Ex-SEC-Chef Gensler rechnet mit Krypto ab

Der frühere Vorsitzende der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, hat sich in einem aktuellen CNBC-Interview erneut kritisch zur Krypto-Branche geäußert. Während er Bitcoin eine gewisse Legitimität zusprach, stellte er die Existenzberechtigung tausender anderer Token infrage.

„Außer Bitcoin fehlt vielen Token der fundamentale Wert“, sagte Gensler in der Sendung Squawk on the Street. Seiner Einschätzung zufolge gäbe es weltweit zwischen 5.000 und 10.000 solcher wertlosen Projekte, viele davon getrieben von kurzfristigem Hype statt realer Substanz.

Dabei blieb der 67-Jährige seiner bisherigen Linie treu, die er auch während seiner Amtszeit an der Spitze der SEC vertreten hatte. Krypto sei ein Hochrisiko-Investment, so Gensler weiter, und es gebe zahlreiche Akteure, die nur mit Betrugsabsicht handeln würden. „Schauen Sie sich Sam Bankman-Fried an. Und er war nicht allein.“

Seine Warnungen fallen in eine Phase, in der sich die Branche mit wachsender Regulierung, aber auch mit einer steigenden Zahl von Zulassungen und Marktöffnung auseinandersetzt.

Gensler verteidigt SEC-Vorgehen gegen Krypto-Firmen

Insbesondere seine strikte Haltung gegenüber Krypto-Plattformen wie Coinbase, Ripple oder Gemini hatte Gensler während seiner Amtszeit viel Kritik eingebracht. Unter seiner Führung leitete die SEC mehrere Verfahren gegen diese und andere Unternehmen ein. Von vielen in der Krypto-Community wurde dieser juristische Feldzug als überzogen ausgelegt. In sozialen Netzwerken entlud sich der Unmut regelmäßig.

Doch Gensler rechtfertigte im Interview rückblickend seinen Kurs. Die Behörde habe stets versucht, Anleger zu schützen. Die Vielzahl an betrügerischen Projekten habe entschlossenes Handeln notwendig gemacht. Seiner Ansicht nach war eine strenge Regulierung ein notwendiges Gegengewicht zur teilweise Wildwest-artigen Entwicklung in der Krypto-Branche.

Atkins leitet Kurswechsel ein

Nach dem Machtwechsel in Washington und dem Ausscheiden Genslers als SEC-Vorsitzender kam es zu einer deutlichen politischen Neujustierung. Sein Nachfolger Paul Atkins verfolgte einen deutlich kooperativeren Ansatz gegenüber der Branche.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit stellte Atkins mehrere laufende Verfahren ein, darunter die prominenten Fälle gegen einige der besten Krypto-Börsen und -Coins Coinbase, Gemini und Ripple. Auch innerhalb der Behörde selbst leitete er strukturelle Veränderungen ein, die zu einer freundlicheren Haltung gegenüber digitalen Vermögenswerten führten.

Gensler kommentierte diesen Richtungswechsel gelassen. „Wahlen haben Konsequenzen und ich respektiere das“, sagte er. Dass Atkins einen anderen regulatorischen Ansatz wähle, sei zu erwarten gewesen. Ein direktes Urteil über die Kursänderung seines Nachfolgers vermied er jedoch.

Nach seinem Rücktritt aus der SEC im Januar 2025 zog sich Gary Gensler aus dem politischen Rampenlicht zurück. Seitdem ist er wieder an seiner alten Wirkungsstätte, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), tätig. Dort hatte er bereits vor seiner Zeit als SEC-Chef über Blockchain-Technologien gelehrt, ironischerweise mit einem starken Fokus auf Bitcoin und dessen Potenzial.

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