
Mindestens ein Staatsfonds – und möglicherweise in den kommenden Wochen zwei weitere – akkumuliert derzeit Bitcoin auf dem aktuellen Kursniveau. Das bestätigte Basil Al Askari, CEO der in Abu Dhabi regulierten Handelsplattform MidChains, im Podcast „Chain Reaction“ von Cointelegraph. Der aktuelle Rückgang wird dabei nicht als Risiko, sondern als strategische Kaufgelegenheit bewertet.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein gespaltenes Bild: Während institutionelle Großinvestoren auf staatlicher Ebene still akkumulieren, verzeichnen US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs im laufenden Monat Nettoabflüsse von mehr als 4,1 Milliarden US-Dollar. Der Markt sendet damit zwei gegenläufige Signale gleichzeitig.
Staatsfonds akkumulieren Spot-Bitcoin – Al Askaris Aussagen im Detail
„Ich kann bestätigen, dass mindestens ein und möglicherweise in den kommenden Wochen zwei Staatsfonds gezielt Spot-Bitcoin akkumulieren“, erklärte Al Askari im Podcast. Ein Staatsfonds ist ein staatseigener Investmentfonds, der typischerweise aus den Währungsreserven eines Landes gespeist wird – die Entscheidung zur Bitcoin-Akkumulation signalisiert damit keine private Spekulation, sondern staatliche Überzeugung.
Al Askari betonte, dass das aktuelle Kursniveau von diesen Fonds als „Einstiegsniveau für viele dieser Mega-Fonds“ gesehen werde, die die Geduld mitbrächten, über einen längeren Zeitraum zu akkumulieren. Eine unmittelbare Kaskade nach oben sei dabei nicht zu erwarten – der Effekt auf den Preis werde graduell sein, da diese Investoren mit langen Haltehorizonten agieren.
Einen konkreten Präzedenzfall liefert Abu Dhabis Mubadala Investment Company, die im Februar 2025 437 Millionen US-Dollar in Bitcoin über den iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock investierte. Bhutans staatlicher Fonds Druk Holding and Investments gilt als einer der frühesten direkten Bitcoin-Halter unter Staatsfonds, verkaufte jedoch in diesem Jahr einen Teil seiner Bestände.
Das Signal an andere Institutionen – und der Kontext der ETF-Abflüsse
Al Askari sieht in der Akkumulation durch Staatsfonds vor allem ein Zeichen für andere institutionelle Akteure, die noch an der Seitenlinie warten. Wenn staatlich gebundene Fonds Bitcoin als strategischen Vermögenswert behandeln, wird es für andere Institutionen schwieriger, die Anlageklasse als rein spekulativ abzutun. „Ein sehr klares Signal“, wie Al Askari es formulierte.
Ähnlich lautet die Einschätzung von John D’Agostino, Head of Institutional Strategy bei Coinbase. Er erklärte gegenüber CNBC: „Ich bin gerade aus dem Nahen Osten zurückgekehrt, und ich kann Ihnen sagen, dass die Family Offices in den VAE und die Staatsfonds, die sich um den Kauf dieser Anlageklasse bemühen, nicht unglücklich darüber sind, sie zu einem Abschlag kaufen zu können.“ Die Botschaft aus der Region ist damit eindeutig: Der Rückgang wird als Rabatt wahrgenommen, nicht als Warnsignal.
Dem gegenüber stehen die anhaltenden Abflüsse aus US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs, die im laufenden Monat die Marke von 4,1 Milliarden US-Dollar überschritten haben. Die Bodenbildung bei Bitcoin gestaltet sich damit langwieriger als von vielen Marktteilnehmern erhofft. Gleichzeitig akkumulierte Strategy im laufenden Monat weitere 3.657 BTC – ein Zeichen, dass zumindest auf der Seite der Unternehmensschatzkammern die Überzeugung ungebrochen ist.

Langfristige Knappheit als strukturelle Folge
Al Askari skizzierte die längerfristige Konsequenz dieser Entwicklung: „Über einen längeren Zeitraum werden wir erleben, dass Bitcoin immer knapper wird, weil größere Halter mit sehr langen Haltehorizonten das Angebot vom Markt nehmen.“ Staatsfonds verwalten weltweit ein Vermögen von zusammen mehr als 13 Billionen US-Dollar. Selbst eine marginale Allokation von einem oder zwei Prozent in Bitcoin würde Nachfrage in einer Größenordnung erzeugen, die den Markt strukturell verändert.
Analysten des Sovereign Wealth Fund Institute hatten bereits darauf hingewiesen, dass Staatsfonds langsam agieren – wenn sie sich jedoch in Bewegung setzen, geschieht dies mit erheblichem Kapital. JPMorgan hatte zuletzt darauf hingewiesen, wie stark Bitcoins Preisentwicklung 2026 von der institutionellen Nachfrage abhängen könnte – die Staatsfonds-Käufe fügen dieser Gleichung eine neue, mächtige Variable hinzu.
Sollte sich der Kreis der akkumulierenden Staatsfonds tatsächlich auf zwei oder mehr ausweiten, dürfte dies den Druck auf andere institutionelle Akteure erhöhen, eigene Allokationen zu überprüfen. Strategy als größter institutioneller Bitcoin-Halter steht dabei selbst unter beobachtung – doch mit Staatsfonds als neuer Käuferschicht entsteht eine breitere institutionelle Basis, die den Markt langfristig stabilisieren könnte.
Zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2026




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