Die britische Regierung prüft aktuell die Einführung eines Verbots von Kryptowährungsspenden im politischen Bereich. Diese Maßnahme könnte sich insbesondere auf die Reformpartei von Nigel Farage auswirken, die bislang als Vorreiter in Sachen Krypto-Finanzierung auftritt. Die geplante Regelung steht im Zusammenhang mit dem kommenden „Elections Bill“ und zielt auf eine strengere Regulierung politischer Spenden ab, insbesondere im Hinblick auf Transparenz und Einfluss aus dem Ausland.
Reform UK unter Druck – Sorge um politische Einflussnahme wächst
Reform UK hatte sich in jüngerer Vergangenheit als besonders krypto-freundliche Partei positioniert. Nigel Farage selbst hatte die Annahme von digitalen Vermögenswerten als ein Signal verstanden, Großbritannien in eine „Krypto-Revolution“ zu führen. Auf der Website der Partei wurde dafür sogar ein eigenes Spendenportal für Kryptowährungen eingerichtet. Bereits im Oktober 2025 hatte Farage berichtet, dass erste Spenden in Kryptowährungen eingegangen seien, nachdem die Wahlkommission informiert worden war. Konkrete Beträge zu den erhaltenen digitalen Finanzmitteln wurden bisher jedoch nicht veröffentlicht.
Während Reform UK in Umfragen zulegt, steht die neue Labour-Regierung unter wachsendem Druck, Maßnahmen gegen potenzielle ausländische Einflussnahme zu ergreifen. Vor allem der Umstand, dass sich Krypto-Zahlungen über verschiedene Wallets nachverfolgen lassen, dabei aber dennoch schwer zuzuordnen sind, lässt bei Experten und politischen Entscheidungsträgern die Alarmglocken schrillen.
Tom Keatinge vom britischen Think Tank RUSI warnte, dass Kryptowährungen Geldströme über Grenzen hinweg deutlich erleichtern könnten – und das in einem System, in dem ausländische Spenden grundsätzlich schon verboten sind. Das erhöhe das Risiko von illegaler Wahlkampffinanzierung erheblich.
Missbrauchsgefahr durch anonyme Transfers und politischer Druck
Mehrere Abgeordnete und Gremien befürworten deshalb eine deutliche Regulierung oder sogar ein komplettes Verbot von Krypto-Spenden. Darunter auch der ehemalige Kabinettsminister Pat McFadden, der Wahlaufsichtsbehörden öffentlich aufforderte, ein entsprechendes Verbot in Erwägung zu ziehen. Auch Liam Byrne, Vorsitzender des Business Select Committee, sowie Phil Brickell, Vorsitzender einer parteiübergreifenden Arbeitsgruppe zu Anti-Korruption und fairer Besteuerung, haben sich in ähnlicher Weise geäußert.
Besonders brisant wirkt in diesem Kontext ein jüngst publik gewordener Sicherheitsfall: Nathan Gill, Ex-Vorsitzender von Reform UK in Wales und früherer Europaabgeordneter, wurde zu über zehn Jahren Haft verurteilt, weil er Geld für pro-russische Äußerungen erhalten hatte. Nigel Farage distanzierte sich zwar deutlich von Gill und sprach von einem „schlechten Einzelfall“, dennoch hat der Vorfall die Diskussion um transparente Parteifinanzierung weiter verschärft.
Ein Sprecher des britischen Ministeriums für Wohnungsbau und Gemeinden, das auch für das neue Wahlgesetz zuständig ist, erklärte, dass die Reformen darauf abzielen, das politische Finanzierungssystem gegen ausländische Einflussnahme zu stärken und gleichzeitig verantwortungsvolle Finanzierungsmöglichkeiten für Parteien sicherzustellen. Geplant seien unter anderem neue Anforderungen an Parteien und Spender – darunter Kontrollmechanismen, die verdächtige Spenden identifizieren sollen, wie auch ein Verbot undurchschaubarer Zahlungen über Briefkastenfirmen.
Kontraste zwischen Großbritannien und den USA
Im Gegensatz zur vorsichtigen Haltung Londons hat sich der Umgang mit digitalen Spenden in den Vereinigten Staaten bereits deutlich weiterentwickelt. Dort haben Krypto-gestützte Super-PACs, also politische Aktionskomitees, allein im Wahlzyklus 2024 mehr als 190 Millionen US-Dollar gesammelt – ermöglicht durch die klaren Vorschriften der US-Wahlkommission.
In Großbritannien hingegen ist der Einfluss von Kryptowährungen auf politischer Ebene noch minimal. Keines der großen politischen Lager hatte bei der Parlamentswahl 2024 digitale Assets in ihren Wahlprogrammen erwähnt, und auch die Zahl gemeldeter Kryptowährungs-Spenden liegt weiterhin im kaum messbaren Bereich.
Ob das geplante Krypto-Spendenverbot tatsächlich Gesetz wird, bleibt bis zur Veröffentlichung des „Elections Bill“ offen. Angesichts der sicherheitspolitischen Diskussionen sowie der wachsenden Aufmerksamkeit für neue Formen politischer Einflussnahme scheint jedoch eine striktere Regulierung derzeit wahrscheinlicher denn je.
Zuletzt aktualisiert am 2. Dezember 2025

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