu 75 Millionen US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten erlauben und damit potenziell einen neuen ICO-Boom auslösen könnte.
Wie hoch kann Bitcoin noch steigen?
Geoff Kendrick, globaler Leiter der Digital-Asset-Forschung bei Standard Chartered, sieht Bitcoin vor Jahresende in Reichweite seines Allzeithochs von 126.000 US-Dollar. Seiner Einschätzung zufolge besteht das Risiko, dass seine Prognose von 100.000 US-Dollar zum Jahresende zu niedrig ist. Eine ausführliche Einordnung möglicher Kurszonen liefert die aktuelle Bitcoin-Prognose zur möglichen Wende.
Deutlich zurückhaltender äußert sich Bitget-CEO Gracy Chen. Sie geht davon aus, dass Bitcoin trotz des jüngsten Anstiegs bis zum Jahresende weitgehend auf dem aktuellen Niveau verharrt und lediglich zwischen 10.000 und 20.000 US-Dollar über oder unter dem heutigen Kurs schließen könnte. Sie verweist auf steigende Zinssätze und die zunehmende Verflechtung von Bitcoin mit traditionellen Finanzmärkten als mögliche Risikofaktoren. Nach Angaben des Handelsblatts bleibt die Entwicklung unsicher, solange weder die Wirkung der Anleiherückkäufe noch die Senatsabstimmung über den CLARITY Act feststehen.
Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026






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